Geriatrische Pharmazie: Unterschied zwischen den Versionen

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==Schwerpunkte==
==Schwerpunkte==
Schwerpunkte der Geriatrischen Pharmazie sind somit die Erstellung und Optimierung von [[Medikationsprofil]]en für multimorbide geriatrische Patientinnen und Patienten, die Dokumentation und Optimierung einrichtungsbezogener Probleme in der Arzneimittelversorgung in Alten- und [[Pflegeeinrichtung]]en, sowie die Erstellung [[evidenzbasiert]]er pharmakologischer Empfehlungen zur Arzneimitteltherapiesicherheit geriatrischer multimorbider Patientinnen und Patienten [2].
Schwerpunkte der Geriatrischen Pharmazie sind somit die Erstellung und Optimierung von [[Medikationsprofil]]en für multimorbide geriatrische Patientinnen und Patienten, die Dokumentation und Optimierung einrichtungsbezogener Probleme in der Arzneimittelversorgung in Alten- und [[Pflegeeinrichtung]]en, sowie die Erstellung [[evidenzbasiert]]er pharmakologischer Empfehlungen zur Arzneimitteltherapiesicherheit geriatrischer multimorbider Patientinnen und Patienten [2].
== Arbeitsweise der Geriatrischen Pharmazie ==
Eine ausführliche Beschreibung der Arbeitsweisen der geriatrischen Pharmazie, ihre methodischen Grundlagen sowie ihre Unsetzungsmöglichkeiten in die tägliche pharmazeutische Praxis ist in der Deutschen Apothekerzeitung 2008 Heft 16 auf den Seiten 60 - 66 dargestellt. [3]


==Geschichte==
==Geschichte==
Die Wortkombination "Geriatrische Pharmazie" wurde in Analogie zu den in der Pharmazie gebräuchlichen Kombinationen z.B. "Klinische Pharmazie", "Pharmazeutische Chemie" oder "Onkologische Pharmazie" neu geschaffen.  
Die Wortkombination "Geriatrische Pharmazie" wurde in Analogie zu den in der Pharmazie gebräuchlichen Kombinationen z.B. "Klinische Pharmazie", "Pharmazeutische Chemie" oder "Onkologische Pharmazie" neu geschaffen.  


Der Landtag von Nordrhein-Westfalen erarbeitete von Mai 2001 bis Juli 2004 in der Enquetekommission "Zukunft einer frauengerechten Gesundheitsversorgung in NRW" ein umfangreiches, anspruchsvolles Gesundheitsprogramm [4]. Im Rahmen dieser Beratungen wurde ein Handlungsbedarf für eine verstärkte pharmazeutische Betreuunung älterer multimorbider Patientinnen und Patienten insbesondere in [[Altenheim]]en konstatiert.
Der Landtag von Nordrhein-Westfalen erarbeitete von Mai 2001 bis Juli 2004 in der Enquetekommission "Zukunft einer frauengerechten Gesundheitsversorgung in NRW" ein umfangreiches, anspruchsvolles Gesundheitsprogramm [3]. Im Rahmen dieser Beratungen wurde ein Handlungsbedarf für eine verstärkte pharmazeutische Betreuunung älterer multimorbider Patientinnen und Patienten insbesondere in [[Altenheim]]en konstatiert.


Die Vizepräsidentin der [[Apothekerkammer]] Nordrhein Elisabeth Thesing-Bleck griff dieses Thema auf und forderte in der Hauszeitschrift "Kammer im Gespräch" Nr. 6/04 auch die Standesorganisationen auf, im Bereich der Arzneimittelversorgung Lösungen für die Herausforderungen einer alternden Gesellschaft zu erarbeiten [5]. Damit eröffnete sie im Bereich der Apothekerkammer Nordrhein eine Debatte, an deren Ende im November 2006 die Einrichtung der zukunftsorientierten neuen Weiterbildungsmöglichkeit für Apothekerinnen und Apotheker im Bereich "Geriatrische Pharmazie" stand.  
Die Vizepräsidentin der [[Apothekerkammer]] Nordrhein Elisabeth Thesing-Bleck griff dieses Thema auf und forderte in der Hauszeitschrift "Kammer im Gespräch" Nr. 6/04 auch die Standesorganisationen auf, im Bereich der Arzneimittelversorgung Lösungen für die Herausforderungen einer alternden Gesellschaft zu erarbeiten [4]. Damit eröffnete sie im Bereich der Apothekerkammer Nordrhein eine Debatte, an deren Ende im November 2006 die Einrichtung der zukunftsorientierten neuen Weiterbildungsmöglichkeit für Apothekerinnen und Apotheker im Bereich "Geriatrische Pharmazie" stand.  


