Bülau-Drainage
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Loslegennach dem Hamburger Internisten Gotthard Bülau (1835-1900)
Synonym: Pleuradrainage, Thoraxdrainage
Englisch: siphon drainage
Definition
Bei der Bülau-Drainage handelt es sich um eine Pleuradrainage (Thoraxdrainage), die dazu dient, Flüssigkeit und Luft aus der Pleurahöhle zu entfernen.
Geschichte
1891 beschrieb Gotthard Bülau die Anlage einer Heber-Drainage zur Behandlung eines Pleuraempyems. Er schilderte dabei den Mechanismus einer Unterwasserdrainage bzw. eines Wasserschlosses, jedoch ohne eine spezifische Position zu nennen. Im heutigen Sprachgebrauch wird der Begriff "Bülau-Drainage" dagegen oft zur Beschreibung der anatomischen Lokalisation genutzt ("Bülau-Position").
Prinzip
Eine Bülau-Drainage ist im Vergleich zur Monaldi-Drainage großlumiger und wird bei Pleuraerguss, Hämatothorax, Pyothorax oder Hämatopneumothorax eingesetzt. Sie wird typischerweise im 4. oder 5. Interkostalraum (ICR) der vorderen oder mittleren Axillarlinie platziert.[1] Das Ende der Drainage wird über ein Wasserschloss in einen Auffangbehälter abgeleitet, um in den ersten Tagen postoperativ Blut und Wundsekret abzuleiten und ein Kollabieren der Lunge zu verhindern. Der Sog wird hierbei entweder durch den Höhenunterschied zwischen Pleuraspalt und Auffangbehälter (Schwerkraftdrainage) oder durch zusätzliche aktive Soganlage (typischerweise −15 bis −20 cmH2O) erzeugt.
Durchführung
Die folgenden Schritte beschreiben die positionsspezifische Anlage der Bülau-Drainage. Für die ausführliche Technik siehe Thoraxdrainage.
- Lagerung: Rücken- oder leichte Seitenlage, ipsilateraler Arm abduziert oder hinter dem Kopf
- Identifikation der Bülau-Position: 4. oder 5. ICR, vordere bis mittlere Axillarlinie (Safe Triangle)
- Sterile Abdeckung, großflächige Desinfektion des Punktionsareals
- Lokalanästhesie von Haut, Subkutis und Periost am Oberrand der kaudalen Rippe (Schutz des neurovaskulären Bündels am Unterrand)
- Hautinzision (ca. 2–3 cm), stumpfe Präparation durch die Interkostalmuskulatur bis in die Pleurahöhle
- Einführen der Drainage (großlumig, typisch 24–32 Fr), Vorschieben nach dorsokaudal, Fixierung mit Tabaksbeutelnaht
- Anschluss an Wasserschloss/Auffangsystem; ggf. aktiver Sog (−15 bis −20 cmH2O)
- Röntgenkontrolle des Thorax zur Lageverifikation
Komplikationen
- Fehlpositionierung (intraparenchymal, subdiaphragmal, extrathorakal)
- Verletzung des neurovaskulären Bündels mit Hämatothorax oder Interkostalneuralgie
- Organperforation (Zwerchfell, Leber, Milz)
- Dislokation oder Okklusion des Drainagekatheters
- Infektionen (Wundinfektion, iatrogenes Empyem)
- Reexpansionsödem bei zu rascher Entfaltung der kollabierten Lunge
Quellen
- ↑ Porcel JM. Chest Tube Drainage of the Pleural Space: A Concise Review for Pulmonologists. Tuberc Respir Dis (Seoul). 2018;81(2):106–115.