Deutsches Reanimationsregister
Englisch: german resuscitation registry (GRR)
Definition
Das Deutsche Reanimationsregister, kurz GRR, ist eine nationale Datenbank zur systematischen Erfassung und Auswertung von Reanimationsereignissen in Deutschland. Ziel ist es, die Qualität der Reanimationsversorgung zu bewerten, regionale Unterschiede sichtbar zu machen und gezielte Maßnahmen zur Verbesserung der Überlebenschancen nach Herz-Kreislauf-Stillstand zu entwickeln.
Hintergrund
Das Reanimationsregister wurde 2007 durch den Deutschen Rat für Wiederbelebung (German Resuscitation Council) gegründet und hat sich seitdem zu einem der größten und bedeutendsten Reanimationsregister Europas entwickelt. Trotz erheblicher Fortschritte in der Reanimationsmedizin bleibt die Prognose nach plötzlichem Herzstillstand ungünstig. Laut dem Deutschen Reanimationsregister überleben in Deutschland nur etwa 10–15 % der Patienten mit außerklinischem Herzstillstand bis zur Krankenhausentlassung. Entscheidende Determinanten sind dabei das frühe Erkennen des Herzstillstands, die Laienreanimation, die Zeit bis zum Eintreffen des Rettungsdienstes und die Qualität der durchgeführten Maßnahmen.
Ziele
Das Register verfolgt folgende Kernziele:
- Erfassung und Vergleich der Reanimationsversorgung, überregionale und internationale Benchmarking-Daten
- Identifikation von Schwachstellen im Ablauf der Rettungskette
- Förderung von Qualitätsmanagement, Forschung und Aus- bzw. Fortbildung
- Unterstützung lokaler und regionaler Qualitätssicherungsinitiativen
Aufbau
Das Register besteht aus mehreren Modulen, die verschiedene Abschnitte der Rettungskette abbilden:
- Prähospitales Modul (Out-of-Hospital Cardiac Arrest, OHCA): Erfasst alle außerklinischen Reanimationen durch den Rettungsdienst. Hierzu gehören Basisdaten zu Patient, Einsatz, Ersthelfermaßnahmen, EKG-Rhythmus, Verlauf und Ergebnis.
- Innerklinisches Modul (In-Hospital Cardiac Arrest, IHCA): Dokumentiert Reanimationen in Krankenhäusern mit Angaben zu Alarmierung, Teamverfügbarkeit, Zeitintervallen, Maßnahmen und Outcome.
- Postresuscitation Care-Modul: Erfasst die intensivmedizinische Versorgung nach erfolgreicher Reanimation, inklusive Temperaturmanagement, hämodynamischer Stabilisierung und neurologischem Outcome.
- Telefonreanimation (T-CPR)-Modul: Bewertet, wie oft Leitstellen eine telefonische Anleitung zur Laienreanimation geben und welchen Einfluss dies auf das Überleben hat.
- Kindermodul: Spezialisierte Erfassung von pädiatrischen Reanimationen, die aufgrund ihrer Besonderheiten getrennt ausgewertet werden.
Datenqualität und Auswertung
Die Dateneingabe erfolgt über ein webbasiertes, standardisiertes Dokumentationssystem, das mit den internationalen Utstein-Templates kompatibel ist. Dies ermöglicht den Vergleich mit internationalen Registern wie dem European Registry of Cardiac Arrest (EuReCa). Alle Datensätze werden anonymisiert, plausibilitätsgeprüft und regelmäßig auditiert.
Teilnehmende Einrichtungen erhalten kontinuierlich Feedbackberichte, Benchmark-Analysen und Qualitätsindikatoren. So können Prozesse vor Ort gezielt verbessert werden, etwa durch Anpassung der Alarmierung, Schulung des Personals oder Optimierung der Nachsorge.
Übersicht Dateneingabe
Wissenschaftliche Bedeutung
Das Deutsche Reanimationsregister ist eine zentrale Quelle für epidemiologische und versorgungswissenschaftliche Forschung in der Reanimationsmedizin. Es liefert Evidenz zu Themen wie Laienreanimation, Telefonreanimation, regionalen Überlebensunterschieden oder der Rolle von Ersthelfer-Apps. Die Daten fließen in nationale und internationale Publikationen sowie Leitlinien ein (Reanimationsleitlinien 2025).
Quellen
- DRR: Deutsches Reanimationsregister, abgerufen am 06.11.2025
- Deutscher Rat für Wiederbelebung: Reanimationsleitlinien 2025, GRC 2025, abgerufen am 06.11.2025