Schnelligkeit (Sportmedizin)
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LoslegenEnglisch: speed
Definition
Schnelligkeit bezeichnet in der Sportmedizin und Trainingswissenschaft die Fähigkeit, Bewegungen in möglichst kurzer Zeit auszuführen bzw. motorisch auf einen Reiz zu reagieren. Sie gehört zu den konditionellen Fähigkeiten.
Einteilung
Die Schnelligkeit wird weiter unterteilt, wobei die Einteilung in der Literatur nicht einheitlich ist. Unterschieden werden in der Regel die elementaren Formen (Reaktions- und Aktionsschnelligkeit) sowie die komplexe Schnelligkeitsausdauer.
Reaktionsschnelligkeit
Die Reaktionsschnelligkeit ist die psychophysische Fähigkeit, auf Reize und Impulse mit großer Geschwindigkeit zu reagieren. Sie ist abhängig von der Art des Reizes (z.B. optisch oder akustisch) und der Reizantwort. Man unterscheidet zwischen einfachen motorischen Reaktionen (Einfachreaktionen) und komplexeren motorischen Reaktionen (Auswahlreaktionen).[1]
Aktionsschnelligkeit
Die Aktionsschnelligkeit ist unabhängig von einer Reizreaktion und wird im Wesentlichen durch die Kontraktions- und Bewegungsschnelligkeit des neuromuskulären Systems bestimmt. Sie gilt als elementare Schnelligkeitsform: Die Belastungsdauer ist auf etwa 7 Sekunden begrenzt, und die Energie wird in dieser Zeitspanne überwiegend anaerob-alaktazid über die Spaltung von ATP und Kreatinphosphat bereitgestellt, sodass es noch zu keinem nennenswerten ermüdungsbedingten Geschwindigkeitsabfall kommt.[2]
Man unterscheidet eine azyklische und eine zyklische Aktionsschnelligkeit:
- Azyklische Aktionsschnelligkeit: schnellstmögliche Ausführung einzelner, nicht gleichförmiger Bewegungen (z.B. Werfen, Springen, Schlag- und Tritttechniken im Kampfsport).
- Zyklische Aktionsschnelligkeit: schnellstmögliche Ausführung fortlaufender, gleichförmiger Bewegungszyklen (z.B. Sprint, Schwimmen, Radfahren). Maßgeblich ist hier die motorische Ablaufschnelligkeit, also die Bewegungsfrequenz, die eine hohe intermuskuläre Koordination zur Verknüpfung der Einzelbewegungen zu einem flüssigen Bewegungsablauf erfordert.
Schnelligkeitsausdauer
Die Schnelligkeitsausdauer ist eine komplexe Schnelligkeitsform und beschreibt die Widerstandsfähigkeit gegen einen ermüdungsbedingten Geschwindigkeitsabfall bei zyklischen Schnelligkeitsleistungen zwischen etwa 7 Sekunden und 2 Minuten. Die Energie wird dabei überwiegend anaerob-laktazid über die Glykolyse bereitgestellt, sodass die Toleranz gegenüber ansteigendem Laktat bzw. Protonen und die muskuläre Pufferkapazität leistungsbestimmend werden. Erst bei Belastungen um 1 bis 2 Minuten gleicht sich der Beitrag der anaeroben und aeroben Energiebereitstellung an.[2]
Training
...der Reaktionsschnelligkeit
Für ein Training der Reaktionsschnelligkeit ist besonders ein intensives Aufwärmen von Bedeutung, da so bereits eine Vorspannung der Muskulatur erreicht werden kann. Anschließend erfolgt ein Training der Reaktionsschnelligkeit durch die Konfrontation mit unterschiedlichen Signalen (z.B. akustisch, optisch oder taktil), auf die eine motorische Aktion folgt. Dabei können das Signal oder die anschließende Bewegung variieren.
...der Aktionsschnelligkeit
Ein Training der Aktionsschnelligkeit sollte nach einem intensiven Aufwärmen erfolgen. Als Trainingsmethode wird i.d.R. die Wiederholungsmethode mit vollständiger Erholung verwendet.
...der Schnelligkeitsausdauer
Das Training der Schnelligkeitsausdauer zielt auf die Toleranz gegenüber hoher Laktatbildung und nutzt typischerweise die intensive Intervallmethode mit unvollständigen Pausen sowie die Wiederholungsmethode. Wiederholte hochintensive Belastungen von etwa 10 bis 40 Sekunden mit längeren Erholungsphasen verbessern nachweislich die anaerobe Energiebereitstellung, das muskuläre Ionenhandling und die Ermüdungsresistenz.[3]
Literatur
- Optimales Training. Leistungsphysiologische Trainingslehre unter besonderer Berücksichtigung des Kinder- und Jugendtrainings. 17. Auflage. Jürgen Weineck
- Acadaemy of Sports – Konditionelle Fähigkeiten, abgerufen am 03.05.2024
Quellen
- ↑ Spielformen zur Schulung der Reaktionsfähigkeit, abgerufen am 03.05.2024
- ↑ 2,0 2,1 Gastin PB. Energy system interaction and relative contribution during maximal exercise. Sports Med. 2001;31(10):725-741.
- ↑ Hostrup M, Bangsbo J. Performance Adaptations to Intensified Training in Top-Level Football. Sports Med. 2023;53(3):577-594.