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Überdrainage

Englisch: overdrainage

1 Definition

Unter einer Überdrainage versteht man einen gesteigerten Abfluss von Liquor über einen einliegenden ventrikulären Liquorshunt.

2 Ätiologie

Eine Überdrainage kann durch positionsabhängige Druckdifferenzen zwischen dem Ventrikelsystem und der für die Drainage genutzten Körperhöhle entstehen. Bei Lageänderung des Körpers von liegender in die stehende Position erhöht sich aufgrund des Einflusses des hydrostatischen Drucks die Druckdifferenz zwischen dem Anfang und Ende des Shunts (z.B. zwischen Hirnventrikel und Peritonealhöhle). Daraufhin entsteht ein Sog im Shuntsystem und es fließt mehr Liquor ab, als nötig wäre. Infolgedessen kann sich wiederum der intrakranielle Druck erniedrigen.

3 Klinik

In der Folge kommt es in stehender Position zu Schwindel, Kopfschmerzen und Übelkeit. Die Symptome verbessern sich üblicherweise im Liegen.

3.1 Komplikationen

Aufgrund der einwirkenden Zugkräfte auf die Hirnhäute können sich subdurale Ergüsse oder Hämatome bilden.

Durch einen dauerhaft bestehenden Sog im Ventrikelsystem kann es zum sogenannten "Schlitzventrikelsyndrom" (SVS) kommen: Die Ventrikel kollabieren und die Folge ist eine Shuntdysfunktion mit nun entstehendem intrakraniellen Überdruck. Die Symptome entsprechen den Akutsymptomen der Überdrainage (also intrakranielle Hypotension), sind jedoch Ausdruck der intrakraniellen Hypertension. Dies erschwert häufig die Diagnose.

4 Diagnostik

Die lageabhängigen Symptome liefern bereits wichtige anamnestische Hinweise.

Bei chronischer Überdrainage kommt es in der Bildgebung (CT oder MRT) zu einem erkennbaren Schlitzventrikel, also einer Verschmälerung des Ventrikels. Es gilt hierbei zu beachten, dass der Begriff Schlitzventrikel ein bildmorphologisches Korrelat der Überdrainage und nicht einheitlich mit dem Begriff Schlitzventrikelsyndrom zu verwenden ist.

5 Therapie

Die Therapie besteht in der Erhöhung der Ventil-Druckstufe des Shuntsystems (vgl. Liquorshunt: Aufbau), sodass insgesamt ein höherer Druck notwendig ist, um eine Ventilöffnung zu bewirken. Ist kein einstellbares Ventil implantiert, sollte ein Ventilaustausch erfolgen.

Die aktuell (2021) wirksamste Methode zur Behandlung und Vermeidung einer Überdrainage ist die Implantation eines Gravitationsventils, da bei diesem im Stehen der Widerstand des Ventils ansteigt und somit der Liquorabfluss verringert wird.[1]

6 Quelle

  1. S1-Leitlinie Normaldruckhydrozephalus 2018

Diese Seite wurde zuletzt am 5. Juli 2021 um 17:35 Uhr bearbeitet.

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