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Ophionyssus natricis

von altgriechisch: ophis - Schlange; nyssein - stechen
Synonym: Blutmilbe der Schlangen
Englisch: common snake mite

1 Definition

Als Ophionyssus natricis bezeichnet man eine Milbe aus der Gattung Ophionyssus.

2 Taxonomie

3 Morphologie

Die adulten Stadien von Ophionyssus natricis sind zwischen 0,6 und 1,3 mm groß. Im nüchternen Zustand sind sie gelb-braun, vollgesogen erscheinen sie rot bis schwarz-blau.

4 Entwicklung

Die Weibchen verlassen nach der Blutmahlzeit den Wirt, um im Terrarium oder in benachbarte Schlupfwinkel ihre Eier abzulegen. Der Entwicklungszyklus verläuft wie folgt:

  • Ei → Larve → Protonymphe → Deutonymphe → Adultus

und dauert etwa 2 bis 3 Wochen.

5 Epidemiologie

Unter optimalen Bedingungen (zwischen 24 und 31 °C und 70 bis 90 % Luftfeuchtigkeit) leben die Milben ca. 10 bis 32 Tage. In dieser Zeit nehmen beide Geschlechter mehrmals Blutnahrung auf. Liegen ungünstige Verhältnisse vor (<5 °C, >45 °C bzw. <20 % Luftfeuchtigkeit) sterben die Milben rasch ab.

Vollgesogene Weibchen können 5 bis 6 Wochen ohne Nahrung überleben.

6 Vorkommen

Ophionyssus natricis ist weltweit verbreitet und der häufigste und bedeutendste Ektoparasit von Schlangen in Tierhandlungen, Zoos und bei Heimtierhaltern. Neben Schlangen können auch andere Reptilien (z.B. Echsen) befallen werden.

7 Klinik

Ein hochgradiger Milbenbefall führt nicht selten zu Todesfällen infolge einer starken Anämie. Befallene Reptilien treten vor allem durch raue, zum Teil auch abstehende Schuppen in Erscheinung und sind übersät mit weißlichen Stippchen (Exkrete der Milben). In extremen Fällen können 10.000 bis 20.000 Milben aller Entwicklungsstadien auf einer einzigen Schlange parasitieren.

Die Milben führen zu einer verzögerten Häutung. Die Milben können auch bakterielle Erreger wie z.B. Aeromonas hydrophila auf Wirte übertragen. Gleichzeitig ist Ophionyssus natricis ein Vektor verschiedener Protozoen (z.B. Kokzidien der Gattung Karyolysus) sowie Viren (z.B. Einschlusskörperchenkrankheit der Riesenschlangen).

8 Diagnose

Die Milben können mit freiem Auge an den Tieren beobachtet werden. In vollgesogenem Zustand sammeln sie sich meist in kleinen roten Nestern periokulär sowie im Bereich des Trommelfells an.

9 Therapie

Befallene Tiere sollten in eigenständigen Terrarien gehalten werden. Alle darin befindlichen Gegenstände müssen entfernt und gründlich gereinigt werden. Das Reptil kann bis zum Therapiebeginn auf Zeitungs- oder Vliespapier gehalten werden, das täglich gewechselt wird, um den Milben die Eilegeplätze zu entziehen.

Für die Therapie bei einem Ophionyssus niatricis-Befall kann Fipronil verwendet werden. Dazu gibt man zwei Sprühstöße auf die Handfläche (Handschuhe) und reibt das Tier damit behutsam ein. Es ist unbedingt zu beachten, dass Reptilien nicht direkt mit dem Spray behandelt werden dürfen, da es zu unerwünschten Nebenwirkungen kommen kann. Alternativ kann eine Ganzkörpereinreibung mit einer 1 %igen Ivermectin-Lösung vorgenommen werden. Die Lösung eignet sich auch zur Dekontamination des Terrariums.

Die medikamentöse Therapie sowie die Dekontaminationsmaßnahmen sollten alle 5 Tage (bis zu 3 Wochen) wiederholt werden. Dadurch wird verhindert, dass frisch geschlüpfte Larven die Geschlechtsreife erlangen.

Hinweis: Diese Dosierungsangaben können Fehler enthalten. Ausschlaggebend ist die Dosierungsempfehlung in der Herstellerinformation.

10 Literatur

  • Eckert, Johannes, Friedhoff, Karl Theodor, Zahner, Horst, Deplazes, Peter. Lehrbuch der Parasitologie für die Tiermedizin. 2., vollständig überarbeitete Auflage. Enke-Verlag, 2008.

11 Quelle

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