Schlupfwespe
Trainier deine Lernmuskeln!
Mit Flash Cards, Quiz und mehr
LoslegenSynonym: Schlupfwespenartige
Englisch: Ichneumonoid wasps
Definition
Schlupfwespen sind parasitoide Hautflügler der Überfamilie Ichneumonoidea, deren Larven sich in oder an Arthropoden entwickeln und den Wirt im Verlauf der Entwicklung abtöten. Die Gruppe umfasst vor allem die Familien Ichneumonidae und Braconidae.
Hintergrund
Im engeren deutschen Sprachgebrauch bezeichnet „Schlupfwespen" teils ausschließlich die Familie Ichneumonidae. Im vorliegenden Artikel wird der Begriff im weiteren Sinn für die gesamte Überfamilie Ichneumonoidea verwendet. Charakteristisch sind ein häufig stark verlängerter Ovipositor, eine ausgeprägte artspezifische Wirtsspezifität sowie ihre ökologische Bedeutung als natürliche Gegenspieler phytophager Insekten. Schlupfwespen werden aufgrund ihrer Effizienz und Wirtsspezifität breit in der biologischen Schädlingsbekämpfung eingesetzt.
Taxonomie
- Reich: Animalia
- Stamm: Arthropoda
- Klasse: Insecta
- Ordnung: Hymenoptera
- Unterordnung: Apocrita
- Überfamilie: Ichneumonoidea
- Familien: Ichneumonidae, Braconidae
- Überfamilie: Ichneumonoidea
- Unterordnung: Apocrita
- Ordnung: Hymenoptera
- Klasse: Insecta
- Stamm: Arthropoda
Die Ichneumonoidea gehören zu den artenreichsten Gruppen der Insekten. Die tatsächliche Artenzahl wird deutlich höher eingeschätzt als die bisher beschriebenen Arten.
Morphologie
Schlupfwespen zeigen eine große morphologische Variabilität, besitzen jedoch typische Merkmale:
- Körperbau: schlanker Habitus, deutliche Wespentaille (Petiole), filigrane Extremitäten
- Fühler: lang und vielgliedrig, bei Ichneumonidae häufig 16 oder mehr Antennenglieder
- Flügel: charakteristische Flügeladerung, bei Braconidae stärker reduziert
- Ovipositor: nadel- bis fadenförmig, oft länger als der Körper; dient der Eiablage und häufig auch dem Erreichen verborgener Wirte durch Durchdringen von Pflanzengewebe, Holz oder Substrat
- Geschlechtsdimorphismus: Weibchen mit Legebohrer, Männchen ohne
Verwechslungen treten gelegentlich auf mit:
- Faltenwespen (Vespidae)
- Bienen (Apidae)
- Ameisen (Formicidae)
Differenzierende Merkmale sind u.a. schlanker Körperbau, lange Antennen, fehlender Wehrstachel und langer Ovipositor.
Lebenszyklus
Der Lebenszyklus ist parasitoid und umfasst:
- Eiablage in oder an einem geeigneten Arthropodenwirt
- Larvenentwicklung im Wirtsorganismus; die Larve ernährt sich zunächst von nicht-vitalen Strukturen
- Verpuppung im oder außerhalb des Wirts, häufig in einem Kokon
- Schlupf des Adulttieres, das sich überwiegend von Nektar, Honigtau oder Pflanzensäften ernährt
Die Wirtsspezifität reicht von hochspezialisiert bis polyphag.
Ökologie
Schlupfwespen sind zentrale Regulatoren in terrestrischen Ökosystemen. Sie kontrollieren Populationen phytophager Insekten und tragen zur Stabilität trophischer Netzwerke bei. Viele Arten sind an spezifische Mikrohabitate wie Totholz, Krautschichten oder Bodenstrukturen gebunden.
Biologische Schädlingsbekämpfung
Schlupfwespen gehören zu den wichtigsten biologischen Antagonisten in der Landwirtschaft und im Vorratsschutz.[1]
Wichtige Gattungen:
- Trichogramma — Eiparasitoide, u.a. gegen Maiszünsler
- Aphidius — Parasitoide von Blattläusen
- Cotesia — Larvenparasitoide von Lepidopteren
Gegenüber chemischen Bekämpfungsmaßnahmen hinterlassen Schlupfwespen keine chemischen Rückstände, wirken hochspezifisch auf den Zielorganismus und ermöglichen eine nachhaltige Populationskontrolle. In der industriellen Produktion werden sie massenhaft gezüchtet und als Nützlinge vermarktet.[2]
Medizinische Relevanz
Schlupfwespen stellen für den Menschen keine klinisch relevante Gefahr dar. Der Ovipositor ist primär ein Eiablageorgan und nicht als Verteidigungsstachel spezialisiert.
Allergologie
Da der Ovipositor kein Wehrstachel ist, ist ein aktiver Stich bei nahezu allen Arten praktisch nicht möglich. Bei einzelnen Großformen (z.B. Rhyssa persuasoria) ist ein Hautdurchstechen anatomisch möglich, erfolgt jedoch ohne Injektion von Venom und ist klinisch nicht relevant. Dokumentierte Stichereignisse beim Menschen sind äußerst selten. Allergische Reaktionen sind kaum dokumentiert. Bei intensiver beruflicher Exposition (z. B. Massenzucht) wurden theoretisch Kontakt- oder Inhalationsallergien diskutiert; belastbare Fallberichte fehlen.
Parasitologie
Schlupfwespen parasitieren ausschließlich Arthropoden. Eine parasitische Wirkung auf Menschen oder Wirbeltiere existiert nicht.
Quellen
- ↑ Theenoor R, Ghosh A, Venkatesan R. Harmonising control: understanding the complex impact of pesticides on parasitoid wasps for enhanced pest management. Curr Opin Insect Sci. 2024;65:101236.
- ↑ Parra JRP, Coelho A. Insect Rearing Techniques for Biological Control Programs, a Component of Sustainable Agriculture in Brazil. Insects. 2022;13(1):105.
Literatur
- Gauld I, Bolton B. The Hymenoptera. Oxford University Press; 1988.
- Quicke DLJ. The Braconid and Ichneumonid Parasitoid Wasps: Biology, Systematics, Evolution and Ecology. Wiley-Blackwell; 2015.
- Askew RR, Shaw MR. Parasitoid Communities: Their Size, Structure and Development. Cambridge University Press; 1986.
- Townes HK. The Ichneumonidae of America North of Mexico. US National Museum Bulletin; 1969–1971.
- Vinson SB. Parasitoid–Host Relationships. In: Comprehensive Insect Physiology, Biochemistry and Pharmacology. Vol. 9. Pergamon Press; 1985.