Diversität
von lateinisch: diversus - anders
Synonym: Vielfalt
Englisch: diversity
Definition
Diversität bezeichnet in der Medizin die interindividuelle Vielfalt physischer, psychischer und sozialer Merkmale, welche die medizinische Versorgung beeinflussen.
Abgrenzung
Abzugrenzen ist die Diversität von der Biodiversität. In der Ökologie bezeichnet Biodiversität das Zusammenspiel der Vielfalt der Gene, Arten und Ökosystemen. Konzepte aus der Biodiversität (Alpha-Diversität, Beta-Diversität) werden in der Medizin zur Beschreibung von Mikrobiomen genutzt, etwa beim Anna-Karenina-Prinzip.
Dimensionen
Diversität entsteht auf Populationsebene durch interindividuelle Unterschiede, die nach dem Diversitätsmodell nach Gardenswartz und Rowe (2003) in vier Dimensionen gegliedert werden können:
- Persönlichkeit
- Interne Faktoren (z.B. Alter, Ethnie, Geschlecht)
- Externe Faktoren (z.B. Religion, sozioökonomischer Status, Gewohnheiten, Sprache, Kultur)
- Organisationale Faktoren (z.B. arbeitsplatzbezogene Faktoren, Versicherungsstatus)
Medizinische Bedeutung
Mit einer fortschreitenden Entwicklung der modernen individualisierten und patientenzentrierten Medizin spielt Diversität eine wichtigere Rolle. Während pharmakologische Studien und anatomische Beschreibungen sich historisch primär am männlichen Körper orientieren, gibt es häufig relevante Geschlechterunterschiede, die eine geschlechtsspezifische Betrachtung von Erkrankungen notwendig machen.
Konzepte
Als zentrale Konzepte innerhalb der diversitätssensiblen Medizin gelten:
- Diversitätsmedizin: Beachtung von Diversität in der medizinischen Versorgung
- Gendermedizin: Einfluss des Geschlechts auf physiologische, biochemische und pharmakologische Faktoren
Daneben wurden Begriffe geprägt:
- Neurodivergenz: Verständnis von psychologischer Andersartigkeit als Normvarianten
- Anatomische Varianten: Physiologische Unterschiedlichkeit anatomischer Strukturen
- Exposom: Synergetische Effekte aller Umweltfaktoren auf Gesundheitszustand und Alterungsprozesse
Diversität wird in der Behandlung u.a. in der Präzisionsmedizin, in der diversitätssensiblen Dermatologie: (Berücksichtigung von stärker pigmentierter Haut) und in der integrativen Psychotherapie (Orientierung von Psychotherapien an der Lebensrealität des Patienten) berücksichtigt.
Forschung
Medizinisch relevantes Wissen zu Diversität wird durch Forschung erlangt. Wird gesellschaftliche Diversität in Studiendesigns nicht abgebildet, kann es zur Vernachlässigung von medizinisch bedeutsamen Diversitätsfaktoren kommen. In der Gendermedizin hat sich dafür der Begriff des Yentl-Syndroms etabliert.
Essentiell ist auch, Wissen zu Diversitätsfaktoren im Medizinstudium zu lehren und in Lehrbüchern darzustellen. Diversitätssensible Lehrbücher wurden in den letzten Jahren insbesondere in der Dermatologie herausgegeben, da dunkle Haut in Abbildungen und Beschreibungen von Hauterkrankungen traditionell unterrepräsentiert ist.
Weblinks
- Intersektionalität (Charité Berlin)
- Dermatosen bei Menschen mit „skin of color“ (Springer)
- Diversity competence in medical education: short-term effectiveness of an interprofessional diversity-specific undergraduate learning (BMC Medical Education)