ZVD-Messung
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LoslegenSynonym: Zentralvenöse Druckmessung
Englisch: central venous pressure measurement
Definition
Die ZVD-Messung ist die Messung des zentralen Venendrucks (ZVD). Sie kann analog mittels Steigrohr oder elektronisch über einen Druckwandler durchgeführt werden. Erforderlich ist ein liegender Zentralvenenkatheter (ZVK).
Referenzwerte
Der normale ZVD beträgt 2–12 cmH2O, was einem Druck von 1–9 mmHg entspricht. Der Messwert spiegelt den Füllungsdruck des rechten Vorhofs wider und liefert ergänzende Informationen über die kardiale Vorlast.[1]
Indikationen
Eine Messung kann indiziert sein bei:
- Schockgefahr
- in Folge hohen Volumenverlustes, z.B. bei Pankreatitis oder Verbrennung
- bei Herzinfarkt
- Perikardtamponade
- Herzinsuffizienz
- klinisch unklarem Volumenstatus im Rahmen einer Infusionstherapie
Methoden
Manuelle Messung
Zur manuellen Messung des ZVDs dient ein eigens dafür vorgesehenes Infusionssystem, das über einen Dreiwegehahn mit zwei Schenkeln verbunden ist. Der aufsteigende Schenkel dient als Messsäule und wird in eine mit Skala (cmH2O) versehene Messvorrichtung (Venotonometer) eingebracht. Diese kann mit Gummibändern am Infusionsständer fixiert werden.
Durchführung der Messung
Zu Beginn der Messung muss die Höhe des rechten Vorhofs als Nullpunkt ermittelt werden. Dabei liegt der Patient in gerader Rückenlage. Der Nullpunkt entspricht 3/5 der Thoraxhöhe, ausgehend von der Auflagefläche des Patienten. Der obere Referenzpunkt ist die Sternummitte. Zur Vereinfachung kann eine Thoraxschublehre verwendet werden. Der ermittelte Nullpunkt wird für weitere Messungen an der seitlichen Thoraxwand des Patienten angezeichnet.
Die Höhe des Venotonometers wird so angepasst, dass sein Nullpunkt der ermittelten Höhe des rechten Vorhofs entspricht. Danach wird der Messschenkel des Infusionssystems in die dafür vorgesehene Aufnahmerinne des Venotonometers eingebracht und das System mit der Infusionslösung (NaCl 0,9 %) befüllt.
Wichtig ist, dass alle anderen Infusionen zuvor abgestellt oder dekonnektiert werden. Nachdem das Infusionssystem mit dem ZVK des Patienten konnektiert ist, sollte der Dreiwegehahn zum Messschenkel hin zunächst verschlossen bleiben und dem Patienten vorab eine geringe Menge der Infusionslösung infundiert werden. Dies empfiehlt sich vor allem, wenn zuvor hochvisköse Lösungen zur parenteralen Ernährung infundiert wurden. Zur Messung wird der Dreiwegehahn so positioniert, dass der dem Patienten zuführende Schenkel mit dem Messschenkel verbunden ist.
Entspricht der hydrostatische Druck im Infusionssystem dem zentralen Venendruck, kann der Messwert in cm Wassersäule an der Skala des Venotonometers abgelesen werden. Da der zentrale Venendruck durch Veränderungen des intrathorakalen Drucks beeinflusst wird, erfolgt die Messwertablesung vorzugsweise am Ende der Exspiration. Bei spontan atmenden Patienten entspricht dies dem höchsten, bei kontrolliert beatmeten Patienten dem niedrigsten Druckniveau innerhalb des Atemzyklus.
Messung mittels Monitor
Die Messung des ZVDs mittels Monitor erfolgt über ein Infusionssystem, das über einen mit dem Monitor verbundenen Druckwandler mit dem ZVK konnektiert wird. Zwischen Druckwandler und ZVK wird ein Dreiwegehahn angebracht.
Zur Messung ist auch bei der Monitormessung ein Nullabgleich vorzunehmen. Der Patient sollte nach Möglichkeit in flacher Rückenlage liegen. Zum Nullabgleich wird das Messsystem zum Patienten hin verschlossen und in Höhe des ermittelten Nullpunktes positioniert. Durch Öffnung des Atmosphärenanschlusses wird eine Verbindung zwischen dem atmosphärischen Umgebungsdruck und dem Druckwandler hergestellt. Anschließend wird der Nullabgleich über die entsprechende Taste am Monitor vorgenommen. Nach Schließen der Atmosphäre stellt der Dreiwegehahn die Verbindung zwischen Druckwandler und Patient her. Das Messergebnis ist am Monitor in mmHg ablesbar.
Am Monitor ist neben dem Druckwert die venöse Druckkurve sichtbar, die den Schwankungen des Venenpulses entspricht und typische Wellen (a-, c- und v-Welle) aufweist. Veränderungen dieser Kurvenform können auf kardiale oder mechanische Störungen hinweisen.
Klinische Bedeutung
Die Interpretation des ZVDs erfolgt stets im klinischen Kontext. Ein erhöhter Wert (> 12 cmH2O) kann auf eine Rechtsherzinsuffizienz, Perikardtamponade, Hypervolämie oder Lungenembolie hinweisen. Ein erniedrigter Wert (< 2 cmH2O) ist vereinbar mit einer Hypovolämie. Der ZVD wird allerdings durch zahlreiche Faktoren beeinflusst, darunter maschinelle Beatmung mit positivem endexspiratorischem Druck (PEEP), erhöhter intraabdomineller Druck sowie Veränderungen der rechtsventrikulären Compliance.
Die aktuellen Leitlinien der European Society of Intensive Care Medicine (ESICM) empfehlen, den ZVD bei liegendem ZVK routinemäßig zu erfassen. Zur Beurteilung der Volumenreagibilität sollen jedoch dynamische Parameter (z.B. Pulsdruckvariation, Schlagvolumenvariation, Passive-Leg-Rais-Test, Echokardiographie) gegenüber statischen Druckwerten wie dem ZVD bevorzugt werden.[2][3]
Quellen
- ↑ Magder S. Invasive hemodynamic monitoring. Crit Care Clin. 2015;31(1):67-87.
- ↑ Monnet X et al. ESICM guidelines on circulatory shock and hemodynamic monitoring 2025. Intensive Care Med. 2025;51(11):1971-2012.
- ↑ Miller A et al. Energy, flow and pressure in the cardiovascular system: a narrative review of how the circulation works. Anaesthesia. 2026. doi:10.1111/anae.70238.