Scheimpflug-Tomographie
nach dem österreichischen Geodäten Theodor Scheimpflug (1865–1911)
Englisch: Scheimpflug imaging, Scheimpflug tomography
Definition
Die Scheimpflug-Tomographie ist ein bildgebendes Verfahren der Augenheilkunde zur dreidimensionalen Analyse der vorderen Augenabschnitte, insbesondere von Hornhaut, Vorderkammer und Linse. Sie basiert auf dem Scheimpflug-Prinzip.
Hintergrund
Die Scheimpflug-Tomographie spielt in der refraktiven Chirurgie, der Keratokonusdiagnostik und der allgemeinen Hornhautdiagnostik ein Rolle. Im Gegensatz zur klassischen Keratometrie oder Placido-basierten Topographie ermöglicht sie eine volumetrische Erfassung der Hornhaut, einschließlich der Vorder- und Rückfläche sowie der pachymetrischen Verteilung. Dadurch können strukturelle Veränderungen erkannt werden, die allein aus der Vorderflächenanalyse nicht zuverlässig ableitbar sind.
Moderne Systeme wie die Pentacam® nutzen dieses Prinzip zur Erstellung rotationssymmetrischer, dreidimensionaler Schnittbilder.
Prinzip
Das Verfahren beruht auf dem Scheimpflug-Prinzip, das eine scharfe Abbildung geneigter Ebenen ermöglicht. Eine rotierendes optisches System (Kamera/Sensor in Kombination mit Spaltbeleuchtung) erfasst multiple optische Schnitte des vorderen Augenabschnitts aus definierten Winkeln. Aus diesen Einzelbildern wird ein dreidimensionales Modell rekonstruiert. Die Messung erfolgt kontaktlos, nicht-invasiv und dauert nur wenige Sekunden.
Messparameter
Mit der Scheimpflug-Tomographie lassen sich unter anderem folgende Messparameter bestimmen:
- Hornhautkrümmung
- Hornhautdicke (Pachymetrie)
- Elevation der Vorder- und Rückfläche
- Vorderkammertiefe
- Kammerwinkel
- Linsendaten
Zusätzlich werden aus den Rohdaten verschiedene Index- und Risikoparameter berechnet, die zur Beurteilung der Hornhautstabilität herangezogen werden.
Indikation
Typische Anwendungsgebiete sind die Früherkennung und Verlaufskontrolle des Keratokonus, die präoperative Diagnostik vor keratorefraktiven Eingriffen, die Beurteilung der Hornhaut nach refraktiver Behandlung oder Transplantation sowie die Analyse der Vorderkammer bei bestimmten glaukomrelevanten Fragestellungen. Die Methode dient dabei sowohl der Diagnosestellung als auch der Risikostratifizierung.
Aussagekraft
Die besondere Stärke der Scheimpflug-Tomographie liegt in der Darstellung der posterioren Hornhautfläche und der regionalen Dickenverteilung, die zur Früherkennung genutzt werden können. Die Ergebnisse sind reproduzierbar, jedoch abhängig von korrekter Fixation, ausreichender Tränenfilmqualität und transparenter Hornhaut.
Aktuelle Studien zeigen, dass Deep-Learning-Analysen roher Scheimpflug-Bilddaten die Früherkennung des Keratokonus, insbesondere des forme-fruste-Keratokonus, weiter verbessern können.[1]
Limitation
Einschränkungen bestehen bei ausgeprägten Hornhautnarben, starker Trübung oder mangelnder Mitarbeit, da diese die Bildqualität beeinträchtigen können. Die Befunde sind stets im klinischen Kontext zu interpretieren und ersetzen nicht die ophthalmologische Untersuchung, sondern ergänzen diese um strukturierte, quantitative Daten.
Einzelnachweis
- ↑ Casado-Moreno et al., Deep learning-based keratoconus detection from Scheimpflug images, Biomedical Optics Express, 2025