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Konjunktivalappen (Hund)

Synonyme: Bindehautlappen, Konjunktiva-Flap, Bindehautschürze

1 Definition

Als Konjunktivallappen oder Bindehautschürze bezeichnet man eine Verschiebelappentechnik beim Hund, bei der die Bindehaut abpräpariert und auf der Hornhaut fixiert wird.

2 Indikation

Konjunktivalappen werden zur Behandlung von tiefen Hornhautulzera sowie Descemetocelen und Hornhautrupturen verwendet.

Die konjunktivalen Verschiebelappen werden meistens aus der bulbären Konjunktiva hergestellt. Da sie sich rasch an der Kornea anhaften, stellen sie eine sofort wirkende und sichere Abdeckung der Hornhaut dar, die gleichzeitig auch die Heilung durch Bereitstellung von Blutgefäßen und Fibroblasten erleichtert. Der Konjunktivallappen haftet permanent an der Wunde und bildet in der Regel eine große, getrübte Narbe. Der Lappen sollte dabei unbedingt einige Millimeter größer als der abzudeckende Defekt sein.

3 Durchführung

Abhängig von der Lokalisation und der Größe des Defekts ist zwischen folgenden Lappentechniken zu unterscheiden:

  • einfach gestielter Konjunktivalappen
  • doppelt gestielter Konjunktivalappen

3.1 Einfach gestielter Konjunktivalappen

Um einen gestielten Bindehautlappen bilden zu können, wird die Konjunktiva mit einer ophthalmologischen Pinzette im Abstand von 2 mm vom Rand des Limbus entfernt gefasst. Danach kann nahe des Übergangs zur Kornea mit einer Tenotomieschere ein Schnitt gesetzt und der inzidierte Konjunktivabschnitt angehoben werden. Mit der Schere wird dann in Richtung Fornix ein schmaler und zungenförmiger Gewebelappen präpariert.

Nachdem der Hornhautdefekt umfangreich gesäubert wurde (Debridement), wird der Konunktivalappen so versetzt, dass er direkt über dem Defekt liegt. Anfangs werden zwei Einzelknopfnähte mit einem resorbierbaren Nahtmaterial (Stärke 6-0 bis 9-0) so angelegt, dass sie den Bindehautlappen und die Hälfte der Dicke des Limbus perforieren. Anschließend folgen zwei weitere Einzelknopfnähte am Übergang von Konjunktiva zur Kornea. Auch hier sollte nicht mehr als die Hälfte des Durchmessers der Kornea perforiert werden. Die Wundränder der Konjunktiva vernäht man adaptierend mit einer einfachen fortlaufenden Naht.

Es ist wichtig, dass eine Epithel-zu-Epithel-Adaptierung ohne Überlappen erreicht wird, um den Heilungsverlauf nicht zu stören.

3.2 Doppelt gestielter Konjunktivalappen

Alternativ kann auch ein doppelt gestielter Konjunktivalappen durchgeführt werden. Hierfür wird die Konjunktiva wie beschrieben mit einer Pinzette angehoben, sodass Nahe am Übergang zur Konjunktiva der erste Scherenschnitt gesetzt werden kann. Anschließend wird – abhängig von der notwendigen Größe des Hornhautdefekts – entlang des Limbus geschnitten. Entsprechend dem Defekt ist dann parallel zu dieser Schnittlinie eine erneute Inzision zu setzen, die etwa der Länge des ersten Schnitts gleicht.

Der auf diese Weise präparierte Bindehautlappen kann dann von Konjunktivalbereich über den Defekt geschoben und wie oben beschrieben mit Einzelheften fixiert werden. Das Wundbett wird mit einer fortlaufenden Naht adaptiert.

4 Nachsorge

Postoperativ ist eine antibiotische Augensalbe und – wenn nötig – auch Atropin in Form von Augentropfen indiziert.

Etwa 3 bis 4 Wochen nach der Operation ist der Hornhautdefekt weitgehend verheilt, sodass der Stiel des Konjunktivalappens mittels Scherenschlag entfernt werden kann. Bei einem doppelt gestielten Konjunktivalappen sind entsprechend beide Stiele zu durchtrennen. Aufgrund der Unterbrechung der Blutzufuhr atrophiert das an der Kornea anhaftende konjunktivale Gewebe. Durch die anschließende Fibrosierung bildet sich an dieser Stelle eine Narbe.

5 Ergebnis

Die Narbe bildet sich über mehrere Monate zurück, ihre Transparenz kann stark variieren. Das Resultat reicht von einer kaum wahrnehmbaren Trübung im Bereich des Hornhautdefektes bis hin zu einem dichten Leukom mit deutlicher Sichteinschränkung.

6 Literatur

  • Fossum TW. 2007. Chirurgie der Kleintiere. 2. Auflage. München: Elsevier GmbH, Urban & Fischer Verlag. ISBN: 978-3-437-57091-9
  • Niemand HG (Begr.). Suter PF, Kohn B, Schwarz G (Hrsg.). 2012. Praktikum der Hundeklinik. 11., überarbeitete und erweiterte Auflage. Stuttgart: Enke-Verlag in MVS Medizinverlag Stuttgart GmbH & Co. KG. ISBN: 978-3-8304-1125-3

Diese Seite wurde zuletzt am 8. März 2021 um 13:15 Uhr bearbeitet.

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