Am 28. Februar 2008 wurden erhielten die ersten 20 [[Apotheker]]innen und Apotheker, nachdem sie den ersten Weiterbildungszyklus durchlaufen und die anschließende Prüfung bestanden hatten, ihre Urkunden. Sie dürfen damit als erste die Bereichsbezeichnung "Geriatrische Pharmazie" in ihrem Titel führen.
Am 28. Februar 2008 wurden erhielten die ersten 20 [[Apotheker]]innen und Apotheker, nachdem sie den ersten Weiterbildungszyklus durchlaufen und die anschließende Prüfung bestanden hatten, ihre Urkunden. Sie dürfen damit als erste die Bereichsbezeichnung "Geriatrische Pharmazie" in ihrem Titel führen.
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* [1] Medikationsprobleme beim alten Menschen  Petra A. Thürmann Philipp Klee-Institut für Klinische Pharmakologie HELIOS Klinikum Wuppertal  Universität Witten/Herdecke [http://www.versorgungsforschung.nrw.de/content/e67/e106/e925/e971/object986/Thue_Medikationsprobleme_Witten2007.pdf -> Download]
* [1] Medikationsprobleme beim alten Menschen  Petra A. Thürmann Philipp Klee-Institut für Klinische Pharmakologie HELIOS Klinikum Wuppertal  Universität Witten/Herdecke [http://www.versorgungsforschung.nrw.de/content/e67/e106/e925/e971/object986/Thue_Medikationsprobleme_Witten2007.pdf -> Download]
* [2] Weiterbildungsordnung für Apothekerinnen und Apotheker der Apothekerkammer Nordrhein vom 23. Juni 2004, zuletzt geändert durch Beschluss vom 29. November 2006.''
* [2] Weiterbildungsordnung für Apothekerinnen und Apotheker der Apothekerkammer Nordrhein vom 23. Juni 2004, zuletzt geändert durch Beschluss vom 29. November 2006.''
* [3] Thesing-Bleck E. : Geriatrische Pharmazie - Apotheker stellen sich den Herausforderungen des Demographischen Wandels. Dtsch. Apoth Ztg 2008; 148: 1688 - 94
* [4] Enquetekommission "Zukunft einer frauengerechten
Gesundheitsversorgung in NRW" 
(EKII) [http://www.landtag.nrw.de/portal/WWW/GB_I/I.1/EK/EKALT/13_EK2/aktuelles.jsp -> Link]
* [4] Enquetekommission "Zukunft einer frauengerechten
Gesundheitsversorgung in NRW" 
(EKII) [http://www.landtag.nrw.de/portal/WWW/GB_I/I.1/EK/EKALT/13_EK2/aktuelles.jsp -> Link]
* [5] Kammer im Gespräch (KIG), 2004/06 [http://www.aknr.de/infoservice/kig/index.php -> Link]
* [5] Kammer im Gespräch (KIG), 2004/06 [http://www.aknr.de/infoservice/kig/index.php -> Link]
==Weitere Literatur==
* Thesing-Bleck E. : Geriatrische Pharmazie - Apotheker stellen sich den Herausforderungen des Demographischen Wandels. Dtsch. Apoth Ztg 2008; 148: 1688 - 94
[[Fachgebiet:Gerontologie]][[Fachgebiet:Pharmakologie]]
[[Fachgebiet:Gerontologie]][[Fachgebiet:Pharmakologie]]

Version vom 21. April 2008, 09:20 Uhr

Definition

Die Geriatrische Pharmazie beschäftigt sich mit der Optimierung des Medikationsprozesses für alte bis hochalte Patientinnen und Patienten, die an mehreren behandlungsbedürftigen Krankheiten gleichzeitig leiden (Multimorbidität). Sie bedient sich dazu der Methoden der klinischen Pharmazie und des Qualitätsmanagements (QMS). Aufbauend auf geriatrisch-pharmazeutischen Kenntnissen macht sie sich die Arzneimitteltherapiesicherheit (AMTS) älterer Menschen zum Arbeitsschwerpunkt.

