Spinalganglion (Veterinärmedizin)
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Synonym: Ganglion spinale, Ggl. spinale
1. Definition
Spinalganglien bzw. Ganglia spinalia sind der Ort der Zellkörper der primär-afferenten Neurone und somit eine Ansammlung von Nervenzellkörpern (Ganglien). Sie sind an jeder Dorsalwurzel der Spinalnerven aller Haussäugetiere ausgebildet.
2. Anatomie
Unmittelbar vor der Vereinigung findet sich in der Dorsalwurzel das plump-spindelförmige, grau-rötlich gefärbte Spinalganglion. Diese Spinalganglien liegen im allgemeinen im Zwischenwirbel- oder Wirbelseitenloch oder unmittelbar außerhalb davon. Einzig allein die sehr kleinen Ganglien der Kreuz- und Schwanznerven sind noch innerhalb des Wirbelkanals in die Nervenstränge der Cauda equina eingelagert. Spinalganglien in diesen Bereichen können makroskopisch auch fehlen, wenn die Ganglienzellen, wie eigentlich auch beim 1. Halsnerven, nur in Form größerer oder kleiner Zellnester als Ganglia abberantia zwischen die Wurzelfäden eingestreut sind.
Die Ausprägung der Nervenstämme und Spinalganglien variieren zwischen den einzelnen Tierarten und Innervationsgebieten stark. Am deutlich stärksten ausgebildet sind sie im Bereich der Halsschwellung (Intumescentia cervicalis) als plattenartige Konglomerate erkennbar.
3. Histologie
Betrachtet man den Feinbau des Rückenmarks, so ist es sinnvoll, die Spinalganglien mit einzubeziehen. So liegen die Zellkörper der primär-afferenten Neurone außerhalb des Rückenmarks in den Spinalganglien. Hierbei stellen die Neurone die Träger des primär afferenten Einstroms in das Rückenmark dar. Aufgrund der engen Beziehung der Spinalganglien sind sie dessen funktionalem System zuzurechen.
Bei den primär-afferenten Neuronen handelt es sich im allgemeinen um pseudounipolare Nervenzellen. Aufgrund eines peripheren Reizes wird eine Erregungswelle ausgelöst, die über den peripheren und den zentralen Neuriten in das Rückenmark gelangt. Dabei liegt die Anzahl der Nervenzellen pro Spinalganglion bei mehreren Zehntausend.
Nur ca. 10 % der Spinalganglienneurone sind viszeroafferent und somit für die Wahrnehmung aus den Eingeweiden zuständig. Gleichzeitig liegen am peripheren Pol des peripheren Neuriten rezeptorische Endigungen. In diesen wird ein Reiz in ein elektrisches Potenzial umgewandelt (Rezeptorpotenzial). Ein solches Rezeptorpotenzial wird bei ausreichender Stärke zum Aktionspotenzial, welches zentralwärts geleitet wird. Schlussendlich erfolgt an den Endverzweigungen des zentralen Neuriten seine Übertragung über synaptische Kontakte auf sekundäre Neurone, die so genannten Binnenzellen des Rückenmarks. Diese wiederum sind für die Verteilung der einlaufenden Informationen zur Weiterverarbeitung im ZNS zuständig.
4. Literatur
- Nickel, Richard, August Schummer, and Eugen Seiferle. Band IV: Nervensystem. Lehrbuch der Anatomie der Haustiere. Parey, 2004
- Salomon, Franz-Viktor, Hans Geyer, and Uwe Gille, eds. Anatomie für die Tiermedizin. Enke, 2008.