Dehydratation
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LoslegenSynonyme: Dehydration, Dehydrierung (falsch verwendet)
Englisch: dehydration
Definition
Unter einer Dehydratation versteht man eine Abnahme der Körperflüssigkeit bzw. des Körperwassers eines Organismus. Eine massive Dehydratation führt zu einer Exsikkose.
Terminologie
Im deutschen Sprachgebrauch werden Dehydratation und Exsikkose häufig synonym verwendet. Physiologisch bezeichnet Dehydratation jedoch primär den Wasserverlust, während Exsikkose den klinischen Zustand der ausgeprägten Volumendepletion beschreibt.
Ätiologie
Eine Dehydratation entsteht durch eine verminderte Flüssigkeitszufuhr, einen erhöhten Flüssigkeitsverlust oder eine Kombination beider Faktoren.
Verminderte Flüssigkeitszufuhr
- zu geringe Trinkmenge, v.a. bei körperlicher Anstrengung unter hohen Temperaturen
- Demenz
- Dysphagie
- Wassermangel
Erhöhter Flüssigkeitsverlust
- Diarrhö (z.B. bei Gastroenteritis)
- Erbrechen
- Fieber
- starkes Schwitzen
- Osmotische Diurese (z.B. Hyperglykämie)
- Diabetisches Koma
- Sepsis
- Verbrennung
- Morbus Addison
- Therapie mit Diuretika oder Laxanzien
- Akutes Nierenversagen (polyurische Phase)
- Diabetes insipidus
- enterale Fisteln, Ileostoma
Formen
Abhängig von der Serumosmolalität, die in der Regel mit der Höhe des Serumnatriums korreliert, werden drei Formen der Dehydratation unterschieden.
Isotone Dehydratation
Bei der isotonen Dehydratation halten sich der Verlust von Wasser und Natrium die Waage. Klinisch bestehen Zeichen der Hypovolämie, unter anderem mit Durst, Oligurie, Tachykardie, Hypotonie und Kollapsneigung.
Im Labor zeigen sich Erhöhungen des Hämatokrits, Serumeiweißes und Hämoglobins. Die Serumosmolalität ist normal, das spezifische Uringewicht erhöht.
Hypotone Dehydratation
Der Salzverlust (Natriumverlust) ist bei der hypotonen Dehydratation größer als der Wasserverlust. Durch die Hypotonie der extrazellulären Flüssigkeit kommt es zur intrazellulären Ödembildung (Osmose). Klinisch bestehen neben Symptomen der Hypovolämie wie bei der isotonen Dehydratation auch zerebrale Symptome, die auf ein beginnendes Hirnödem zurückzuführen sind. Die zerebralen Symptome umfassen Benommenheit, Verwirrungszustände und Krampfanfälle.
Hämatokrit, Serumeiweiß und Hämoglobin sind analog zur isotonen Dehydratation erhöht. Im Gegensatz hierzu sind das Serumnatrium und die Serumosmolalität erniedrigt. Mit der Bestimmung der Natriumausscheidung im Urin kann zwischen renalem (> 20 mmol/l) und extrarenalem (< 20 mmol/l) Natriumverlust unterschieden werden.
Hypertone Dehydratation
Die hypertone Dehydratation ist durch einen Mangel an freiem Wasser gekennzeichnet. Wichtige Ursachen für eine hypertone Dehydratation sind das diabetische Koma oder auch ein Diabetes insipidus. Durch die Hypertonie der extrazellulären Flüssigkeit kommt es zu einem relativ höheren intrazellulären Wassermangel.
Dies bedeutet im Umkehrschluss, dass die Symptome einer Hypovolämie fehlen bzw. nicht sehr stark ausgeprägt sind. Klinisch stehen ein extremer Durst, trockene Haut und Schleimhäute, Oligurie und eventuell auch Fieber im Vordergrund.
Hämatokrit, Serumeiweiß und Hämoglobin sind erhöht, das Serumnatrium und die Serumosmolalität sind erhöht. Bei normaler Nierenfunktion ist die Harnosmolalität erhöht, bei einem Diabetes insipidus hingegen erniedrigt.
- CAVE: Da im Rahmen des zellulären Wasserverlustes auch das Volumen der Erythrozyten abnimmt, kann der Hämatokrit trotz schwerer hypertoner Dehydratation täuschend gering verändert sein.
| Merkmal | Isotone Dehydratation | Hypotone Dehydratation | Hypertone Dehydratation |
|---|---|---|---|
| Wasser-/Natriumverlust | Natriumverlust ≈
Wasserverlust |
Natriumverlust > Wasserverlust | Wasserverlust > Natriumverlust |
| Serumnatrium | Normal | Erniedrigt | Erhöht |
| Serumosmolalität | Normal | Erniedrigt | Erhöht |
| Flüssigkeitsverschiebung zwischen EZR und IZR | Keine relevante Verschiebung | intrazelluläres Ödem | intrazelluläre Dehydratation |
| Hypovolämie | Ausgeprägt | Ausgeprägt | Gering oder mäßig |
| Hämatokrit, Hämoglobin, Serumeiweiß | Erhöht | Erhöht | Erhöht (ggf. nur gering erhöht) |
| Spezifisches Uringewicht | erhöht | meist erhöht | erhöht, bei Diabetes insipidus erniedrigt |
| Urinvolumen | erniedrigt | erniedrigt, renalen Salzverlusten ggf. normal oder erhöht | erniedrigt, bei Diabetes insipidus erhöht |
Therapie
Bei leichter Dehydratation ist meist eine orale Rehydratation mit elektrolythaltigen Trinklösungen ausreichend. Bei ausgeprägten Formen erfolgt die Flüssigkeitssubstitution in der Regel durch intravenöse Infusion, angepasst an die jeweilige Form der Dehydratation. In der Heim- und Altenpflege wird auch mit subkutanen Infusionen gearbeitet.
Je nach klinischer Symptomatik ist die Substitution von 2-4 l, manchmal auch wesentlich mehr Wasser notwendig.
Bei der isotonen Dehydratation kann relativ unkompliziert eine isotone Infusionslösung wie die Ringer-Lösung zur Rehydratation eingesetzt werden. Bei der hypotonen Dehydratation sollte bei Natriumwerten unter 125 mmol/l zusätzlich zur isotonen Lösung Natrium substituiert werden. Dieser Ausgleich sollte langsam (nicht um mehr als 10 mmol/l/24 h bzw. 18 mmol/l/48 h anheben) erfolgen, da ansonsten schwere zerebrale Nebenwirkungen drohen, z.B. eine zentrale pontine Myelinolyse (ZPM).
Bei der hypertonen Dehydratation erfolgt die Substitution von freiem Wasser, beispielsweise durch 5 %-ige Glukoselösung. Als Faustregel gilt hierbei, dass ein Drittel des abgeschätzten Wasserbedarfs durch isotonische Infusionslösungen ersetzt werden sollten. Ein Elektrolytausgleich sollte, wie bei der hypotonen Dehydratation auch, langsam und schrittweise erfolgen (Gefahr der osmotischen Wasserverschiebung in den Liquorraum).