Aufgaben und Ziele

Der Alterungsprozess eines Menschen beinhaltet, dass seine Organfunktionen sukzessive nachlassen oder später auch ganz ausfallen. In der Berliner Altenstudie beschrieb Borchelt bereits 1995, dass ein Drittel der Menschen, die älter als 70 Jahre sind, an mindestens fünf chronischen Erkrankungen leiden [1]. Um die Zunahme der Erkrankungen zu verzögern und um ausgefallene Funktionen teilweise oder ganz zu ersetzen, dazu werden häufig Medikamente eingesetzt. Das führt dazu, dass Senioren im Verlauf ihres Alterungsprozesses zunehmend mehr Medikamente regelmäßig einnehmen. Für die Arzneimittelversorgung stellt das eine große Herausforderung dar. Das Risiko für Arzneimittelwechsel- und Nebenwirkungen steigt stark an, je mehr Medikamente täglich eingenommen werden müssen. Die Geriatrische Pharmazie versucht die unerwünschten Arzneimittelereignisse (UAE) für die Patientinnen und Patienten selbst zu minimieren und die Folgekosten für das Gesundheitssystem zu reduzieren.

Schwerpunkte

Schwerpunkte der Geriatrischen Pharmazie sind somit die Erstellung und Optimierung von Medikationsprofilen für multimorbide geriatrische Patientinnen und Patienten, die Dokumentation und Optimierung einrichtungsbezogener Probleme in der Arzneimittelversorgung in Alten- und Pflegeeinrichtungen, sowie die Erstellung evidenzbasierter pharmakologischer Empfehlungen zur Arzneimitteltherapiesicherheit geriatrischer multimorbider Patientinnen und Patienten [2].

Geschichte

Die Wortkombination "Geriatrische Pharmazie" wurde in Analogie zu den in der Pharmazie gebräuchlichen Kombinationen z.B. "Klinische Pharmazie", "Pharmazeutische Chemie" oder "Onkologische Pharmazie" neu geschaffen.

Der Landtag von Nordrhein-Westfalen erarbeitete von Mai 2001 bis Juli 2004 in der Enquetekommission "Zukunft einer frauengerechten Gesundheitsversorgung in NRW" ein umfangreiches, anspruchsvolles Gesundheitsprogramm [3]. Im Rahmen dieser Beratungen wurde ein Handlungsbedarf für eine verstärkte pharmazeutische Betreuunung älterer multimorbider Patientinnen und Patienten insbesondere in Altenheimen konstatiert.

Die Vizepräsidentin der Apothekerkammer Nordrhein Elisabeth Thesing-Bleck griff dieses Thema auf und forderte in der Hauszeitschrift "Kammer im Gespräch" Nr. 6/04 auch die Standesorganisationen auf, im Bereich der Arzneimittelversorgung Lösungen für die Herausforderungen einer alternden Gesellschaft zu erarbeiten [4]. Damit eröffnete sie im Bereich der Apothekerkammer Nordrhein eine Debatte, an deren Ende im November 2006 die Einrichtung der zukunftsorientierten neuen Weiterbildungsmöglichkeit für Apothekerinnen und Apotheker im Bereich "Geriatrische Pharmazie" stand.

Am 28. Februar 2008 wurden erhielten die ersten 20 Apothekerinnen und Apotheker, nachdem sie den ersten Weiterbildungszyklus durchlaufen und die anschließende Prüfung bestanden hatten, ihre Urkunden. Sie dürfen damit als erste die Bereichsbezeichnung "Geriatrische Pharmazie" in ihrem Titel führen.

Herausforderungen

Eine wesentliche Herausforderung der Zukunft besteht in der Vermeidung und Bewältigung von Krankheiten und Behinderungen, die einen hohen Hilfe- und Pflegebedarf zur Folge haben. Die Verbesserungspotentiale für die Lebenssituation älterer Menschen und ihrer Angehörigen, die Geriatrischen Pharmazie bereit stellen kann, wird derzeit vielfach noch unterschätzt, insbesondere aber noch zu wenig genutzt.

Quellen

  • [1] Medikationsprobleme beim alten Menschen Petra A. Thürmann Philipp Klee-Institut für Klinische Pharmakologie HELIOS Klinikum Wuppertal Universität Witten/Herdecke -> Download
  • [2] Weiterbildungsordnung für Apothekerinnen und Apotheker der Apothekerkammer Nordrhein vom 23. Juni 2004, zuletzt geändert durch Beschluss vom 29. November 2006.
  • [4] Enquetekommission "Zukunft einer frauengerechten
Gesundheitsversorgung in NRW" 
(EKII) -> Link
  • [5] Kammer im Gespräch (KIG), 2004/06 -> Link

Weitere Literatur

  • Thesing-Bleck E. : Geriatrische Pharmazie - Apotheker stellen sich den Herausforderungen des Demographischen Wandels. Dtsch. Apoth Ztg 2008; 148: 1688 - 94