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Onkologische Gentherapie

1 Definition

Die onkologische Gentherapie ist eine somatische Gentherapie bei Krebserkrankungen. Sie hat das Ziel, gesunde Zellen zu stärken oder maligne zu schwächen.

2 Hintergrund

Die onkologische Gentherapie ist aktuell noch keine etablierte Therapie, sondern Gegenstand intensiver Forschung. Mit ihr soll einem Problem der konventionellen Therapie begegnet werden: Der geringen Selektivität der Zytostatikatherapie bezüglich normalen und malignen Zellen, aus der die starken Nebenwirkungen der Zytostatika resultieren.

3 Interventionsmöglichkeiten

Es werden 4 unterschiedliche Ansätze erprobt:

3.1 Schutz gesunder Zellen vor Zytostatika

Um einen Schutz gesunder Zellen zu gewährleisten, können in sich schnell teilende gesunde Zellen wie Darm- und Knochenmarkszellen, die ja hauptsächlich durch Zytostatika geschädigt werden, Gene für Effluxpumpen eingeschleust werden. Durch die vermehrte Expression von Effluxpumpen, wie dem P-Glykoprotein, können aufgenomme Zytostatika effektiv wieder aus den Zellen heraustransportiert werden. Dadurch wird die Zytostatikakonzentration in den gesunden Zellen so gering gehalten, dass keine wesentliche Zellschädigung auftritt.

3.2 Steigerung der Immunantwort gegenüber Tumorzellen

Hier gibt es im Wesentlichen zwei Ansätze:

3.3 "Rückverwandlung" entarteter Zellen

Hierbei könnten Tumorsuppressorgene in die malignen Zellen eingebracht werden, die die Gegenspieler der Onkogene darstellen. Eine weitere Möglichkeit wären Antikörper gegen die von den Onkogenen exprimierten Proteine oder Antisense-Oligonukleotide, die schon die mRNA der Onkogene inaktivieren und somit einer Expression entgegenwirken könnten.

3.4 Einschleusung von "Selbstmord-Genen" in maligne Zellen

Selbstmord-Gene könnten Gene sein, die für Enzyme kodieren, die ungiftige Prodrugs in giftige Metabolite umwandeln können. Ein Beispiel hierfür ist die Thymidinkinase. Somit würden nur die die Zellen durch das Medikament geschädigt werden, die diese Enzyme exprimieren: die Tumorzellen.

4 Durchführung

Gene können mit Hilfe viraler Vektoren in die Zellen eingebracht werden. Damit dies selektiv nur bei den jeweils gewünschten Zellen passiert, ist die Wahl des viralen Vektors entscheidend. Retroviren infizieren z.B. bevorzugt sich schnell teilende Zellen wie die Tumorzellen.

Da sich aber auch andere Zellen, wie die des Knochenmarks schnell teilen, ist zusätzlich ein gewebespezifischer Promotor essentiell. Dadurch werden Gene, die in die falschen Zellen eingebaut wurden, nicht exprimiert, sondern nur in den gewünschten. Dies könnte z.B. in Tumoren der Schilddrüse der Promotor des Thyreoglobulins sein.

Fachgebiete: Onkologie

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