Tumorbiopsie
Trainier deine Lernmuskeln!
Mit Flash Cards, Quiz und mehr
LoslegenEnglisch: tumor biopsy
Definition
Eine Tumorbiopsie bezeichnet die Entnahme von Gewebe (Biopsie) aus einer tumorverdächtigen Veränderung zur mikroskopischen und molekularen Untersuchung. Sie dient der Sicherung der Diagnose und der Planung einer geeigneten Therapie.
Indikationen
Die Tumorbiopsie dient dazu,
- das Vorliegen eines malignen Tumors zu bestätigen oder auszuschließen
- eine differenzierte morphologische Diagnose (Tumortyp, Grading) zu stellen
- die molekulare Charakterisierung für zielgerichtete Therapien zu ermöglichen
- die Therapie- und Operationsplanung sowie die Indikationsstellung adjuvanter Verfahren zu unterstützen
Verfahren
- Stanzbiopsie: Entnahme eines Gewebezylinders mit einer Hohlnadel
- Feinnadelbiopsie: Gewinnung von Zellen, Flüssigkeiten und Gewebefragmenten zur Untersuchung
- Inzisionsbiopsie: operative Entnahme eines Teils des Tumors
- Exzisionsbiopsie: vollständige Entfernung einer kleinen Läsion
Jedes Verfahren hat seine Vor- und Nachteile. Eine Feinnadelbiopsie reicht wegen des begrenzten Materials häufig nicht für Grading, Immunhistochemie und umfassende molekulargenetische Diagnostik aus.
Perkutane Biopsien werden häufig sonographisch- oder CT-gesteuert durchgeführt. Bei Hohlorganen erfolgt die Entnahme endoskopisch.
Diagnostik
Bildgebende Verfahren oder klinische Untersuchungen (Inspektion) können die Dignität einer Läsion häufig nicht abschließend bestimmen. Die Biopsie ermöglicht hingegen in den meisten Fällen eine genaue Charakterisierung des Tumors. Die Untersuchung des gewonnenen Materials kann folgende Verfahren umfassen:
- pathohistologische Beurteilung der Tumorzellen zur Bestimmung von Tumorart und Zelltyp
- immunhistochemische Untersuchungen zur weiteren Charakterisierung der Tumorzellen
- molekulargenetische Analysen zur Identifikation relevanter genetischer Veränderungen
- Bestimmung von Biomarkern zur Einschätzung der Aggressivität und für personalisierte Therapieansätze[1]
Risiken
- Blutungen
- Infektionen
- Verletzung benachbarter Strukturen (z.B. Pneumothorax bei thorakalen Biopsien)
- Tumorzellverschleppung entlang des Stichkanals (Stichkanalmetastasierung)
Bei Verdacht auf ein Sarkom muss der Biopsiezugang so geplant werden, dass der Stichkanal bei der definitiven Resektion mitentfernt werden kann.
Kontraindikationen
- nicht korrigierbare Gerinnungsstörungen
- fehlender sicherer Zugangsweg
- Lokalinfektion im Bereich des Zugangswegs
- Situationen, in denen das Ergebnis die Therapie nicht beeinflusst
Einschränkungen
Einschränkungen bestehen bei unzugänglichen oder schwer erreichbaren Tumorlokalisationen. Da die Gewebeentnahme zu einem einzigen Zeitpunkt und an einer umschriebenen Stelle erfolgt, kann die Tumorheterogenität unzureichend erfasst werden (Sampling-Bias).
Weiterentwicklungen
Ergänzend gewinnt die Liquid Biopsy (blutbasierte Analyse zirkulierender Tumor-DNA und -zellen) an Bedeutung. Die Gewebebiopsie bleibt jedoch der Goldstandard.[1]
Quelle
- ↑ 1,0 1,1 Zwischenberger et al., „Liquid biopsy" in der gastrointestinalen Onkologie: Hype oder bald Realität?. J Gastroenterol Hepatol Erkr, 2022