Ergebnisverzerrung
Wir werden ihn in Kürze checken und bearbeiten.
Wir werden ihn in Kürze checken und bearbeiten.
englisch: Outcome Bias
Definition
Die Ergebnisverzerrung bezeichnet eine kognitive Verzerrung, bei der die Qualität einer medizinischen Entscheidung retrospektiv anhand ihres Ergebnisses bewertet wird, unabhängig davon, ob die Entscheidung zum Zeitpunkt ihres Treffens leitliniengerecht, evidenzbasiert oder rational begründet war. Positive Outcomes führen dabei zu einer Aufwertung, negative Outcomes zu einer Abwertung identischer Entscheidungsprozesse.
Hintergrund
Die Ergebnisverzerrung ist ein etabliertes Konzept der Entscheidungs- und Kognitionspsychologie. Sie beruht auf der menschlichen Tendenz, komplexe Entscheidungsprozesse nachträglich zu vereinfachen und Kausalität aus bekannten Ergebnissen abzuleiten. Das bekannte Outcome fungiert dabei als dominanter Bewertungsmaßstab, während die zum Entscheidungszeitpunkt bestehende Unsicherheit in den Hintergrund tritt.
In der Medizin ist diese Verzerrung besonders relevant, da klinische Entscheidungen häufig unter Zeitdruck, unvollständiger Informationslage und auf Wahrscheinlichkeiten beruhend Evidenz getroffen werden. Die retrospektive Gleichsetzung von Entscheidungsqualität und Ergebnisqualität steht dabei im Spannungsfeld zur evidenzbasierten Medizin, die Entscheidungen auf Wahrscheinlichkeiten und nicht auf Gewissheiten stützt.
Klinische Bedeutung
In der klinischen Praxis beeinflusst die Ergebnisverzerrung die Bewertung diagnostischer und therapeutischer Entscheidungen auf individueller und institutioneller Ebene. Leitliniengerechte Maßnahmen können bei ungünstigem Verlauf retrospektiv als unangemessen beurteilt werden, während regelabweichende Entscheidungen bei günstigem Outcome als richtig oder gerechtfertigt erscheinen.
Besonders ausgeprägt ist die Ergebnisverzerrung in Bereichen mit hoher Unsicherheit und hoher Ergebnisvarianz, etwa in der Notfallmedizin, Intensivmedizin, Chirurgie oder Geburtshilfe. Sie kann sich auf Fort- und Weiterbildung, Qualitätsmanagement sowie Morbiditäts- und Mortalitätskonferenzen auswirken, wenn Entscheidungsprozesse nicht unabhängig vom Outcome analysiert werden.
Beispiel
Eine Patientin wird mit septischem Schock entsprechend aktueller Leitlinien behandelt, einschließlich frühzeitiger Antibiotikatherapie, Volumengabe und Vasopressoreinsatz. Trotz leitliniengerechten Vorgehens verstirbt sie im Verlauf an einem Multiorganversagen.
In der retrospektiven Fallbesprechung wird die initiale Therapie kritisch bewertet und als unzureichend eingeordnet. In einem vergleichbaren Fall mit identischem Vorgehen und günstigem Verlauf wird dieselbe Therapie hingegen als angemessen und zeitgerecht beurteilt. Die Bewertung der Entscheidung orientiert sich am Ergebnis, nicht am Entscheidungsprozess zum Zeitpunkt der Maßnahme.
Strategien zur Reduktion
Die Ergebnisverzerrung ist nicht vollständig vermeidbar, kann jedoch durch strukturierte Bewertungsansätze begrenzt werden. Zentrale Maßnahmen sind die konsequente Trennung von Entscheidungsprozess und Ergebnis sowie eine ex-ante-orientierte Bewertung anhand der zum Entscheidungszeitpunkt verfügbaren Informationen.
In Fallanalysen und Qualitätszirkeln sollte explizit geprüft werden, ob eine Entscheidung unter den damaligen Bedingungen angemessen war, unabhängig vom späteren Verlauf. Die Orientierung an Leitlinien, Wahrscheinlichkeiten und dokumentierten Entscheidungsgrundlagen unterstützt eine sachgerechte Bewertung.
Literatur
- FasterCapital: https://fastercapital.com/de/inhalt/Ergebnisverzerrung--Der-verborgene-Einfluss-auf-die-Entscheidungsfindung.html, abgerufen am 13.01.2026
- Meißner et al., Klinische Entscheidungsfindung in der Notfallmedizin: Notfallmedizin up2date. Thieme Verlag KG, abgerufen am 13.01.2026
- Hofinger, Human Factors und Patientensicherheits in der Akutmedizin, Springer-Verlag, abgerufen am 13.01.2026