Containment (Psychotherapie)
Definition
Containment bezeichnet in der Psychotherapie ein psychodynamisches Konzept zur Aufnahme und inneren Verarbeitung unbearbeiteter Affekte des Patienten innerhalb der therapeutischen Beziehung. Der Begriff beschreibt eine therapeutische Funktion, keine eigenständige Psychotherapieform.
Hintergrund
Das Containment-Konzept geht auf die Arbeiten von Wilfred Bion zurück. Es entstand im Kontext der Objektbeziehungstheorie und der Psychoanalyse. Theoretische Bezüge bestehen zur frühen Mutter-Kind-Beziehung und zur Entwicklung der Affektregulation.
Grundlage ist das Modell von „Container“ und „Contained“. Unverarbeitete Affekte, Impulse oder Denkfragmente werden vom Patienten projektiv-identifikatorisch in den Therapeuten eingebracht. Der Therapeut verarbeitet diese Inhalte und stellt sie in modifizierter, integrierbarer Form zur Verfügung.
Technische Aspekte sind Haltung, Rahmung und affektive Aufnahme. Eine Manualisierung oder direkte Instruktion ist nicht vorgesehen.
Funktion
Containment beschreibt Prozesse bei eingeschränkter Selbstregulation. Nicht-symbolisierte Affekte werden in mental repräsentierbare Inhalte überführt. Die Funktion entfaltet sich über Beziehungsgestaltung, innere Haltung und affektive Aufnahmekapazität des Therapeuten.
Anwendungsbereich
Containment findet Anwendung in der Psychoanalyse und der tiefenpsychologisch fundierten Psychotherapie. Relevante Kontexte sind Persönlichkeitsstörungen, Traumafolgestörungen und psychotische Erkrankungen. Der Begriff wird auch im stationären und gruppentherapeutischen Setting verwendet.
Besonderheiten
Containment ist kein explizit eingesetztes Interventionsinstrument. Die Wirksamkeit hängt von Affekttoleranz, mentaler Verarbeitungskapazität und der Fähigkeit zum Umgang mit Gegenübertragung ab. Eine Überforderung kann zu Gegenübertragungsreaktionen führen.
Beispiel
Ein Patient mit emotional instabiler Persönlichkeitsstörung zeigt in der Sitzung ausgeprägte affektive Erregung, Vorwürfe und Abbruchtendenzen. Der Therapeut hält den Rahmen, bleibt affektiv stabil und benennt die wahrnehmbare Überforderung. In der Folgesitzung ist der Zustand erinnerbar und sprachlich integrierbar.
Literatur
- Bion WR. Learning from Experience. London: Heinemann; 1962.
- Wöller W, Kruse J. Tiefenpsychologisch fundierte Psychotherapie: Theorie und Praxis. Stuttgart: Schattauer; aktuelle Auflage.