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Johanniskraut

Synonyme: Blutkraut, Feldhopfenkraut, Tüpfelhartheu, Echtes Johanniskraut
Englisch: St John's wort, Hardhay

1 Definition

Johanniskraut ist eine Pflanzenart der Familie der Johanniskrautgewächse. Die blühenden Stengel finden seit der Antike innerlich und äußerlich bei verschiedenen Erkrankungen als Heilpflanze Verwendung. Die botanische Bezeichnung lautet Hypericum perforatum.

2 Inhaltsstoffe und Wirkung

3 Arzneidrogen

Hypericum perforatum L. dient als Stammpflanze zur Gewinnung der Arzneidroge Hyperici herba (Herba Hyperici, Johanniskraut). Eine entsprechende Drogenmonographie führt das Europäische Arzneibuch (Ph. Eur.).

4 Anwendung

Johanniskraut kann beim Menschen in verschiedenen Darreichungsformen angewendet werden, die sich in Wirksamkeit und Verträglichkeit deutlich unterscheiden, z.B. als

5 Anwendungsgebiete

Das Naturheilmittel kann innerlich und äußerlich angewendet werden.

5.1 Äußere Anwendung

Äußerlich angewendet werden Johanniskrautblätter, -extrakte oder -tinkturen allein auf Basis der Tradition bei:

  • leichten Hautentzündungen (z. B. Sonnenbrand)
  • zur Förderung der Heilung kleiner Wunden

5.2 Innere Anwendung

Anwendung hochdosierter Spezialextrakte mit in Placebo-kontrollierten Studien belegter Wirksamkeit:

Da Johanniskraut bei schweren Depressionen nicht ausreichend untersucht ist, sollte es bei dieser Indikation nicht eingesetzt werden. Mittelschwere bis schwere Depressionen sollen durch einen Arzt behandelt werden. Daher sind Johanniskrautspezialextrakte, die als Arzneimittel bei mittelschwerer Depression zugelassen sind, verschreibungspflichtig und GKV-verordnungsfähig. Bei leichten bis mittelschweren Depressionen sind hochdosierte Spezialextrakte, die als Arzneimittel zugelassen sind, vergleichbar wirksam wie synthetische Antidepressiva, jedoch deutlich besser verträglich.[1]

Anwendung allein auf Basis der Tradition:

  • vorübergehende mentale Erschöpfung
  • symptomatische Behandlung leichter gastrointestinaler Beschwerden

6 Nebenwirkungen

Johanniskraut ist im Allgemeinen sehr gut verträglich. Nur selten treten Magen-Darmbeschwerden, Müdigkeit, Unruhe oder allergische (Haut-) Reaktionen auf.

Hellhäutige Menschen sollten während der Einnahme starke Sonnenbestrahlung und Solarien meiden. Es kann eine erhöhte Empfindlichkeit gegenüber Sonneneinstrahlung (Photosensibilisierung) entstehen.

Während der Schwangerschaft oder Stillzeit und bei depressiven Erkrankungen bei Kindern sollte die Einnahme nicht ohne Rücksprache mit dem Arzt erfolgen.

7 Wechselwirkungen

7.1 Pharmakodynamische Wechselwirkungen

Johanniskraut kann die Wirksamkeit anderer Antidepressiva verstärken und sollte daher nicht mit diesen kombiniert werden. In Einzelfällen wurde bei Kombination ein serotonerges Syndrom beschrieben. Bei Kombination mit anderen photosensibilisierenden Arzneimitteln (z. B. verschiedene Psychopharmaka) ist eine Verstärkung phototoxischer Reaktionen möglich.

7.2 Pharmakokinetische Wechselwirkungen

Johanniskraut kann durch Enzyminduktion in der Leber die Verstoffwechselung anderer Arzneimittel beschleunigen und daher deren Wirkung abschwächen oder verkürzen. Dies betrifft u.a. Antikoagulanzien vom Typ der Cumarin-Derivate, Ciclosporin, Tacrolimus, Digoxin, Indinavir und andere HIV-Proteaseinhibitoren, Irinotecan, Imatinib und andere Zytostatika, Midazolam, Amitryptilin, Nortryptilin, Theophyllin, oralen Kontrazeptiva (Anti-Baby-Pille). Deshalb soll bei Kombination mit anderen Arzneimittel ärztlicher Rat eingeholt werden.

8 Verwechslung

Generell kann das Echte Johanniskraut (Hypericum perforatum) leicht mit anderen Arten der Gattung der Johanniskräuter (Hypericum, ca. 490 Arten) verwechselt werden. Da die Blätter zahlreicher Arten Öldrüsen besitzen, kann die punktierte Blattspreite (gegen das Licht gehalten) nicht als alleiniges Kriterium für den Ausschluss anderer Arten herangezogen werden. Ferner kann es durch schlecht geschultes Personal zu Verwechslungen mit gelbblühenden Korbblütengewächsen kommen. Im Fall von Greiskräutern (Senecio) als Beikräuter bei der Ernte kommt es zu Belastungen mit Pyrrolizidinalkaloiden, die unter Umständen die Sperrung von Chargen nach sich zieht.

9 Literatur

10 Quellen

  1. [1] Cochrane-Metaanalyse, 2008

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