Gleichgewichtssinn: Unterschied zwischen den Versionen

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Der '''Gleichgewichtssinn''', auch '''vestibuläre Wahrnehmung''' genannt, ist eine [[Sinneswahrnehmung]], die dazu dient, den [[Körper]] im Raum zu orientieren und eine ausbalancierte Körperhaltung in Ruhe und bei Bewegung zu erzielen.
Der '''Gleichgewichtssinn''', auch '''vestibuläre Wahrnehmung''' genannt, ist eine [[Sinneswahrnehmung]], die dazu dient, den [[Körper]] im Raum zu orientieren und eine ausbalancierte Körperhaltung in Ruhe und bei Bewegung zu erzielen.


==Hintergrund==
==Anatomie==
Der Gleichgewichtssinn hat seinen Sitz in erster Linie im [[Vestibularapparat]] des [[Innenohr]]s. Seine morphologischen Bestandteile sind die beiden [[Makulaorgan]]e im [[Sacculus]] und [[Utriculus]], sowie die 3 [[Bogengang|Bogengänge]]. Darüber hinaus tragen die [[visuelle Wahrnehmung]] und die [[Propriozeption]] zum Gleichgewichtssinn bei.
Der Gleichgewichtssinn hat seinen Sitz in erster Linie im [[Vestibularapparat]] des [[Innenohr]]s, genauer gesagt im [[Sinnesepithel]] des vestibulären Labyrinths ([[Labyrinthus vestibularis]]). Dieses besteht aus dem schlauch- bis bläschenförmigen [[Utriculus]] und [[Sacculus]] und den drei [[Bogengang|Bogengängen]] mit ihren ampullenförmigen Erweiterungen (Ampullae). Die Sinnesepithelien nehmen Flüssigkeitsströmungen wahr, die durch Drehbewegungen ([[Crista ampullaris|Cristae ampullares]] der Ampullen) und lineare Beschleunigungen ([[Makulaorgan]]e bzw. Maculae sacculi und utriculi) verursacht werden. Die Erregungen der [[Haarzelle]]n werden über [[Synapse]]n auf das [[Ganglion vestibulare]] (1. [[Neuron]]) übertragen.
 
Das Ganglion vestibulare projiziert über den [[Nervus vestibularis]] des [[Nervus vestibulocochlearis]] (VIII. [[Hirnnerv]]) in das Vestibulariskerngebiet ([[Nuclei vestibulares]]) und direkt in das [[Kleinhirn]]. Die Vestibulariskerne sind insbesondere mit [[Augenmuskelkern]]en, Kleinhirn und [[Rückenmark]] verschaltet. Weiterhin besitzen sie über den [[Tractus vestibulothalamicus]] Projektionsgebiete im [[Gyrus postcentralis]] des [[Großhirns]] ([[Brodmann-Areal|Area 3a]]). Somit tragen auch die [[visuelle Wahrnehmung]] und die [[Propriozeption]] zum Gleichgewichtssinn bei.
[[Fachgebiet:Hals-Nasen-Ohren-Heilkunde]]
[[Fachgebiet:Hals-Nasen-Ohren-Heilkunde]]
[[Fachgebiet:Physiologie]]
[[Fachgebiet:Physiologie]]
[[Tag:Sinn]]
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[[Tag:Sinneswahrnehmung]]
[[Tag:Sinneswahrnehmung]]

Version vom 18. September 2022, 14:04 Uhr

Synonym: vestibuläre Wahrnehmung
Englisch: equilibrioception

Definition

Der Gleichgewichtssinn, auch vestibuläre Wahrnehmung genannt, ist eine Sinneswahrnehmung, die dazu dient, den Körper im Raum zu orientieren und eine ausbalancierte Körperhaltung in Ruhe und bei Bewegung zu erzielen.

Anatomie

Der Gleichgewichtssinn hat seinen Sitz in erster Linie im Vestibularapparat des Innenohrs, genauer gesagt im Sinnesepithel des vestibulären Labyrinths (Labyrinthus vestibularis). Dieses besteht aus dem schlauch- bis bläschenförmigen Utriculus und Sacculus und den drei Bogengängen mit ihren ampullenförmigen Erweiterungen (Ampullae). Die Sinnesepithelien nehmen Flüssigkeitsströmungen wahr, die durch Drehbewegungen (Cristae ampullares der Ampullen) und lineare Beschleunigungen (Makulaorgane bzw. Maculae sacculi und utriculi) verursacht werden. Die Erregungen der Haarzellen werden über Synapsen auf das Ganglion vestibulare (1. Neuron) übertragen.

Das Ganglion vestibulare projiziert über den Nervus vestibularis des Nervus vestibulocochlearis (VIII. Hirnnerv) in das Vestibulariskerngebiet (Nuclei vestibulares) und direkt in das Kleinhirn. Die Vestibulariskerne sind insbesondere mit Augenmuskelkernen, Kleinhirn und Rückenmark verschaltet. Weiterhin besitzen sie über den Tractus vestibulothalamicus Projektionsgebiete im Gyrus postcentralis des Großhirns (Area 3a). Somit tragen auch die visuelle Wahrnehmung und die Propriozeption zum Gleichgewichtssinn bei.