Sutezolid
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LoslegenSynonyme: PNU-100480, U-100480, PF-02341272
Englisch: sutezolid
Definition
Sutezolid ist ein experimentelles Oxazolidinon-Antibiotikum, das sich derzeit (2026) in Phase 2 der klinischen Prüfung zur Behandlung der Tuberkulose befindet.[1]
Chemie
Sutezolid besitzt das für Oxazolidinone charakteristische Grundgerüst und trägt als strukturelles Merkmal einen Thiomorpholin-Ring, in dem ein Schwefelatom die Position des bei verwandten Oxazolidinonen üblichen Sauerstoffatoms einnimmt. Es wird oxidativ zu einem aktiven Sulfoxid-Metaboliten biotransformiert, der zur antimykobakteriellen Wirkung beiträgt.[1] Sutezolid hat die Summenformel C16H20FN3O3S. Die molare Masse beträgt 353,41 g/mol.
Wirkmechanismus
Sutezolid hemmt die bakterielle Proteinsynthese durch Bindung an die 50S-Untereinheit des Ribosoms. Dabei wird die Bildung des 70S-Initiationskomplexes blockiert, was die mRNA-Translation in einer frühen Phase unterbricht. Der Angriffspunkt ist damit identisch mit dem anderer Oxazolidinone.[1]
Sowohl Sutezolid als auch der aktive Sulfoxid-Metabolit tragen zur antimykobakteriellen Aktivität bei, wirken dabei jedoch auf unterschiedliche mykobakterielle Subpopulationen.
Pharmakokinetik
Sutezolid wird oral verabreicht und oxidativ zu einem aktiven Sulfoxid-Metaboliten verstoffwechselt. Die Plasmakonzentrationen dieses Metaboliten übersteigen jene der Muttersubstanz um ein Mehrfaches und können etwa das Siebenfache erreichen.[2]
Klinische Studien
Sutezolid wird derzeit (2026) ausschließlich im Rahmen klinischer Studien eingesetzt. Untersuchtes Anwendungsgebiet ist die medikamentensensible pulmonale Tuberkulose, insbesondere als Ersatz oder Alternative zu Linezolid in modernen, linezolid-freien Kombinationsregimen zur Verbesserung des Toxizitätsprofils.
Darreichungsformen
In den bisherigen klinischen Studien wurde Sutezolid oral verabreicht.[3]
Dosierung
In einer Phase-2-Studie wurden orale Dosierungen von 600 mg bis 1200 mg einmal täglich sowie 600 mg oder 800 mg zweimal täglich untersucht.[3]
Hinweis: Diese Dosierungsangaben können Fehler enthalten. Ausschlaggebend ist die Dosierungsempfehlung in der Herstellerinformation.
Nebenwirkungen
Das Sicherheitsprofil von Sutezolid gilt bisher (2026) als günstig, ist aber nicht abschließend untersucht. Sutezolid hemmt die mitochondriale Proteinsynthese offenbar schwächer als Linezolid, was ein geringeres Risiko für oxazolidinontypische Toxizität nahelegt.[4] In einer Studie wurden unter Sutezolid keine der Behandlung zugeschriebenen, klassentypischen Toxizitäten – insbesondere Polyneuropathie – beobachtet.[3]
Wechselwirkungen
In einer Studie wurde Sutezolid mit weiteren Antituberkulotika kombiniert. Die begleitende Analyse führte die beobachtete QT-Zeit-Verlängerung teilweise auf einen Bedaquilin-Metaboliten zurück, während sich für Sutezolid kein Zusammenhang zwischen Exposition und Nebenwirkung nachweisen ließ.[5]
Für das verwandte Linezolid ist eine schwache, nichtselektive Hemmung der Monoaminooxidase mit dem Risiko eines Serotonin-Syndroms bei serotonerger Komedikation beschrieben. Ob dieser Klasseneffekt für Sutezolid klinisch relevant ist, wurde bisher (2026) nicht spezifisch untersucht.[6]
Zulassung
Sutezolid ist derzeit (2026) weder in der EU noch in den USA zugelassen. Phase-3-Studien wurden bisher (2026) nicht initiiert.
Quellen
- ↑ 1,0 1,1 1,2 Chen RH et al. New Oxazolidinones for Tuberculosis: Are Novel Treatments on the Horizon?. Pharmaceutics. 2024;16(6):818.
- ↑ Zhu T et al. Population pharmacokinetic/pharmacodynamic analysis of the bactericidal activities of sutezolid (PNU-100480) and its major metabolite against intracellular Mycobacterium tuberculosis in ex vivo whole-blood cultures of patients with pulmonary tuberculosis. Antimicrob Agents Chemother. 2014;58(6):3306-11.
- ↑ 3,0 3,1 3,2 Heinrich N et al. Sutezolid in combination with bedaquiline, delamanid, and moxifloxacin for pulmonary tuberculosis (PanACEA-SUDOCU-01): a prospective, open-label, randomised, phase 2b dose-finding trial. Lancet Infect Dis. 2025;25(11):1208-1218.
- ↑ Wallis RS et al. Biomarker-assisted dose selection for safety and efficacy in early development of PNU-100480 for tuberculosis. Antimicrob Agents Chemother. 2011;55(2):567–574.
- ↑ Koele SE et al. Cardiac safety of bedaquiline, delamanid and moxifloxacin co-administered with or without varying doses of sutezolid or delpazolid for the treatment of drug-susceptible TB. J Antimicrob Chemother. 2025;80(8):2305–2313.
- ↑ Woytowish MR et al. Clinical relevance of linezolid-associated serotonin toxicity. Ann Pharmacother. 2013;47(3):388–397.