Autosomal-dominante schlafassoziierte hypermotorische Epilepsie
Synonyme: autosomal dominante nächtliche Frontallappenepilepsie (adNFLE), nächtliche Frontallappenepilepsie (nFLE), autosomal-dominante Schlaf-assoziierte hypermotorische Epilepsie
Englisch: autosomal dominant sleep-related hypermotor (hyperkinetic) epilepsy, autosomal dominant nocturnal frontal lobe epilepsy
Definition
Die autosomal-dominante schlafassoziierte hypermotorische Epilepsie, kurz ADSHE, bezeichnet eine hereditäre Sonderform der FLE mit autosomal-dominantem Erbgang. Charakteristisch sind kurze, meist stereotype schlafgebundene motorische Anfälle mit hypermotorischen, tonischen oder dystonen Merkmalen.
Terminologie
Der Begriff "autosomal-dominante schlafassoziierte hypermotorische Epilepsie" entspricht in der aktuellen Klassifikation der "autosomal dominant sleep-related hypermotor (hyperkinetic) epilepsy" (ADSHE). Ältere Bezeichnungen sind teilweise noch gebräuchlich, jedoch nosologisch unscharf. Zum Beispiel impliziert die Verwendung von "nächtliche" bzw. "nocturnal" ein chronobiologisches Muster, das an die Nacht gebunden ist, während das Hauptmerkmal darin besteht, dass die Anfälle während des Schlafs und nicht speziell nachts auftreten.
Epidemiologie
Bei der ADSHE handelt es sich um ein lebenslanges, nicht progredientes fokales Epilepsiesyndrom. Der Erkrankungsbeginn reicht von der frühen Kindheit bis ins Erwachsenenalter. Etwa 80 % der Betroffenen erkranken in den ersten beiden Lebensdekaden.
Ätiopathogenese
ADSHE ist genetisch heterogen. Pathogene heterozygote Varianten wurden unter anderem in folgenden Genen beschrieben:
Beteiligt sind insbesondere:
- Gene der neuronalen nikotinischen Acetylcholinrezeptoren (CHRNA2, CHRNA4, CHRNB2),
- Gene des GATOR1-Komplexes (DEPDC5, NPRL2, NPRL3),
- sowie KCNT1, CRH, CABP4 und STX1B.
Für CHRNA2, CHRNA4, CHRNB2 und KCNT1 wird ein Gain-of-Function-Mechanismus angenommen. Für DEPDC5, NPRL2, NPRL3 und STX1B wird ein Loss-of-Function-Mechanismus beschrieben. Die genaue Pathophysiologie der daraus resultierenden neuronalen Übererregbarkeit ist jedoch bisher (2026) nicht vollständig geklärt.
Klinik
Typisch sind kurze Cluster (< 2 Minuten), meist stereotyper motorischer Anfälle während des Schlafs. Die Anfälle reichen von einfachen Arousals bis zu ausgeprägten hypermotorischen Ereignissen mit tonischen oder dystonen Komponenten. Beschrieben wurden u.a.:
- abruptes Erwachen aus dem Schlaf
- Lautäußerungen
- plötzliche Bewegungen der Extremitäten
- komplexe hypermotorische Bewegungsmuster
Diagnostik
Die Diagnose der autosomal-dominanten schlafassoziierten hypermotorischen Epilepsie stützt sich auf die charakteristische Anfallssemiologie, den Bezug der Anfälle zum Schlaf, die Familienanamnese sowie EEG- und ggf. MRT-Befunde. Des Weiteren bietet sich die Möglichkeit des Mutationsnachweises mittels molekulargenetischer Untersuchung.
Therapie
Die Behandlung erfolgt in erster Linie medikamentös. Carbamazepin führt bei etwa 70 % der Betroffenen, oft bereits in relativ niedriger Dosierung, zu einer Remission.
siehe auch: Epilepsie, Acetylcholin, Ionenkanal, Antikonvulsivum
Quellen
- Orphanet – Schlafassoziierte hypermotorische Epilepsie, abgerufen am 23.03.2026
- GeneReviews – Autosomal Dominant Sleep-Related Hypermotor (Hyperkinetic) Epilepsy, abgerufen am 23.03.2026