Chronische bakterielle Prostatitis
Synonym: chronische bakterielle Prostataentzündung
Englisch: chronic bacterial prostatitis
Definition
Unter der chronischen bakteriellen Prostatitis versteht man eine chronische, durch Bakterien verursachte Entzündung der Prostata (Vorsteherdrüse). Sie muss per Definition seit mehr als 3 Monaten bestehen bzw. Symptome hervorrufen.
Ätiologie
Die chronisch bakterielle Prostatitis wird durch eine persistierende bakterielle Besiedelung der Prostata unterhalten. Sie entwickelt sich meist als Folge einer nicht ausgeheilten akuten bakteriellen Prostatitis.
Ein weiterer Pathomechanismus sind rezidivierende Infektionen mit erneutem Bakterieneintrag aus dem unteren Harntrakt (Harnblase, Harnröhre), insbesondere bei Vorliegen prädisponierender Faktoren wie infravesikaler Obstruktion oder Restharnbildung. Auch eine hämatogene Streuung im Rahmen einer Sepsis ist möglich, spielt aber eine untergeordnete Rolle.
Begünstigend wirken u.a. liegende Harnkatheter, wiederholte Katheterisierungen sowie anatomische oder funktionelle Abflussstörungen, z.B. eine kongenitale oder erworbene Urethrastenose. In diesem Fall kommt es zu einem urethralen Überdruck, der zu einem intraprostatischen Urinreflux führt. Er erleichtert das Eindringen von Keimen in die Prostatagänge.
In vielen Fällen persistiert der Erreger in intraprostatischen Mikrokolonien oder Biofilmen, was die Eradikation erschwert und rezidivierende Verläufe begünstigt.
Erregerspektrum
Häufige Erreger einer chronischen bakteriellen Prostatitis sind Escherichia coli und andere Enterobakterien sowie Enterokokken. Seltener lassen sich Pseudomonas spp. oder Klebsiellen nachweisen.
Symptomatik
Die chronisch bakterielle Prostatitis verläuft in der Regel afebril. Im Vergleich zur akuten Prostatitis sind Krankheitsverlauf und Symptomatik insgesamt weniger ausgeprägt. Typisch sind diffuse Spannungs- und Druckschmerzen im Bereich des Damms und der Analregion. Die Schmerzen können in die Hoden, die Leistenregion sowie in den Rücken ausstrahlen. Teilweise nehmen die Beschwerden beim Aufrichten aus der Hocke oder aus dem Sitzen zu. Einige Patienten berichten über eine Zunahme der Schmerzen bei Kälteeinwirkung. Mitunter treten Potenzstörungen auf.
Diagnostik
Die Anamnese ist für die Diagnosestellung von zentraler Bedeutung. Häufig finden sich anamnestische Hinweise auf eine vorausgegangene akute Prostatitis, Epididymitis oder Urethritis.
Bei der digital-rektalen Untersuchung kann die Palpation der Prostata Schmerzen oder ein Druckgefühl auslösen. Im Ejakulat lassen sich Entzündungszellen und Bakterien nachweisen. Zur differentialdiagnostischen Abklärung können weiterführende Untersuchungen wie eine Ultraschalluntersuchung oder ein Urogramm erforderlich sein.
Zum Ausschluss einer Chlamydieninfektion sollten Urethralabstriche durchgeführt werden. Eine differenzierte Urindiagnostik ist ebenfalls erforderlich, zum Beispiel mit einer 4-Gläser-Probe oder 2-Gläser-Probe, bestehend aus Mittelstrahlurin und Exprimaturin nach Prostatamassage.
Differentialdiagnose
Therapie
Neben der symptomatischen Therapie mit krampflösenden und schmerzstillenden Mitteln erfolgt die Therapie mit Antibiotika entsprechend dem Resistogramm der Bakterien. Die antibiotische Therapie erfolgt leitliniengerecht über einen Zeitraum von mindestens 4–6 Wochen, häufig länger, mit Substanzen mit guter Prostatapenetration (z.B. Fluorchinolone, Cotrimoxazol).