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Bleomycin-induzierte Flagellantendermatitis

Synonym: Bleomycin-Dermatitis
Englisch: Bleomycin-induced flagellate dermatitis

1 Definition

Bei der Bleomycin-induzierten Flagellantendermatitis handelt es sich um eine Hautreaktion, die unter der Therapie mit Bleomycin auftreten kann.

2 Hintergrund

Bleomycin ist ein zytostatisch wirksames Antibiotikum, das bei der Behandlung verschiedener maligner Tumorerkrankungen eingesetzt wird. Im Körper erfolgt eine enzymatische Inaktivierung von Bleomycin durch eine Hydrolase, deren Konzentration in der Lunge und der Haut deutlich erniedrigt ist. Dies erklärt die entsprechende Anreicherung und das gehäufte Auftreten von Nebenwirkungen in diesen Organsystemen.

Als mögliche Nebenwirkung kann Bleomycin eine sogenannte "Flagellantendermatitis" auslösen. Dieser Begriff wird vom lateinischen "flagellum" (Geißel) abgeleitet, da die typischen Hauteffloreszenzen an das Erscheinungsbild bei mittelalterlichen Büßern erinnern.

Studien zufolge tritt die Bleomycin-induzierte Flagellantendermatitis - in Abhängigkeit von der kumulativen Dosis - bei 8 bis 66% der Patienten unter Bleomycin-Behandlung auf. Als auslösende Dosis wird eine Einzel- oder Kumulativdosis von 15 bis 400 mg angegeben.

3 Pathogenese

Die Pathogenese der Bleomycin-induzierten Flagellantendermatitis ist nicht abschließend geklärt. Aktuell (2021) wird am ehesten ein toxischer Mechanismus angenommen. Dafür sprechen das gehäufte Auftreten ab einer kumulativen Dosis von 100-200 mg, das mögliche Auftreten umittelbar nach Therapieeinleitung sowie histopathologisch nachgewiesene Gefäßveränderungen. Dass ein Auftreten auch bei sehr viel geringeren Dosen möglich ist, kann am ehesten durch einen unterschiedlich schnellen enzymatischen Abbau des Bleomycins bei den einzelnen Patienten erklärt werden.

Es wird außerdem angenommen, dass kleinere Hauttraumata, wie sie beispielsweise durch Kratzen entstehen, zu einer erhöhten Durchblutung sowie einem Gefäßleck führen, was eine Anreicherung von Bleomycin in diesem Areal zur Folge hat.

4 Klinik

Die Symptomatik beginnt in der Regel 24 Stunden bis 9 Wochen nach Einleitung einer Bleomycin-Therapie. Es kommt zu einem ausgeprägten Pruritus, der meist mit starkem Kratzen beantwortet wird. In den Kratzspuren zeigen sich parallel angeordnete strichförmige Erytheme mit Papeln. Bei sehr starkem Kratzen können diese Erytheme konfluieren.

Betroffen sind insbesondere Körperstamm, Oberschenkel, Unterarme und Glutealregion, meist in symmetrischer Verteilung. Nach Abbruch der Therapie bilden sich die Erytheme über mehrere Wochen zurück, wobei sich nun entsprechende strichförmige Hyperpigmentierungen zeigen, welche sich erst über Monate zurückbilden und in seltenen Fällen auch persistent sein können.

5 Diagnostik

Die Bleomycin-induzierte Flagellantendermatitis ist in ihrem typischen Erscheinungsbild und vor dem Hintergrund einer Behandlung mit Bleomycin in der Regel eine klinische Diagnose.

6 Differentialdiagnosen

7 Therapie

Die Symptomatik ist nach Abbruch der Bleomycin-Therapie selbstlimitierend. Symptomatisch werden topische und orale Glukokortikoide sowie Antihistaminika verabreicht.

8 Quellen

Diese Seite wurde zuletzt am 23. April 2021 um 13:48 Uhr bearbeitet.

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