Agatoxin
Definition
Agatoxine sind neuroaktive Toxine aus den Giftdrüsen der nordamerikanischen Trichterwebspinne Agelenopsis aperta aus der Familie Agelenidae. Sie werden vor allem als experimentelle Werkzeuge in der Neurophysiologie und Pharmakologie eingesetzt.
Biochemie
Agatoxine sind Peptide mit mehreren Disulfidbrücken, die für ihre hohe strukturelle Stabilität verantwortlich sind. Einige ω-Agatoxine liegen in unterschiedlichen Isoformen vor, die sich in der Konfiguration einzelner Aminosäuren unterscheiden. Die posttranslationale Umwandlung der L- zur D-Form eines Serinrestes führt zur Veränderung der Konformation und der biologischen Aktivität des Peptids. Die D-Form zeigt dabei eine erhöhte pharmakologische Potenz.
Vertreter
Wichtige Vertreter der Agatoxine sind:
- ω-Agatoxin IVA
- ω-Agatoxin IVB
- μ-Agatoxine
- α-Agatoxine
Wirkweise
Agatoxine wirken als selektive Kanalblocker oder Modulatoren verschiedener Ionenkanäle:
- ω-Agatoxine (z.B. ω-Agatoxin IVA) blockieren hochaffin präsynaptische spannungsabhängige Calciumkanäle vom Typ Cav2.1 (P-/Q-Typ).
- Folge ist eine Hemmung des Ca²⁺-Einstroms und damit eine verminderte Neurotransmitter-Freisetzung.
- μ-Agatoxine wirken auf spannungsabhängige Natriumkanäle
- α-Agatoxine beeinflussen glutamaterge Rezeptoren (v.a. bei Insekten)
Die Wirkung ist insgesamt neurotoxisch und führt bei Beutetieren zu einer raschen Paralyse.
Klinische Bedeutung
Die klinische Relevanz von Agatoxinen beim Menschen ist gering. Bisse durch Agelenopsis aperta sind selten und verlaufen in der Regel mild. Typische Symptome sind:
- lokale Schmerzen
- Erythem und Schwellung
- gelegentlich Parästhesien