Agglutinin
von lateinisch: agglutinare - ankleben, anheften
Englisch: agglutinine
Definition
Als Agglutinine bezeichnet Proteine (meist Antikörper, seltener Lektine), die Zellen wie Erythrozyten oder Bakterien zu sichtbaren Zellaggregaten verbinden können. Der Prozess wird als Agglutination bezeichnet.
Hintergrund
Agglutinine wirken durch ihre meist bivalente oder polyvalente Struktur, die es ihnen ermöglicht, mehrere Zellen gleichzeitig zu vernetzen. Eine direkte Zerstörung der Zellen erfolgt dabei nicht zwangsläufig, kann jedoch sekundär, z. B. durch Aktivierung des Komplementsystems, eintreten.
Bedeutung
Agglutinine spielen eine wichtige Rolle in der Immunabwehr und Labordiagnostik. Man unterscheidet u.a.:
Hämagglutinine
Hämagglutinine sind virale Oberflächenantigene, welche die Anheftung des Virus an die Wirtszelle vermitteln und dadurch das Eindringen erleichtern. Das Hämagglutinin bindet dabei v.a. an sialinsäuretragende Glykoproteine auf der Zelloberfläche. Beispiele sind das Influenza-Hämagglutinin und das Masern-Hämagglutinin. Darüber hinaus zählen Antikörper gegen Blutgruppen-Eigenschaften wie die Isoagglutinine zu den Hämagglutininen.
In der Labordiagnostik werden Hämagglutinine u.a. zum Virusnachweis und zur -quantifizierung verwendet.
Kälteagglutinine
Bei Kälteagglutinine handelt es sich um IgM-Autoantikörper im Blut, die bevorzugt bei niedrigen Temperaturen (10–15 °C) wirksam werden. Sie sind gegen Oberflächenantigene von Erythrozyten gerichtet.
Wärmeagglutinine
Wärmeagglutinine sind meist IgG-Antikörper, die bei etwa 37 °C gegen Erythrozytenantigene gerichtet sind und eine Rolle bei autoimmunhämolytischen Anämien spielen können.
Quellen
- ScienceDirect – Agglutinin, abgerufen am 17.03.2026
- Orphanet – Anämie, autoimmun-hämolytische, Wärme-Typ, abgerufen am 17.03.2026
- Lexikon der Biologie – Agglutinine, abgerufen am 17.03.2026