Harnanionenlücke
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LoslegenSynonyme: Anionenlücke im Harn, Anionenlücke im Urin
Englisch: urinary anion gap, urine anion gap, UAG
Definition
Die Harnanionenlücke ist ein diagnostischer Parameter zur Erkennung von Störungen im Säure-Basen-Haushalt. Sie wird vor allem zur Differenzierung der hyperchlorämischen metabolischen Azidose verwendet. Die Harnanionenlücke ist normalerweise neutral bis leicht positiv.
Berechnung
Die Harnanionenlücke wird mit folgender Formel berechnet:
Rechner
Pathophysiologie
Bei einer metabolischen Azidose versucht die Niere, überschüssige Protonen über den Harn auszuscheiden. Dazu bildet die Niere Ammoniak (NH3), das ein H+-Ion bindet und zu Ammonium (NH4+) wird. Zur Wahrung der Elektroneutralität im Urin wird das positiv geladene NH4+ mit einem negativ geladenen Anion ausgeschieden, im Regelfall mit Chlorid (Cl-). Ammonium kann im Routinelabor nicht direkt gemessen werden. Da eine gesteigerte NH4+-Ausscheidung bei intakter Tubulusfunktion mit einer entsprechend gesteigerten Cl–-Ausscheidung einhergeht, lässt sich die NH4+-Ausscheidung über die Harnanionenlücke indirekt abschätzen.[1]
Interpretation
Liegt eine hyperchlorämische metabolische Azidose vor, lässt sich der Wert wie folgt interpretieren:
- Harnanionenlücke negativ: extrarenal bedingte metabolische Azidose (z.B. Diarrhö mit HCO3–-Verlust) mit adäquat gesteigerter Ammoniumsekretion
- Harnanionenlücke positiv: renal-tubuläre Azidose (Typ 1 oder Typ 4) mit inadäquat verminderter Ammoniumsekretion.[2]
Limitationen
Die Harnanionenlücke ist ein grober Surrogatmarker der Ammoniumausscheidung. Sind im Urin nicht gemessene Anionen vorhanden – etwa Ketonsäuren bei Ketoazidose, Hippursäure (z.B. bei Toluolexposition) oder D-Laktat – wird NH4+ mit diesen Anionen statt mit Chlorid ausgeschieden. Die Harnanionenlücke kann dann trotz hoher Ammoniumausscheidung falsch-positiv ausfallen.[1] In solchen Fällen sowie zur genaueren Beurteilung wird der Urin-Osmolarlücke oder die direkte Messung des Urin-Ammoniums der Vorzug gegeben.[3]
Literatur
- Batlle et al., The Use of the Urinary Anion Gap in the Diagnosis of Hyperchloremic Metabolic Acidosis, N Engl J Med, 1988
- Batlle et al., The Urine Anion Gap in Context, Clin J Am Soc Nephrol, 2018
- Goldstein et al., The Urine Anion Gap: A Clinically Useful Index of Ammonium Excretion, Am J Med Sci, 1986
- MSD Manual – Metabolische Azidose, abgerufen am 12.09.2024
Quellen
- ↑ 1,0 1,1 Rehman et al., Urinary Ammonium in Clinical Medicine: Direct Measurement and the Urine Anion Gap as a Surrogate Marker During Metabolic Acidosis, Adv Kidney Dis Health, 2023
- ↑ Palmer und Clegg, Hyperchloremic normal gap metabolic acidosis, Minerva Endocrinol, 2019
- ↑ Uribarri et al., Beyond the Urine Anion Gap: In Support of the Direct Measurement of Urinary Ammonium, Am J Kidney Dis, 2022