Rhinoliquorrhoe
Synonym: Rhinoliquorrhö
Definition
Als Rhinoliquorrhoe bezeichnet man den Liquorabfluss (Liquorrhoe) aus der Nase.
Ursachen
Zu einer Rhinoliquorrhoe kommt es zum Beispiel bei Frakturen des Siebbeins, die im Rahmen frontobasaler Frakturen oder zentraler Mittelgesichtsfrakturen auftreten.
Eine weitere mögliche Ursache sind Felsenbeinquerbrüche. Da der Liquor bei diesem Frakturtyp aber aus der Paukenhöhle stammt, spricht man hier von einer falschen Rhinoliquorrhoe. Bei Felsenbeinlängsbrüchen tritt hingegen keine Rhinoliquorrhoe, sondern eine Otoliquorrhoe auf.
Klinik
Typisch ist der Austritt einer klaren, wässrigen Flüssigkeit aus einem oder beiden Nasenlöchern. Er ist häufig lageabhängig (z.B. Zunahme beim Vorbeugen des Kopfes). Die Patienten berichten oft über einen salzigen oder metallischen Geschmack im Pharynx.
Begleitend können folgende Symptome auftreten:
- Kopfschmerzen, insbesondere orthostatische Kopfschmerzen
- Zeichen eines Schädel-Hirn-Traumas oder einer vorausgegangenen Operation im Schädelbasisbereich
- Rezidivierende Meningitiden als Hinweis auf eine persistierende Liquorfistel
Differenzialdiagnostisch müssen u.a. eine Rhinitis und eine Pseudo-Rhinoliquorrhoe abgegrenzt werden.
Diagnose
Bei einer Liquorrhoe sind zwei diagnostische Schritte erforderlich:
- Identifikation der austretenden Flüssigkeit als Liquor cerebrospinalis
- Lokalisation der Liquorfistel bzw. -quelle
Zur Klärung, ob es sich bei dem Ausfluss um Liquor handelt, bietet sich in klinischer Umgebung die Bestimmung des Beta-Trace-Proteins oder des β2-Transferrins an. Dieser Nachweis hat eine sehr hohe Genauigkeit.
Zur Lokalisation der Liquorquelle können bildgebende Verfahren wie CT, MRT oder eine Liquorszintigraphie durchgeführt werden. Dabei lässt sich gelegentlich freie Luft im Schädel nachweisen. Vor operativen Eingriffen zum Verschluss einer Liquorfistel haben invasive Maßnahmen einen hohen Stellenwert. Dabei wird intrathekal ein Farbstoff (Natrium-Fluorescein) injiziert, der sich im Fistelverlauf und -ausgang zeigt und einen sicheren Fistelverschluss ermöglicht.
Im präklinischen Umfeld oder bei nicht verfügbarer Labordiagnostik kann ersatzweise ein Glukoseteststreifen (z.B. einer für die Harnzuckerselbstkontrolle) in das Sekret getaucht werden. Gelingt ein Glukosenachweis, kann es sich um Liquor cerebrospinalis handeln. Der Test ist allerdings nicht zuverlässig genug und gilt deswegen heute (2026) als obsolet.