Pseudopolyp
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LoslegenSynonyme: Inflammatorischer Polyp, entzündlicher Polyp
Englisch: pseudopolyp, inflammatory polyp
Definition
Pseudopolypen sind erhabene, entzündlich veränderte Schleimhautinseln der Mukosa des Kolons. Es handelt sich um nicht-neoplastische, regenerative Veränderungen, die im Rahmen chronisch-ulzerierender Entzündungen auftreten.
Das multiple oder flächenhafte Auftreten von Pseudopolypen nennt man Pseudopolyposis.
Histopathologie
Histopathologisch zeigen sich regenerierte Mukosa, chronisch-entzündliche Veränderungen, Granulationsgewebe, Kryptenveränderungen und Ulzerationen. Suspekte Veränderungen wie epitheliale Dysplasie oder invasives Wachstum liegen nicht vor.
Vorkommen
Die Polypen können grundsätzlich bei jeder Art von Kolitis auftreten, z.B. bei:
- chronisch-entzündlichen Darmerkrankungen (Morbus Crohn, Colitis ulcerosa)
- ischämischer Kolitis
- infektiöser Kolitis (z.B. pseudomembranöser Kolitis, enterohämorrhagischer Kolitis, Amöbenkolitis)
- Strahlenkolitis
- mikroskopischer Kolitis (selten)
Diagnostik
Pseudopolypen lassen sich endoskopisch häufig nicht sicher von echten neoplastischen Läsionen (z.B. Adenomen) unterscheiden. Sie können falsch klassifiziert werden und müssen bei suspekten Merkmalen histologisch abgeklärt werden.
Studien zeigen, dass ein relevanter Anteil von Läsionen, die fälschlich als Pseudopolypen interpretiert werden, bei langjähriger CED tatsächlich dysplastische Areale aufweist.[1][2] Als endoskopische Hinweise auf ein erhöhtes Dysplasierisiko gelten insbesondere eine solitäre Lage, eine Größe über 5 mm, eine Lokalisation im rechten Kolon, ein heterogenes Kryptenmuster sowie eine fehlende Ulzeration der Oberfläche.
Bei suspekten Läsionen ist im Rahmen der Überwachungskoloskopie eine histologische Sicherung durch Biopsie oder Abtragung erforderlich. Das Vorliegen zahlreicher Pseudopolypen wird als eigenständiger Risikofaktor bei der Festlegung des Überwachungsintervalls im Rahmen der Nachsorge der Colitis ulcerosa berücksichtigt.[3] Solitäre Pseudopolypen sind hingegen nicht automatisch ein Grund für ein verkürztes Intervall.
Symptome
Pseudopolypen sind meist asymptomatisch. Im Vordergrund stehen die Symptome der zugrundeliegenden Primärerkrankung. Selten können auch die Polypen selbst zu Problemen führen, etwa zu Blutungen oder Anämie. Eine Obstruktion des intestinalen Lumens tritt nur bei ausgedehnter Pseudopolypenbildung auf.
Quellen
- ↑ De Cristofaro E et al. Frequency and Predictors of Dysplasia in Pseudopolyp-like Colorectal Lesions in Patients with Long-Standing Inflammatory Bowel Disease. Cancers (Basel). 2023;15(13):3361.
- ↑ De Cristofaro E et al. Frequency of dysplasia in endoscopically resected pseudopolyps in inflammatory bowel diseases. J Crohns Colitis. 2025;19(11):jjaf196.
- ↑ AWMF. S3-Leitlinie: Colitis ulcerosa. AWMF-Registernummer 021-009. Version 7.0, 2025. Verfügbar unter: S3-Leitlinie Colitis ulcerosa.