SLA/LP-Antikörper
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Definition
SLA/LP-Antikörper, kurz für soluble liver antigen/liver pancreas antibodies, sind Autoantikörper gegen das zytosolische Enzym O-Phosphoseryl-tRNA:Sec-tRNA-Synthase (SepSecS). Sie zählen zu den leberspezifischen Autoantikörpern und sind eng mit der Autoimmunhepatitis (AIH) assoziiert.
Hintergrund
SLA/LP-Antikörper wurden ursprünglich als Antikörper gegen ein lösliches Antigen aus Leber- und Pankreasgewebe beschrieben. Die molekulare Identifikation des Zielantigens als SepSecS erfolgte erst später. Aufgrund ihrer hohen diagnostischen Spezifität haben sich SLA/LP-Antikörper als etablierter serologischer Marker in der Diagnostik der Autoimmunhepatitis etabliert, insbesondere bei Patienten ohne Nachweis klassischer Autoantikörper.
Klinische Bedeutung
Der Nachweis von SLA/LP-Antikörpern gilt als hochgradig spezifisch für die Autoimmunhepatitis. Sie sind Bestandteil der diagnostischen Bewertungssysteme und besitzen insbesondere bei seronegativen Verläufen – mit negativen ANA-, SMA- oder LKM-1-Antikörpern – einen hohen diagnostischen Stellenwert. In diesen Fällen kann ihr Nachweis entscheidend zur Diagnosesicherung beitragen.
Vorkommen
SLA/LP-Antikörper werden bei einem relevanten Anteil der Patienten mit Autoimmunhepatitis nachgewiesen. In der EASL-Leitlinie wird eine Prävalenz von etwa 30 % angegeben[1]; in anderen Kollektiven und abhängig von der verwendeten Nachweismethode werden teils niedrigere Raten beschrieben. Die Antikörper treten häufig gemeinsam mit konventionellen Autoantikörpern auf, können jedoch auch als einzige serologische Autoantikörperreaktivität nachweisbar sein. Sie können sowohl bei der Autoimmunhepatitis Typ 1 als auch Typ 2 auftreten und sind nicht strikt an eine Subklassifikation gebunden. Außerhalb der Autoimmunhepatitis werden sie nur selten beschrieben.
Diagnostik
Der Nachweis von SLA/LP-Antikörpern erfolgt mittels antigenspezifischer Immunoassays, insbesondere ELISA, Immunoblot oder Line-Immunoassays.
Eine indirekte Immunfluoreszenz ist zur Detektion dieser Antikörper nicht geeignet, da kein charakteristisches Fluoreszenzmuster besteht und sie in der Routinediagnostik häufig nicht erfasst werden.
Pathophysiologie
Das Zielantigen SepSecS ist an der Synthese von Selenoproteinen beteiligt. Die pathogenetische Bedeutung der SLA/LP-Antikörper ist nicht abschließend geklärt. Sie werden überwiegend als Ausdruck einer fehlgeleiteten adaptiven Immunantwort gegen hepatozytäre Antigene interpretiert; eine direkte zytotoxische Wirkung gilt bislang als nicht gesichert.
Prognose
Mehrere Studien beschreiben Assoziationen zwischen dem Vorliegen von SLA/LP-Antikörpern und einem schwereren Krankheitsverlauf, einer erhöhten Rezidivneigung nach Absetzen der immunsuppressiven Therapie sowie fortgeschrittener Leberfibrose. Die Evidenz ist jedoch nicht konsistent, sodass der Antikörperstatus allein derzeit keine eigenständigen prognostischen oder therapeutischen Konsequenzen hat.
Differenzialdiagnose
Aufgrund ihrer hohen Spezifität für die Autoimmunhepatitis ist die Differenzialdiagnose begrenzt. Seltene Nachweise bei anderen Autoimmunerkrankungen sind beschrieben, sollten jedoch stets im klinischen Gesamtkontext bewertet werden und sind in der Regel nicht mit einer relevanten Leberbeteiligung assoziiert.
Quellen
- ↑ European Association for the Study of the Liver. EASL Clinical Practice Guidelines: Autoimmune hepatitis. J Hepatol. 2015;63(4):971-1004. doi:10.1016/j.jhep.2015.06.030