Sulfatid: Unterschied zwischen den Versionen
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'''''Englisch''': sulfatide, 3-O-sulfogalactosylceramide, SM4, sulfated galactocerebroside'' | |||
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'''Sulfatide''' sind [[Glykosphingolipid|Glykosphingolipide]] | '''Sulfatide''' sind [[Glykosphingolipid|Glykosphingolipide]] bzw. [[Sulfolipid|Sulfolipide]], bei denen das C3-Atom des [[Kohlenhydrat|Kohlenhydratrests]] von [[Cerebrosid|Cerebrosiden]] mit einer [[Sulfat|Sulfatgruppe]] [[Ester|verestert]] ist. | ||
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Die [[Synthese]] der Sulfatide beginnt mit der Übertragung von [[UDP-Galactose]] auf ein [[Ceramid]], eine Reaktion, die durch die [[Galactosyltransferase]] (CGT) katalysiert wird. Dabei ensteht ein [[Galactocerebrosid]] (GalCer). Im Golgi-Apparat wird GalCer durch die [[Sulfotransferase|Cerebrosid-Sulfotransferase]] (CST) mit [[3'-Phosphoadenosin-5'-phosphosulfat]] (PAPS) verestert. | |||
== Klinik == | Der Abbau der Sulfatide findet in den Lysosomen statt. Hier wird die Sulfatgruppe der Sulfatide durch die [[Arylsulfatase A]] hydrolysiert. Damit die Reaktion stattfindet, muss ein Aktivatorprotein wie Saposin B anwesend sein, das die Sulfatide aus der Membran herauslöst. | ||
Durch den Mangel des [[Sulfat]]-abspaltenden Enzyms | |||
== Funktion == | |||
Sulfatide finden sich vor allem in den Membranen der [[Myelinscheide|Myelinscheiden]], die im [[ZNS]] von [[Oligodendrozyt|Oligodendrozyten]], im [[PNS]] von [[Schwann-Zelle|Schwann-Zellen]] gebildet werden. Man findet sie jedoch auch Bestandteil anderer Zellmembranen. | |||
Sulfatide sind multifunktionelle Moleküle, die u.a. an der [[Zellaggregation]] und -[[Zelladhäsion|adhäsion]], an der [[Neuronale Plastizität|neuronalen Plastizität]] und an Interaktionen zwischen Gliazellen und [[Neuron|Neuronen]] beteiligt sind. | |||
==Klinik== | |||
Durch den Mangel des [[Sulfat]]-abspaltenden Enzyms Arylsulfatase A wird der Abbau der Sulfatide gestört. Die daraus resultierende Erkrankung ist die [[metachromatische Leukodystrophie]]. | |||
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Version vom 31. August 2023, 17:11 Uhr
Englisch: sulfatide, 3-O-sulfogalactosylceramide, SM4, sulfated galactocerebroside
Definition
Sulfatide sind Glykosphingolipide bzw. Sulfolipide, bei denen das C3-Atom des Kohlenhydratrests von Cerebrosiden mit einer Sulfatgruppe verestert ist.
Biochemie
Die Synthese der Sulfatide beginnt mit der Übertragung von UDP-Galactose auf ein Ceramid, eine Reaktion, die durch die Galactosyltransferase (CGT) katalysiert wird. Dabei ensteht ein Galactocerebrosid (GalCer). Im Golgi-Apparat wird GalCer durch die Cerebrosid-Sulfotransferase (CST) mit 3'-Phosphoadenosin-5'-phosphosulfat (PAPS) verestert.
Der Abbau der Sulfatide findet in den Lysosomen statt. Hier wird die Sulfatgruppe der Sulfatide durch die Arylsulfatase A hydrolysiert. Damit die Reaktion stattfindet, muss ein Aktivatorprotein wie Saposin B anwesend sein, das die Sulfatide aus der Membran herauslöst.
Funktion
Sulfatide finden sich vor allem in den Membranen der Myelinscheiden, die im ZNS von Oligodendrozyten, im PNS von Schwann-Zellen gebildet werden. Man findet sie jedoch auch Bestandteil anderer Zellmembranen.
Sulfatide sind multifunktionelle Moleküle, die u.a. an der Zellaggregation und -adhäsion, an der neuronalen Plastizität und an Interaktionen zwischen Gliazellen und Neuronen beteiligt sind.
Klinik
Durch den Mangel des Sulfat-abspaltenden Enzyms Arylsulfatase A wird der Abbau der Sulfatide gestört. Die daraus resultierende Erkrankung ist die metachromatische Leukodystrophie.