Synonyme: Hypophysen-Schilddrüsen-Regelkreis, Hypophysen-Schilddrüsen-Achse, Thyreotrope Achse, Astwood-Hoskins-Regelkreis


Der thyreotrope Regelkreis ist ein Regelkreis, der zwischen der Hypophyse und der Schilddrüse aufgespannt wird. Er reguliert die Konzentration an Schilddrüsenhormonen im Plasma.
Die Hypophyse schüttet das Steuerhormon Thyreotropin (TSH) aus, das in der Schilddrüse die Sekretion von Thyroxin (T4) und Trijodthyronin (T3) anregt. Umgekehrt hemmen Schilddrüsenhormone im Sinne einer Gegenkoppelung die Ausschüttung von TSH, so daß sich Gleichgewichtsspiegel der beteiligten Hormone einstellen. Darüber hinaus hängt die TSH-Inkretion von dem Spiegel des Releasing-Hormons TRH ab, das vom Hypothalamus ausgeschüttet wird und den Sollwert des Regelkreises vorgibt.
Abgesehen von diesem Hauptregelkreis gibt es weitere eingeschaltete Rückkoppelungsschleifen, z.B. ein Ultra-Short-Feedback von TSH auf seine eigene Ausschüttung (Brokken-Wiersinga-Prummel-Regelkreis), ein Long-Feedback von Schilddrüsenhormonen auf die TRH-Freisetzung und Regelkreise, welche die Plasmaproteinbindung von T4 und T3 einstellen.
Die Funktion des Regelkreises kann in den meisten Fällen durch die Bestimmung folgender Hormone ermittelt werden:
Nur für besondere Fragestellungen werden benötigt:
Die Existenz eines zwischen Hypophyse und Schilddrüse aufgespannten Regelkreises wurde erstmals 1940 von W. T. Salter nach dem Vorbilld der beiden kurz zuvor entdeckten gonadotropen Regelkreise postuliert. Astwood und Hoskins konnten wenige Jahre später sowohl die Existenz als auch die pathophysiologische Relevanz dieses Regelkreises aufdecken.
Etwa zwei Jahrzehnte später gelang es Panda und Turner, die Interdependenz zwischen Thyroxin- und TSH-Spiegel erstmals quantitativ zu erfassen.
Kakita et al. wiesen 1984 erstmals die Existenz eines Ultra-Short-Feedback-Mechanismus der TSH-Sekretion bei Kaninchen nach.
Nachdem ein mathematisches Modell der thyreotropen Achse die Existenz dieses Mechanismus durch in silico - Modelle auch am Menschen nahegelegt hatte [Dietrich et al. 2004], konnte die Arbeitgruppe um Brokken, Wiersinga und Prummel die selbe auch in vivo nachweisen. Die kontinuierliche Suppression des TSH-Spiegels trotz Euthyreose bei Patienten mit Morbus Basedow demonstriert die klinische Relevanz dieses Mechanismus.
Derzeit zeichnet sich auch die Existenz eines Long-Feedback-Mechanismus von Jodothyroninen auf die hypothalamische TRH-Sekretion ab. Dieser Effekt könnte u. a. für die Pathogenese eines Non-Thyroidal-Illness-Syndroms relevant sein.


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