Schlitzventrikelsyndrom
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Definition
Unter einem Schlitzventrikelsyndrom (SVS) versteht man das Auftreten neurologischer Symptome bei Patienten mit chronisch drainiertem Liquorsystem und radiologisch stark verkleinerten Ventrikeln. Die Problematik entsteht meist durch eine chronische Überdrainage des Liquors mit intermittierendem oder funktionellem Shuntversagen.
Pathophysiologie
Die Pathophysiologie des SVS ist komplex und multifaktoriell. Zentral ist meist eine chronische Überdrainage des Liquors durch den Shunt. Durch den permanent verminderten intraventrikulären Druck kommt es langfristig zu einer verminderten Compliance des Gehirns. Die Ventrikel verlieren ihre Fähigkeit, sich bei Druckanstieg erneut auszudehnen.
Diskutierte Mechanismen umfassen:
- chronische Liquorüberdrainage
- verminderte Hirncompliance
- intermittierende Obstruktion des proximalen Katheters
- negative Druckeffekte insbesondere im Stehen („Siphon-Effekt“)
- kraniozerebrale Disproportion bei Kindern mit früh implantierten Shunts
Der Siphon-Effekt führt dazu, dass im aufrechten Zustand vermehrt Liquor abgeleitet wird, wodurch intrakranielle Hypotensionen entstehen können.
Klinik
Die Symptomatik ist häufig intermittierend und kann diagnostisch herausfordernd sein. Typische Beschwerden sind:
- starke Kopfschmerzen
- Übelkeit und Erbrechen
- Schwindel
- Reizbarkeit
- Visusstörungen
- Somnolenz
- episodische Bewusstseinsstörungen
Klassischerweise treten die Beschwerden lageabhängig auf und verschlechtern sich im Stehen. Teilweise zeigen Patienten paradoxerweise Symptome eines erhöhten intrakraniellen Drucks trotz kleiner Ventrikel. Besonders problematisch ist, dass die Bildgebung oft keinen „klassischen“ Hydrozephalus zeigt, obwohl klinisch ein relevantes Shuntproblem vorliegt.
Diagnostik
Bildgebung
Die kraniale MRT oder cCT zeigt typischerweise:
- schlitzförmige Seitenventrikel
- kollabierte Vorderhörner
- geringe Liquorräume
Differenzialdiagnostisch müssen ausgeschlossen werden:
- Shuntobstruktion
- intermittierendes Shuntversagen
- idiopathische intrakranielle Hypertension
- Migräne
- Low-pressure-Syndrome
Intrakranielle Druckmessung
In unklaren Fällen kann ein ICP-Monitoring hilfreich sein. Teilweise zeigen sich:
- intermittierende Druckspitzen
- negative intrakranielle Druckwerte
- pathologische Pulsatilität
Therapie
Shuntanpassung
- Therapeutisch stehen zunächst shuntbezogene Maßnahmen im Vordergrund:
- Erhöhung des Öffnungsdrucks
- Einsatz programmierbarer Ventile
- Anti-Siphon-Devices
- Gravitationsventile
Insbesondere Gravitations- oder Anti-Siphon-Systeme können eine Überdrainage im Stehen reduzieren.
Operative Optionen
Bei therapierefraktären Fällen kommen infrage:
- Shuntrevision
- Katheterumpositionierung
- Anlage eines alternativen Shuntsystems
- endoskopische Drittventrikulostomie (ETV) bei geeigneter Anatomie
Prognose
Das Schlitzventrikelsyndrom kann chronisch rezidivierend verlaufen und die Lebensqualität erheblich beeinträchtigen. Eine frühzeitige Erkennung und individualisierte Shunttherapie verbessern die Prognose deutlich.
Literatur
- Rekate HL. The slit ventricle syndrome: advances based on technology and understanding. Pediatr Neurosurg. 2004;40(6):259–263.
- https://radiopaedia.org/articles/slit-ventricle-syndrome
- Abbott R. Complications of CSF shunts in children. Pediatr Neurosurg. 1995;23(3):127–131.
- Drake JM, Sainte-Rose C. The Shunt Book. Cambridge University Press; 1995.
- Di Rocco C, Pettorini B, Massimi L, Tamburrini G. Shunts, endoscopic third ventriculostomy and slit ventricle syndrome. Childs Nerv Syst. 2006;22(8):857–866.
- Kiefer M, Eymann R. Overdrainage and shunt technology. Childs Nerv Syst. 2010;26(2):153–161.
- Bateman GA. Magnetic resonance imaging findings in slit ventricle syndrome and intracranial hypotension. J Neurosurg Pediatr. 2013;12(2):119–126.