Uveoskleraler Abfluss
Definition
Der uveosklerale Abfluss bezeichnet einen alternativen Abflussweg des Kammerwassers aus dem Auge, bei dem die Flüssigkeit weitgehend unabhängig von Trabekelwerk und Schlemm-Kanal abgeleitet wird. Dabei fließt Kammerwasser durch das Gewebe der Uvea in angrenzende Räume und wird anschließend durch die Sklera abgeleitet.
Anatomie
Beim uveoskleralen Abfluss fließt das Kammerwasser typischerweise aus der Vorderkammer
- in den Ziliarkörper bzw. Ziliarmuskel (Interstitium),
- von dort in den suprachoroidalen Raum,
- dann durch die Sklera (transskleral).
Schließlich wird es im periokulären Gewebe über episklerale Abflusswege (Venen, Lymphgefäße) resorbiert.
Physiologie
Etwa 10–15 % des täglich produzierten Kammerwassers werden unter physiologischen Bedingungen über den uveoskleralen Abfluss abgeführt. Der Anteil ist variabel, im Alter nimmt die Bedeutung dieses Abfussweges ab. Der überwiegende Teil erfolgt über den trabekulären Abflussweg. Physiologische Besonderheiten sind:
- Der uveosklerale Abfluss ist weniger vom Augeninnendruck abhängig als der trabekuläre Abfluss.
- Er erfolgt überwiegend diffus über interzelluläre Räume des Ziliarmuskels und nicht über ein definiertes Kanalsystem.
- Die Abflussrate kann u.a. durch den Ziliarmuskeltonus und pharmakologische Einflüsse variieren.
Klinik
Der uveosklerale Abfluss ist ein wichtiger kompensatorischer Abflussweg, insbesondere bei eingeschränktem trabekulärem Abfluss. Störungen oder altersbedingte Abnahmen dieses Abflussweges können zur Erhöhung des intraokulären Drucks beitragen. Er ist ein zentrales Angriffsziel drucksenkender Augentherapien.
Pharmakologie
Prostaglandinanaloga (z. B. Latanoprost, Bimatoprost) erhöhen gezielt den uveoskleralen Abfluss, indem sie die extrazelluläre Matrix im Ziliarmuskel umbauen und so den Widerstand für das Kammerwasser senken. Dieser Mechanismus wird therapeutisch bei der Glaukombehandlung genutzt.