Fragebogen zur Sozialen Kommunikation
Wir werden ihn in Kürze checken und bearbeiten.
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Englisch: Social Communication Questionnaire, SCQ
Definition
Der Fragebogen zur Sozialen Kommunikation, kurz FSK, ist ein standardisiertes, fremdbeurteilungsbasiertes Screeninginstrument zur Erfassung von Auffälligkeiten in sozialer Interaktion, Kommunikation sowie restriktiv-repetitiven Verhaltensweisen. Er wird insbesondere zur orientierenden Abklärung von Symptomen einer Autismus-Spektrum-Störung eingesetzt.
Hintergrund
Der FSK ist die deutschsprachige Adaptation des Social Communication Questionnaire nach Rutter, Bailey und Lord. Das Instrument ist konzeptuell aus dem Autism Diagnostic Interview – Revised (ADI-R) abgeleitet und orientiert sich an dessen inhaltlichen Kernbereichen. Ziel ist eine ökonomische und standardisierte Erfassung autistischer Kernsymptome im Vorfeld einer vertieften klinischen Diagnostik.
Aufbau
Der Fragebogen umfasst 40 dichotome Items mit den Antwortoptionen Ja oder Nein. Inhaltlich werden zentrale Bereiche der Autismus-Spektrum-Störung abgebildet, insbesondere soziale Gegenseitigkeit und Interaktion, verbale und nonverbale Kommunikation sowie restriktiv-repetitive Verhaltensmuster.
Es stehen zwei Versionen zur Verfügung. Die Lebenszeit-Version erfasst die Symptomatik über die gesamte bisherige Entwicklung, während sich die aktuelle Version auf Verhaltensweisen der letzten drei Monate bezieht. In der praktischen Auswertung werden je nach Manual und Scoringregel 39 Items in den Summenscore einbezogen.
Durchführung
Der FSK wird in der Regel von Eltern oder anderen primären Bezugspersonen ausgefüllt, die sowohl mit der Entwicklungsgeschichte als auch mit dem aktuellen Verhalten der betroffenen Person vertraut sind. Die Bearbeitungsdauer liegt typischerweise unter zehn Minuten. Der Einsatz ist ab einem chronologischen Alter von etwa vier Jahren vorgesehen, sofern ein mentales Alter von mindestens zwei Jahren erreicht ist.
Auswertung und Interpretation
Die Auswertung erfolgt über einen Gesamtscore, der sich aus der Summe der als auffällig gewerteten Antworten ergibt. In vielen klinischen Anwendungen wird ein Cut-off-Wert von 15 Punkten als Hinweis auf ein erhöhtes Risiko für eine Autismus-Spektrum-Störung herangezogen. Studien zeigen jedoch, dass optimale Schwellenwerte alters- und settingabhängig variieren können. Insbesondere bei jüngeren Kindern werden teilweise niedrigere Cut-offs diskutiert, um eine höhere Sensitivität des Screenings zu erreichen.
Der FSK ist ausdrücklich als Screeninginstrument konzipiert. Ein auffälliges Ergebnis ersetzt keine Diagnosestellung, sondern begründet die Indikation für eine weiterführende, multimodale Diagnostik, etwa durch strukturierte Anamnese- und Interviewverfahren, standardisierte Verhaltensbeobachtungen sowie eine klinische Gesamtbeurteilung.
Indikationen
- Verdacht auf Autismus-Spektrum-Störung
- Abklärung sozial-kommunikativer Auffälligkeiten im Rahmen der Entwicklungsdiagnostik
- Vorauswahl vor spezialisierter Diagnostik
- Einsatz in Forschung und epidemiologischen Erhebungen
Klinische Bedeutung
Der FSK ist aufgrund seiner hohen Ökonomie und Standardisierung breit einsetzbar und unterstützt die strukturierte Erfassung autistischer Kernsymptome im Vorfeld einer spezialisierten Diagnostik. In vielen Anwendungsbereichen zeigt das Instrument eine gute Sensitivität. Die Spezifität kann jedoch eingeschränkt sein, insbesondere bei komorbiden Entwicklungs- oder Sprachstörungen sowie in unspezifischen klinischen Populationen.
Grenzen
Der Fragebogen eignet sich nicht zur differenzialdiagnostischen Abgrenzung. Die Ergebnisse sind abhängig von der Informantenperspektive und der Kenntnis der Entwicklungsgeschichte. Zudem ist die Interpretation der Cut-off-Werte abhängig von Alter, Versorgungssetting, Komorbidität und eingesetzter Version.
Literatur
- Staton, A., Dawson, D., Moghaddam, N., & McGrath, B. (2023). Specificity and sensitivity of the Social Communication Questionnaire lifetime screening tool for autism spectrum disorder in a UK CAMHS service. Clinical Child Psychology and Psychiatry, 28(3), 952–964. https://doi.org/10.1177/13591045221137196
- Bölte, S., & Poustka, F. (2005). Psychodiagnostische Verfahren zur Erfassung autistischer Störungen. Zeitschrift für Kinder- und Jugendpsychiatrie und Psychotherapie, 33(1), 5–14. https://doi.org/10.1024/1422-4917.33.1.5
- Hogrefe Testzentrale. (o. J.). Fragebogen zur Sozialen Kommunikation – Autismus-Screening (FSK). https://www.testzentrale.de/shop/fragebogen-zur-sozialen-kommunikation-autismus-screening-69621.html