Luftkammerschiene
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LoslegenSynonym: Pneumatische Schiene
Englisch: pneumatic splint, inflatable splint
Definition
Eine Luftkammerschiene ist ein in der Präklinik verwendetes Schienungsinstrument zur Immobilisation von verletzten Extremitäten.
Funktionsprinzip
Bei der Luftkammerschiene handelt es sich um einen aufblasbaren Kunststoffschlauch. Über einen Ventilmechanismus kann Luft in die Schiene gepumpt werden, woraufhin sich diese ähnlich einer Luftmatratze entfaltet. Durch das Aufblasen übt die Schiene Druck auf die zu immobilisierende Extremität aus und wirkt so stabilisierend. Vor allem bei Weichteilverletzungen sorgt der Druck zudem für eine gewollte Tamponade von Blutungen.
Anwendungsgebiete
Das Anwendungsspektrum der Luftkammerschiene ist dem der Vakuumschiene sehr ähnlich. Wie bei der Vakuumschiene lässt sich auch für die Luftkammerschiene eine Einteilung in Arm- und Beinschienen festlegen. Sie eignet sich ausschließlich für die Schienung von Extremitätenverletzungen.
Die Armschienen verwendet man vor allem zur Schienung von:
Die Beinschiene eignet sich vor allem zur Versorgung von:
Vorgehen
Grob fehlgestellte Frakturen werden – v.a. bei einem DMS-Defizit – vor der Immobilisation unter analgetischer Abschirmung durch vorsichtigen axialen Zug achsgerecht reponiert.
- DMS-Kontrolle vor der Anlage.
- Offene Wunden aseptisch versorgen und steril abdecken.
- Bei Bedarf Patienten analgesieren.
- Luftleere Schiene schonend über die betroffene Extremität ziehen.
- Aufpumpen der Schiene.
- Nach Erreichen einer ausreichenden Füllung und Festigkeit das Ventil schließen.
- DMS-Kontrolle nach der Anlage und evtl. Korrektur der Schienung.
Kontraindikationen
Eine offene Extremitätenfraktur gilt als absolute Kontraindikation, da es durch die Anlage der Schiene zu weiteren Verletzungen bzw. einer Kontamination der Wunde kommen kann.
Vorsicht ist geboten bei
- achsenabweichenden (angulierten) Frakturen, da die Schiene einen begradigenden Druck ausübt
- vorbestehenden Durchblutungs- oder Nervenstörungen (DMS-Defizit), da ein erhöhtes Risiko für ein Kompartmentsyndrom sowie Druckschäden besteht[1]
Verwendung
Obwohl die Luftkammerschiene in den vergangenen Jahrzehnten ein recht weit verbreitetes Schienungsinstrument in der Notfallmedizin, hat sie in den letzten Jahren stark an Verwendung eingebüßt. Nachteilig sind insbesondere:
- die Abhängigkeit des Innendrucks von Temperatur und Höhe (Wärme bzw. Höhe erhöhen den Druck, Kälte senkt ihn) – v.a. beim Lufttransport relevant
- die Gefahr einer Durchblutungsstörung bei zu hohem Fülldruck
- die fehlende Möglichkeit, distale Pulse durch die Schiene zu tasten
Das unpraktische Handling und die Existenz von besser einsetzbaren und für den Patienten schonenderen Alternativen wie der Vakuumschiene und der SAM-Splint-Schiene haben die Luftkammerschiene nahezu obsolet gemacht.