Simulationstraining
Definition
Simulationstraining ist ein Ausbildungs- und Trainingsformat, bei dem Situationen realitätsnah nachgebildet werden. In der Medizin dient Simulationstraining dem Erlernen diagnostischer, therapeutischer oder kommunikativer Fähigkeiten, ohne dass reale Patienten einbezogen oder gefährdet werden.
Hintergrund
Ökonomische Zwänge und eine hohe Versorgungsdichte reduzieren die Möglichkeit, kritische Situationen wiederholt unter Supervision zu erlernen oder zu trainieren. Gleichzeitig erhöht die rasche technische Entwicklung neuer diagnostischer und therapeutischer Techniken den Fortbildungsdruck. Im klinischen Alltag ist Simulationstraining deshalb ein fester Bestandteil moderner medizinischer Ausbildung.
Einsatzbereiche
Simulationstraining kommt in fast allen medizinischen Fachgebieten zum Einsatz. Es findet ebenso Anwendung in der studentischen Lehre, wie in der ärztlichen Fort- und Weiterbildung. Zunehmend werden auch interprofessionelle Trainingsformate entwickelt, um die Zusammenarbeit verschiedener Berufsgruppen zu verbessern.
Typische Einsatzbereiche sind:
- Szenariotraining: Nachbildung kompletter klinischer Situationen mit definierten Lernzielen (z. B. Reanimation, Polytrauma, Sepsis).
- Fertigkeitstraining (Skills): Üben einzelner Prozeduren (z. B. Atemwegsmanagement, Gefäßzugänge, Ultraschalluntersuchung, minimal-invasive Eingriffe).
- Team- und Crew-Resource-Management-Training: Fokus auf Kommunikation, Rollenverteilung, Führung und Entscheidungsfindung unter Stress.
Evidenz
Für Simulationstraining liegt eine breite Evidenzbasis vor. Systematische Reviews und Metaanalysen zeigen eine signifikante Verbesserung von Wissen und technischen Fertigkeiten. Besonders gut untersucht sind Simulationstrainings bei Reanimation, Atemwegsmanagement, Traumaversorgung sowie in der Geburtshilfe.[1]
Darüber hinaus konnte in mehreren Studien ein positiver Einfluss auf Leitlinienadhärenz und Sicherheitskultur nachgewiesen werden. Für ausgewählte Bereiche, insbesondere die kardiopulmonale Reanimation, existieren Hinweise auf eine Verbesserung patientenrelevanter Outcomes. Der Transfer in den klinischen Alltag ist dabei maßgeblich von der Qualität des Szenariodesigns abhängig.[2]
Limitationen
- Hoher organisatorischer, personeller und finanzieller Aufwand
- Abhängigkeit des Lernerfolgs von Szenariodesign und Debriefing
- Begrenzte Übertragbarkeit bei fehlendem Praxisbezug
- Simulation kann reale klinische Erfahrung nicht vollständig ersetzen
Literatur
- Kollewe et al., Medizindidaktik, Springer-Verlag, 2025
- Fabry et al., Medizindidaktik Ein Handbuch für die Praxis, Huber-Verlag, 2008
Quellen
- ↑ Okuda et al., The utility of simulation in medical education: what is the evidence?, Mt Sinai J Med, 2009
- ↑ Wu et al., The efficacy of simulation-based learning versus non-simulation-based learning in endocrinology education: a systematic review and meta-analysis, BMC Medical Education, 2024