Inhalationstechnik
Synonym: Inhalationsmanöver
Englisch: inhalation technique
Definition
Die Inhalationstechnik beschreibt die korrekte Durchführung und Handhabung von Inhalationssystemen zur Inhalation von gasförmigen, flüssigen oder pulverförmigen Medikament in die tiefen Atemwege.
Hintergrund
Die inhalative Therapie ist der Goldstandard bei obstruktiven Atemwegserkrankungen wie Asthma bronchiale und chronisch obstruktiver Lungenerkrankung (COPD). Darüber hinaus spielt sie eine wichtige Rolle bei Bronchiektasen sowie der zystischen Fibrose (Mukoviszidose). Das Ziel ist eine hohe lokale Wirkstoffkonzentration im Respirationstrakt bei gleichzeitig minimalen systemischen Nebenwirkungen.
Die Effektivität der Therapie hängt jedoch maßgeblich von der korrekten Inhalationstechnik des Patienten ab. Entscheidende physikalische Einflussfaktoren auf die pulmonale Deposition sind dabei die aerodynamische Partikelgröße (MMAD, mass median aerodynamic diameter), der individuelle Inspirationsfluss sowie anatomische Gegebenheiten wie der Grad der Atemwegsobstruktion.
Studien zeigen, dass 50 bis 90 % der Patienten mindestens einen kritischen Fehler bei der Inhalation begehen. Eine fehlerhafte Inhalationstechnik führt zu einer reduzierten Deposition des Wirkstoffs in der Lunge und ist eine der Hauptursachen für häufige Exazerbationen, vermehrte Krankenhausaufenthalte und einen erhöhten Medikamentenverbrauch. Die regelmäßige Schulung der Patienten ist daher essenziell.
Technik
Die Technik unterscheidet sich grundlegend je nach verwendetem Inhalationssystem:
Dosieraerosol
Dosieraerosole erfordern eine langsame, tiefe Einatmung. Vor jedem Gebrauch sollte das Gerät geschüttelt werden, sofern vom Hersteller empfohlen. Die Einatmung erfolgt idealerweise mit leicht zurückgeneigtem Kopf. Die größte Schwierigkeit ist die Koordination zwischen dem Auslösen des Sprühstoßes und dem Beginn der Einatmung. Um diese Hand-Atem-Koordination zu erleichtern und die oropharyngeale Deposition zu reduzieren, wird der Einsatz eines Spacers (Vorschaltkammer) empfohlen – insbesondere für Kinder, ältere Patienten und Personen mit eingeschränkter manueller Geschicklichkeit.
Pulverinhalator
Pulverinhalatoren erfordern eine schnelle, kräftige und tiefe Einatmung. Da der Patient durch seinen eigenen Atemzug das Pulver deaggregieren und aus dem Gerät befördern muss, ist ein ausreichender inspiratorischer Atemfluss zwingend notwendig. Dieser Mindestfluss variiert je nach Gerät erheblich. Bei Patienten mit schwerer Obstruktion ist die Eignung eines DPI daher individuell zu prüfen.
Soft-Mist-Inhaler
Soft-Mist-Inhaler erzeugen einen langsamen, feinen Aerosol-Nebel ohne Treibgas. Sie erfordern ebenfalls eine langsame Einatmung, jedoch ist die zeitliche Koordination weniger kritisch, da der Sprühstoß über etwa 1,5 Sekunden andauert. Das Gerät wird vor der ersten Anwendung aktiviert und täglich um 90° gedreht, um die Dosis freizugeben.
Vernebler
Das Medikament wird je nach Verneblerprinzip (z.B. Düsenvernebler (Druckluft), Ultraschallvernebler oder Schwingmembranvernebler) in ein Aerosol umgewandelt. Die Inhalation erfolgt in ruhiger, normaler Atmung über ein Mundstück oder eine Maske. Für proteinhaltige oder hitzeempfindliche Substanzen sind Ultraschallvernebler ungeeignet, da die Ultraschallwellen zur Denaturierung führen können; hier kommen Schwingmembranvernebler zum Einsatz. Dieses System wird häufig in der Pädiatrie, Geriatrie sowie in der Notfallmedizin eingesetzt.
Häufige Anwendungsfehler
Zu den häufigsten Fehlern, die zu einem Therapieversagen führen, zählen:
- fehlende vollständige Exspiration vor der Inhalation
- mangelhafte Hand-Atem-Koordination
- zu schwacher Einatemzug
- fehlende Atempause (Breath-hold) nach der Inhalation: der Patient sollte die Luft für ca. 5 bis 10 Sekunden anhalten, damit sich die Partikel in den tiefen Bronchien absetzen können (Sedimentation), bevor sie wieder ausgeatmet werden
- Fehlende Mundhygiene: nach der Inhalation von Glukokortikoiden muss der Mund ausgespült werden, um einem lokalen Soor vorzubeugen.