Railway Spine
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LoslegenSynonym: Erichsen-Krankheit
Englisch: railway spine, railroad spine
Definition
Als Railway Spine bezeichnete man im 19. Jahrhundert einen Symptomenkomplex, der nach Eisenbahnunfällen auftreten konnte, obwohl keine offensichtliche schwere Verletzung von Wirbelsäule oder Rückenmark nachweisbar war.
Beschrieben wurden unter anderem Rücken- und Kopfschmerzen, Sensibilitätsstörungen, Schlafstörungen, Konzentrations- und Gedächtnisprobleme, Reizbarkeit und Angst.
Geschichte
Der britische Chirurg John Eric Erichsen beschrieb das Krankheitsbild 1866 ausführlich in seinem Werk On Railway and Other Injuries of the Nervous System. Er ging davon aus, dass die Erschütterung bei Eisenbahnunfällen zu einer "Concussion of the Spine" mit organischen bzw. "molekularen" Veränderungen des Rückenmarks führen könne, auch wenn Frakturen oder andere makroskopische Läsionen fehlten.[1]
Diese Erklärung wurde später kontrovers diskutiert. Herbert William Page argumentierte 1883, dass viele der Beschwerden ohne nachweisbare strukturelle Verletzung eher durch psychische bzw. funktionelle Mechanismen erklärt werden könnten.[1] In den folgenden Jahrzehnten wurden ähnliche Beschwerdebilder unter anderem als traumatische Neurose oder traumatische Neurasthenie diskutiert.
Bedeutung
Die Railway Spine spielte eine wichtige Rolle in der Entwicklung medizinischer Vorstellungen über die Folgen psychischer und körperlicher Traumata.[2] Gleichzeitig erhielt der Begriff große juristische Bedeutung, da Betroffene nach Eisenbahnunfällen zunehmend Entschädigungsansprüche geltend machten.
Die Diagnose verschwand zu Beginn des 20. Jahrhunderts weitgehend aus dem medizinischen Sprachgebrauch. Einzelne historische Symptome weisen Ähnlichkeiten mit heutigen Konzepten wie posttraumatischer Belastungsstörung, postkommotionellem Syndrom oder funktionellen Beschwerden auf. Railway Spine kann jedoch nicht ohne Weiteres mit einer dieser heutigen Diagnosen gleichgesetzt werden.
Quellen
- ↑ 1,0 1,1 Gasquoine, Railway spine: The advent of compensation for concussive symptoms, J Hist Neurosci, 2020
- ↑ Crocq und Crocq, From shell shock and war neurosis to posttraumatic stress disorder: a history of psychotraumatology, Dialogues Clin Neurosci, 2000
Literatur
- Wellcome Collection: Digitalisat, abgerufen am 15.09.2026