Polyorchie
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Loslegenvon altgriechisch: πολύς ("polys") - viel, ὄρχις ("orchis") - Hoden
Synonyme: Polyorchismus, supernumerärer Hoden
Englisch: polyorchidism, supernumerary testes
Definition
Die Polyorchie bezeichnet eine sehr seltene kongenitale Anomalie, bei der mehr als zwei Hoden vorhanden sind.
Hintergrund
Die genaue Entstehung der Polyorchie ist bisher (2026) nicht abschließend geklärt. Vermutet wird eine abnorme Teilung der Genitalleiste bzw. der Gonadenanlage während der frühen Embryonalentwicklung vor der 8. Gestationswoche. Hierdurch können verschiedene anatomische Varianten entstehen, die sich hinsichtlich ihrer Anbindung an Nebenhoden und Samenleiter unterscheiden. In einigen Fällen verfügt der zusätzliche Hoden über einen eigenen Nebenhoden und einen Samenleiter, sodass eine normale endokrine und reproduktive Funktion grundsätzlich möglich ist.
In den meisten Fällen verläuft die Polyorchie asymptomatisch und wird zufällig im Rahmen bildgebender Untersuchungen oder operativer Eingriffe entdeckt.
Epidemiologie
Die Polyorchie ist eine Rarität. In der Literatur sind bislang (2026) nur wenige hundert Fälle beschrieben. Dabei handelte es sich in der überwiegenden Mehrheit um eine Triorchie, bei der insgesamt drei Hoden vorhanden sind. Der zusätzliche Hoden befindet sich meist im Skrotum und häufiger auf der linken Seite.
Diagnostik
Eine Polyorchie wird durch die Sonographie des Hodens diagnostiziert. Bei unklarem Befund ist zusätzlich ein MRT sinnvoll.
Differenzialdiagnosen
Klinische Relevanz
Die Polyorchie kann mit weiteren urogenitalen Anomalien assoziiert sein, insbesondere mit:
Selten werden auch Hodentumoren beobachtet. Das Malignitätsrisiko scheint vor allem bei nicht-skrotal gelegenen supernumerären Hoden erhöht zu sein. Bei unauffälligen skrotalen Befunden wird daher heute häufig ein konservatives Vorgehen mit regelmäßigen sonographischen Verlaufskontrollen empfohlen.
Quellen
- Balawender et al. Polyorchidism: An Up-to-Date Systematic Review. J Clin Med. 2023;12(2):649.
- Bergholz, R., & Wenke, K. (2009). Polyorchidism: a meta-analysis. The Journal of urology, 182(5), 2422–2427.
- Leung A. K. (1988). Polyorchidism. American family physician, 38(3), 153–156.
- Yang, F. et al. (2024). Unilateral polyorchidism with severe male infertility: a case report. BMC urology, 24(1), 228.
- Chintamani, J. et al. (2009). Supernumerary testis. Journal of radiology case reports, 3(11), 29–32.
- Nieschlag E; Anorchie und Polyorchie, In e.Medpedia, Springer, abgerufen am 03.08.2026