Café-Coronary-Syndrom
Englisch: café coronary syndrome
Definition
Das Café-Coronary-Syndrom bezeichnet ein forensisch relevantes klinisches Szenario, bei dem es während oder kurz nach einer Mahlzeit zu einem plötzlichen Tod infolge einer Verlegung der oberen Atemwege durch einen Nahrungsbolus kommt. Das Ereignis wird initial häufig als kardiales Geschehen fehlinterpretiert.
Terminologie
Der Begriff wurde 1963 von Haugen geprägt.[1] Während der Bolustod im engeren Sinne den reflektorischen Herzstillstand durch vagale Reizung bei Fremdkörperkontakt im Larynxbereich beschreibt, ist das Café-Coronary-Syndrom der übergeordnete Begriff, der sowohl die mechanische Atemwegsverlegung als auch den reflektorischen Bolustod im Kontext eines typischen klinisch-forensischen Szenarios umfasst.
Pathophysiologie
Dem Café-Coronary-Syndrom können zwei sich überlappende Mechanismen zugrunde liegen:
- Mechanische Atemwegsverlegung: Ein unzureichend gekauter Nahrungsbolus verlegt Hypopharynx oder Glottis und führt zu einer akuten Asphyxie.
- Reflektorischer Mechanismus (Bolustod im engeren Sinne): Die Reizung der Larynxschleimhaut durch den Bolus kann eine überschießende vagale Reaktion auslösen, die zu Bradykardie und schließlich zum Herz-Kreislauf-Stillstand führt.
Die rasche klinische Verschlechterung lässt vermuten, dass beide Mechanismen häufig kombiniert auftreten.
Risikofaktoren
Häufig bestehen prädisponierende Faktoren:[2]
- Zahnstatus: Edentulie oder ausgeprägter Zahnverlust
- Alter: sehr junge oder sehr alte Patienten
- Neurologische und psychiatrische Erkrankungen:
- Medikamente: Sedativa, Antipsychotika
- Alkoholintoxikation
- Dysphagie
Diese Faktoren begünstigen unzureichendes Kauen, gestörte Schluckkoordination oder eine verminderte Schutzreflexaktivität.
Klinik
Das Café-Coronary-Syndrom manifestiert sich typischerweise als plötzliches Ereignis während oder kurz nach der Nahrungsaufnahme. Die betroffene Person kollabiert meist abrupt, häufig ohne zuvor ausgeprägte Erstickungssymptome zu zeigen. Aufgrund des plötzlichen Verlaufes wird initial nicht selten ein akutes Koronarsyndrom vermutet.
Rechtsmedizin
Obduktionsbefunde
Im Rahmen der Obduktion lässt sich in der Regel ein Nahrungsbolus in den oberen Atemwegen nachweisen. Zusätzlich können unspezifische Erstickungszeichen wie Petechien oder eine Zyanose vorliegen. Andere ausreichende Todesursachen fehlen typischerweise.[3]
Diagnostisches Vorgehen
Die Diagnose eines Café-Coronary-Syndroms kann nur gestellt werden, wenn eine typische Umstandsanamnese vorliegt, insbesondere ein plötzlicher Kollaps im Zusammenhang mit einer Mahlzeit. Zudem muss eine Atemwegsobstruktion nachgewiesen werden, entweder im Rahmen der Obduktion oder durch entsprechende Angaben von Ersthelfern. Weiterhin sollten prädisponierende Faktoren identifiziert und alternative Todesursachen ausgeschlossen werden.
Forensische Relevanz
Die Bewertung solcher Todesfälle hat häufig forensische Konsequenzen. Insbesondere können Fragen zur Angemessenheit der Betreuung, etwa in Pflegeeinrichtungen, zur Risikoeinschätzung bei Dysphagie sowie zum Einfluss sedierender oder antipsychotischer Medikamente aufgeworfen werden.
Differenzialdiagnosen
- akutes Koronarsyndrom
- plötzlicher Herztod
- andere Formen der Aspiration
- Fremdkörperaspiration anderer Genese
- externe Erstickungsmechanismen
Quellen
- ↑ Wick, Regula, John D. Gilbert, and Roger W. Byard. Café coronary syndrome-fatal choking on food: an autopsy approach. Journal of clinical forensic medicine 13.3 (2006): 135-138.
- ↑ Mittleman, Roger E., and Charles V. Wetli. The fatal cafe coronary: foreign-body airway obstruction. Jama 247.9 (1982): 1285-1288.
- ↑ Edirisinghe, P. A. S. A Café Coronary Death due to a'Banana'. Sri Lanka Journal of Forensic Medicine, Science & Law 1.1 (2011).