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Yamagata-Linie

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Influenza-B/Yamagata-Linie

1 Definition

Die Influenza-B/Yamagata-Linie ist neben der Victoria-Linie eine der zwei großen evolutionären Abstammungslinien von Viren der Gattung Betainfluenzavirus (Influenza-B-Virus). Aufgrund fehlender Nachweise seit März 2020 gilt sie in der Epidemiologie und Virologie als mit hoher Wahrscheinlichkeit weltweit ausgerottet bzw. erloschen.

2 Hintergrund und Nomenklatur

Im Gegensatz zu Influenza-A-Viren weisen Influenza-B-Viren eine geringere Antigen-Drift (Mutationsrate) auf und werden nicht in Subtypen unterteilt. Stattdessen spaltete sich der Erreger in den 1970er-Jahren in zwei genetisch und antigenetisch distinkte Linien auf. Die Namensgebung erfolgte anhand der Orte der Erstisolierung der jeweiligen Referenzstämme:

  • Yamagata-Linie: Erstisolierung in der japanischen Stadt Yamagata (Referenzstamm B/Yamagata/16/88).
  • Victoria-Linie: Erstisolierung im australischen Bundesstaat Victoria (Referenzstamm B/Victoria/2/87).

3 Epidemiologie

Die Yamagata-Linie zirkulierte über Jahrzehnte hinweg ko-dominant oder alternierend mit der Victoria-Linie in der menschlichen Bevölkerung und verursachte saisonale Grippewellen. Epidemiologische Daten zeigten, dass Infektionen mit der Yamagata-Linie tendenziell ältere Altersgruppen betrafen als Infektionen mit der Victoria-Linie.

Im Zuge der weltweiten nicht-pharmazeutischen Interventionsmaßnahmen während der COVID-19-Pandemie (Maskenpflicht, Lockdowns, Reisebeschränkungen) ab Frühjahr 2020 brach die Zirkulation von Influenzaviren massiv ein. Während sich Influenza A und die Influenza-B/Victoria-Linie nach Rücknahme der Maßnahmen wieder reetablierten, wurde über das globale Überwachungsnetzwerk der WHO (GISRS) seit März 2020 kein natürlicher Wildtyp-Nachweis der Yamagata-Linie mehr erbracht.

4 Relevanz für die Vakzinierung

Das Verschwinden der Yamagata-Linie führte zu einer grundlegenden Neuausrichtung der Zusammensetzung saisonaler Influenza-Impfstoffe:

  • Quadrivalente Impfstoffe: Ab den 2010er-Jahren enthielten saisonale Grippeimpfstoffe standardmäßig vier Komponenten (zwei Influenza-A-Stämme, H1N1 und H3N2, sowie beide Influenza-B-Linien), um Fehlanpassungen bei den B-Stämmen zu verhindern.
  • Umstellung auf trivalente Impfstoffe: Ende 2023 empfahl das Beratungsgremium der WHO offiziell, die Yamagata-Komponente (zuletzt meist repräsentiert durch B/Phuket/3073/2013) aus den Vakzinen zu entfernen, da ihr Einschluss epidemiologisch nicht mehr gerechtfertigt ist. Seit den folgenden Saisons (2024/2025) stellen internationale Hersteller und regulatorische Behörden (wie die EMA und die US-amerikanische FDA) die Produktion schrittweise wieder auf trivalente Impfstoffe um.

4.1 Biosicherheitsaspekt

Die Fortführung der Impfstoffproduktion mit dem Yamagata-Stamm wird von Experten als potenzielles Biosicherheitsrisiko eingestuft. Insbesondere bei der Herstellung von Lebendimpfstoffen (LAIV) besteht das theoretische Risiko einer unbeabsichtigten Reinzucht und anschließenden Reerregung des Virus in der Bevölkerung, wenn abgeschwächte Impfviren replizieren und übertragen werden.

5 Quellen

  • Robert Koch-Institut (RKI): Influenza (Teil 1): Erkrankungen durch saisonale Influenzaviren. RKI-Ratgeber Influenza.
  • World Health Organization (WHO): Recommended composition of influenza virus vaccines for use in the 2024-2025 northern hemisphere influenza season. WHO Meeting Report.
  • European Medicines Agency (EMA) / Virology Research Services: Transition from quadrivalent to trivalent influenza vaccines. Virology Research Services Insight.
  • National Center for Biotechnology Information (NCBI): Vaccinating against the absent: Risks of the B/Yamagata lineage inclusion. PMC Clinical Report.
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