Femoroazetabuläres Impingement
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LoslegenSynonyme: Femoroacetabuläres Impingement, FAI-Syndrom
Englisch: femoroacetabular impingement, femoroacetabular impingement syndrome, FAI syndrome
Definition
Das femoroazetabuläre Impingement, kurz FAI, ist ein orthopädisches Syndrom, bei dem durch morphologische Veränderungen am proximalen Femur und/oder Acetabulum während Hüftgelenksbewegungen ein abnormer Kontakt zwischen beiden Gelenkanteilen entsteht. Die Diagnose eines FAI-Syndroms setzt typische Beschwerden, positive klinische Zeichen und korrespondierende bildgebende Befunde voraus.[1]
Hintergrund
Durch den wiederholten mechanischen Kontakt können Schäden an den beteiligten Strukturen entstehen. Dabei sind vor allem das Labrum acetabulare und der Gelenkknorpel betroffen. Ein symptomatisches FAI-Syndrom ist mit einem erhöhten Risiko für die Entwicklung einer Coxarthrose assoziiert, führt jedoch nicht zwangsläufig zu einer Arthrose.[2]
Morphologische Veränderungen können auch bei asymptomatischen Personen nachweisbar sein. Daher ist der alleinige bildgebende Nachweis einer entsprechenden Morphologie nicht gleichbedeutend mit einem FAI-Syndrom.[3][4]
Einteilung
Das FAI wird morphologisch in zwei Hauptformen eingeteilt:
- Cam-FAI: Beim Cam-FAI liegt eine verminderte Taillierung bzw. knöcherne Prominenz am Femurkopf-Schenkelhals-Übergang vor. Dadurch kann es bei Hüftbewegungen zu Scherkräften am acetabulären Knorpel und am Labrum kommen.
- Pincer-FAI: Beim Pincer-FAI besteht eine vermehrte Überdachung des Femurkopfs durch das Acetabulum, z.B. bei acetabulärer Retroversion oder globaler Überdachung. Dabei kommt es zu einem Anschlagen des Schenkelhalses am Acetabulumrand.
Klinisch ist eine reine Unterform selten. Bei vielen Patienten liegt eine kombinierte Cam- und Pincer-Morphologie vor.[5]
Ätiologie
Viele Fälle des FAI-Syndroms sind idiopathisch. Darüber hinaus können prädisponierende Faktoren oder sekundäre Ursachen vorliegen, die die Gelenkgeometrie verändern. Dazu zählen:
- Epiphyseolysis capitis femoris, insbesondere bei Ausheilung in Fehlstellung
- Morbus Perthes
- posttraumatische Fehlstellungen
- acetabuläre Retroversion
- genetische Prädisposition
- hohe mechanische Belastung, z.B. durch bestimmte Sportarten
Eine Hüftdysplasie kann mit intraartikulären Beschwerden und sekundären Impingementmechanismen einhergehen. Sie ist jedoch primär eine eigenständige biomechanische Störung des Hüftgelenks. Insbesondere die Cam-Morphologie gilt heute als kausaler Risikofaktor für die Entwicklung einer Coxarthrose, wobei sich diese Hüftform vor allem während der Skelettreifung bei sportlich hochaktiven Jugendlichen ausbildet.[6]
Pathophysiologie
Beim Cam-FAI führt die asphärische Kontur am Femurkopf-Schenkelhals-Übergang bei Flexion und Innenrotation zu einem erhöhten mechanischen Druck auf den acetabulären Knorpel. Dies kann zu Knorpelschäden und sekundären Labrumläsionen führen.
Beim Pincer-FAI kommt es durch die vermehrte acetabuläre Überdachung zu einem Anschlagen des Schenkelhalses am Acetabulumrand. Typisch sind Läsionen des Labrums und gegenläufige Knorpelschäden durch Hebelmechanismen im Gelenk.
Symptome
Das FAI-Syndrom betrifft häufig jüngere und sportlich aktive Patienten. Typisch sind belastungsabhängige Beschwerden der vorderen Hüft- oder Leistenregion, die sich bei Bewegungen mit tiefer Flexion und Innenrotation verstärken können. Typische Symptome des FAI-Syndroms sind:
- tief sitzender Leistenschmerz
- Schmerzen in der vorderen Hüftregion
- Beschwerden bei längerem Sitzen
- Schmerzen bei tiefer Hüftflexion, z.B. in der Hocke oder beim Geschlechtsverkehr
- belastungsabhängige Hüftschmerzen beim Sport
- Bewegungseinschränkung, vor allem der Innenrotation bei 90° Flexion
- gelegentlich Schnappen, Blockieren oder Instabilitätsgefühl im Hüftgelenk
Eine Schmerzausstrahlung bis in den Fuß ist für ein FAI-Syndrom untypisch und sollte an Differentialdiagnosen wie eine Radikulopathie oder periphere Nervenkompression denken lassen.
Diagnostik
Die Diagnose eines FAI-Syndroms beruht auf der Kombination aus Anamnese, klinischer Untersuchung und Bildgebung. Eine morphologische Auffälligkeit in der Bildgebung allein reicht nicht aus, um ein FAI-Syndrom zu diagnostizieren.[1]
Klinische Untersuchung
Klinischer Leittest ist der FADIR-Test. Dabei wird das Hüftgelenk in Flexion, Adduktion und Innenrotation gebracht. Eine Schmerzprovokation spricht für eine intraartikuläre Schmerzquelle, ist jedoch nicht spezifisch für ein FAI-Syndrom.
