Nitrazin-Test
Definition
Der Nitrazin-Test ist ein diagnostisches Verfahren zur Bestimmung des vaginalen pH-Werts mithilfe von Nitrazin-imprägniertem Indikatorpapier oder -tupfer. Er dient dem Nachweis von Fruchtwasser im Vaginalsekret bei Verdacht auf einen vorzeitigen Blasensprung (premature rupture of membranes, PROM).
Hintergrund
Der Nitrazin-Test basiert auf dem unterschiedlichen pH-Wert von Vaginalsekret und Amnionflüssigkeit. Ein Farbumschlag des Nitrazin-Indikators in den alkalischen Bereich, typischerweise von Gelb nach Blau, zeigt eine pH-Erhöhung an und wird als Hinweis auf das Vorliegen von Fruchtwasser gewertet. Physiologischerweise liegt der vaginale pH-Wert in der Schwangerschaft im sauren Bereich bei etwa 4–5,5, wohingegen Amnionflüssigkeit mit einem pH-Wert von ungefähr 7,0–7,5 deutlich alkalischer ist. Durch den Kontakt des Indikators mit Fruchtwasser kommt es daher zu der charakteristischen Farbänderung.
Indikation
- Verdacht auf vorzeitigen Blasensprung bei unklarem vaginalem Flüssigkeitsabgang, insbesondere wenn der Fruchtwasserabgang bei Spekulumeinstellung nicht sicher nachweisbar ist.
- Ergänzende Diagnostik im Rahmen der Abklärung von Frühgeburtsbestrebungen mit möglichem Blasensprung, zusätzlich zu Spekulumuntersuchung, Ultraschall (Fruchtwassermenge) und mikrobiologischen Abstrichen.[1]
Durchführung
Ein steriler Tupfer oder ein mit Nitrazin-Gelb imprägniertes Teststäbchen wird in das hintere Scheidengewölbe eingebracht, um Vaginalsekret aufzunehmen; anschließend wird die resultierende Farbänderung anhand einer Referenzskala beurteilt.
Aussagekraft
Studien zeigen für den Nitrazin-Test eine Spezifität von bis zu 100 % sowie einer Sensitivität von etwa 85–90 %.[2]Falsch-positive Testergebnisse können unter anderem durch Blutbeimengung, Alkalisierung des Vaginalsekrets durch Samenflüssigkeit, das Vorliegen einer bakteriellen Vaginose oder durch Kontakt mit alkalischem Urin verursacht werden. Falsch-negative Ergebnisse treten hingegen vor allem bei länger zurückliegendem Blasensprung mit nur noch geringem Restfruchtwasser oder bei stark verdünntem Vaginalsekret auf. Aufgrund dieser Limitationen empfehlen aktuelle Leitlinien zur Prävention der Frühgeburt sowie zum Management des vorzeitigen Blasensprungs zunehmend den Einsatz spezifischer Biomarker-Nachweise, etwa PAMG-1- oder IGFBP-1-Tests, die eine höhere Sensitivität und Spezifität aufweisen.[1]
Quellen
- ↑ 1,0 1,1 Register AWMF – Arbeitsgemeinschaft der Wissenschaftlichen Medizinischen Fachgesellschaften e.V.: S2k-Leitlinie 015‑025 „Prävention und Therapie der Frühgeburt“. Stand: 2025, zuletzt aktualisiert und verlängert im März 2025.
- ↑ Olarinoye AO et al;. Comparative diagnosis of premature rupture of membrane by nitrazine test, urea, and creatinine estimation. Int J Health Sci (Qassim). 2021 Nov-Dec;15(6):16-22. PMID: 34912184; PMCID: PMC8589831.