Ergänzend können weitere Provokationstests und Beweglichkeitsprüfungen durchgeführt werden, z.B. der FABER-Test sowie die Messung der Innenrotation in 90° Hüftflexion.
Bildgebung
Zur bildgebenden Abklärung kommen folgende Verfahren infrage:
- Röntgen des Beckens und der betroffenen Hüfte, z.B. a.p.-Beckenübersicht und axiale bzw. Dunn-Aufnahme
- MRT des Hüftgelenks zur Beurteilung von Labrum, Knorpel und Begleitpathologien
- MR-Arthrographie bei spezieller Fragestellung, insbesondere zur Darstellung von Labrumläsionen
Radiologische Parameter wie der Alpha-Winkel, der laterale Center-Edge-Winkel und Zeichen einer acetabulären Retroversion können Hinweise auf eine Cam- oder Pincer-Morphologie geben.[7][8]
Diagnostische Injektion
Eine intraartikuläre Injektion eines Lokalanästhetikums kann zur Abgrenzung intra- und extraartikulärer Schmerzursachen eingesetzt werden. Eine deutliche Schmerzreduktion spricht für eine intraartikuläre Schmerzquelle.
Differentialdiagnosen
Wichtige Differentialdiagnosen des FAI-Syndroms sind:
- Coxarthrose
- Hüftdysplasie
- isolierte Läsion des Labrums anderer Ursache
- Iliopsoas-Syndrom
- Adduktorentendinopathie
- Leistenhernie
- Bursitis trochanterica
- ISG-Beschwerden
- lumbale Radikulopathie
Therapie
Die Therapie richtet sich nach Beschwerdeausmaß, Morphologie, Begleitpathologien, Aktivitätsniveau und Ausmaß degenerativer Veränderungen. Ziel ist die Beschwerdereduktion, die Verbesserung der Hüftfunktion und die Vermeidung weiterer chondraler Schäden.
Konservative Therapie
Die konservative Therapie umfasst:
- Aktivitätsmodifikation
- Physiotherapie
- trainingstherapeutische Verbesserung von Kraft, Beweglichkeit und Bewegungssteuerung
- zeitlich begrenzte analgetisch-antiphlogistische Therapie, z.B. mit NSAR
- intraartikuläre Injektionen bei ausgewählten Patienten
Die Physiotherapie sollte Bewegungen vermeiden, die reproduzierbar ein Impingement auslösen. Im Vordergrund stehen die Optimierung der Hüft- und Rumpfstabilität sowie die Korrektur belastender Bewegungsmuster.
Operative Therapie
Bei persistierenden Beschwerden, passender struktureller Ursache und fehlender fortgeschrittener Coxarthrose kann eine operative Therapie indiziert sein. Sie kann arthroskopisch oder offen erfolgen.[1]
Arthroskopische Verfahren umfassen je nach Befund:
- Femoroplastik bzw. Osteochondroplastik bei Cam-Morphologie
- Acetabuloplastik bei Pincer-Morphologie
- Refixation oder Rekonstruktion des Labrums
- Behandlung begleitender Knorpelschäden
Offene Verfahren, z.B. eine chirurgische Hüftluxation oder korrigierende Osteotomie, bleiben speziellen anatomischen Konstellationen vorbehalten. Bei fortgeschrittener Coxarthrose steht die gelenkerhaltende Therapie in der Regel nicht mehr im Vordergrund. In diesen Fällen kann die Implantation einer Hüftgelenksendoprothese indiziert sein.
Prognose
Die Prognose hängt von der zugrunde liegenden Morphologie, dem Ausmaß der Knorpel- und Labrumschäden, dem Alter des Patienten, dem Aktivitätsniveau und dem Vorliegen degenerativer Veränderungen ab. Ein symptomatisches FAI-Syndrom ist mit einem erhöhten Risiko für die Entwicklung einer Coxarthrose assoziiert. Eine sichere Vorhersage des individuellen Arthroserisikos ist jedoch nicht möglich.[2][6]
Quellen
- ↑ 1,0 1,1 1,2 Griffin DR et al. The Warwick Agreement on femoroacetabular impingement syndrome (FAI syndrome): an international consensus statement. Br J Sports Med. 2016;50(19):1169-1176.
- ↑ 2,0 2,1 Casartelli NC et al. Is hip morphology a risk factor for developing hip osteoarthritis? A systematic review with meta-analysis. Osteoarthritis Cartilage. 2021;29(9):1252-1264.
- ↑ Dickenson EJ et al. The prevalence of cam hip morphology in a general population sample. Osteoarthritis Cartilage. 2019;27(3):444-448.
- ↑ Bensler S et al. Pincer-type MRI morphology seen in over a third of asymptomatic healthy volunteers without femoroacetabular impingement. J Magn Reson Imaging. 2019;49(5):1296-1303.
- ↑ Pfirrmann CWA et al. Cam and pincer femoroacetabular impingement: characteristic MR arthrographic findings in 50 patients. Radiology. 2006;240(3):778-785.
- ↑ 6,0 6,1 Heerey J et al. Cam morphology and the development of femoroacetabular impingement syndrome and hip osteoarthritis. Nat Rev Rheumatol. 2025;22(3):199-212.
- ↑ Bredella MA et al. MR imaging of femoroacetabular impingement. Magn Reson Imaging Clin N Am. 2005;13(4):653-664.
- ↑ Beall DP et al. Imaging findings of femoroacetabular impingement syndrome. Skeletal Radiol. 2005;34(11):691-701.