Rausch
Synonyme: Drogenrausch, Rauschzustand, Trip (umgangssprachlich)
Englisch: drug high
Definition
Als Rausch bezeichnet man in der Medizin einen durch psychotrope Substanzen induzierten Zustand, der mit Bewusstseins-, Affekt- und Verhaltensstörungen sowie mit einer veränderten Wahrnehmung und in der Regel eingeschränkten kognitiven Fähigkeiten einhergeht. Die Ausprägung des Rausches hängt von Dosis, Substanz und Setting (äußere Umgebung und innere Verfassung des Konsumenten) ab.
Hintergrund
Auslösend für den Rausch sind Drogen, Arzneistoffe oder Genussmittel, die je nach Wirkprofil unterschiedlichen Substanzklassen zugeordnet werden:
- Stimulantien (z.B. Kokain, Amphetamine, Nikotin)
- Sedativa/Hypnotika (z.B. Benzodiazepine, Alkohol)
- Opioide (z.B. Fentanyl, Heroin)
- Cannabinoide (z.B. Cannabis)
- Halluzinogene (z.B. LSD, Psilocybin)
- Dissoziativa (z.B. Ketamin)
- Delirantien (z.B. Scopolamin, Atropin, Hyoscyamin, Muscimol)
Synthetische Drogen, die sich nicht einer bestimmten Substanzklasse zuzuordnen lassen, bilden die Gruppe der neuen psychoaktiven Substanzen (z.B. synthetische Cathinone, Designerdrogen).
Im pharmakologischen Sinn wird der Rausch durch eine Intoxikation ausgelöst.
Abgrenzung
Das mit dem umgangssprachlichen Begriff "Rausch" verbundene Glücksgefühl ist im medizinischen Sinn nicht charakteristisch für einen Rausch. Ein Rausch kann im Gegenteil sogar zu ausgesprochenen Angstzuständen führen.
Pathophysiologie
Rauschzustände entstehen durch eine substanzinduzierte Modulation zentralnervöser Neurotransmittersysteme, insbesondere dopaminerger, serotoninerger, GABAerger und glutamaterger Neuronenverbände.[1] Dadurch kommt es zu einer veränderten Signalverarbeitung in kortikalen und limbischen Netzwerken. Zentrale Bedeutung kommt dem mesolimbischen Dopaminsystem (vor allem Nucleus accumbens und ventrales tegmentales Areal) zu, das als übergeordnetes Belohnungssystem fungiert und maßgeblich an der Entstehung von Euphorie und Rauscherleben beteiligt ist. Substanzspezifisch wirken Opioide primär über µ-Opioid-Rezeptoren, Cannabinoide über CB1- und CB2-Rezeptoren.
Symptome
Substanz- und dosisabhängig können u.a. folgende Symptome auftreten:
- Intensivierte Sinneswahrnehmung
- Euphorie
- Veränderte Denkprozesse
- Kognitive Störungen
- Visuelle, akustische oder taktile Halluzinationen
- Depersonalisation/Derealisation
- Verwirrung
- Synästhesien
- Zeitverzerrung
- Stimmungslabilität
- Angstzustände und Panikattacken
- Paranoia, Verfolgungswahn
Körperliche Begleitsymptome können dabei Tachykardie, Mydriasis, Hyperhidrose, Tremor, Übelkeit, Hyperthermie oder Blutdruckveränderungen umfassen.
Komplikationen
Mögliche Komplikationen eines Rausches sind:
- Akute Suizidalität und Selbst- oder Fremdgefährdung
- Auslösung latenter Psychosen bzw. cannabisinduzierter Psychosen (CIP)[2]
- "Bad Trip", "HorrorTrip": belastende Verlaufsform mit intensiver Angst, Panik oder psychotischen Symptomen[3]
- Anhaltende Wahrnehmungsstörung durch Halluzinogene (Hallucinogen persisting perception disorder, HPPD)[4]
- Serotonerges Syndrom bei Kombination mit anderen Serotonergika
- Delir (v.a. bei Alkohol und Sedativa)
- Krampfanfälle (z.B. bei Kokain oder in Entzugssituationen)
- Rhabdomyolyse (v.a. bei Stimulanzien-Überdosierung)
- Schwere Hyperthermie (v.a. bei MDMA)
- Erhöhte Unfallgefahr durch eingeschränktes Realitätsurteil
Bei schwerer Intoxikation sollte umgehend der Giftnotruf kontaktiert werden.
siehe auch: Intoxikation
Differentialdiagnose
Wichtige Differentialdiagnosen sind:
- Primäre Psychosen
- Hypoglykämie
- Metabolische Enzephalopathien
- Wernicke-Enzephalopathie (insbesondere bei Alkohol-Anamnese)
- Sepsis-assoziierte Enzephalopathie
- Traumatische Hirnverletzung (Schädel-Hirn-Trauma)
Therapie
Die therapeutischen Maßnahmen richten sich nach der konsumierten Substanz und dem klinischen Bild. Substanzübergreifend sollte man u.a. folgende Punkte berücksichtigen:
- Eigensicherung: berauschte Personen können aggressiv reagieren
- Gefährliche Gegenstände entfernen
- bei Bedarf frühzeitig Unterstützung anfordern (z.B. Polizei)
- Notwendigkeit einer Therapie einschätzen
- Ansprechbarkeit und Vitalfunktionen überprüfen
- bei akuter Gefährdung bzw. Eigengefährdung ggf. stationäre Einweisung
- Strukturierte Erstbeurteilung nach ABCDE-Schema
- Blutzuckerbestimmung zum Ausschluss einer Hypoglykämie
- EKG-Monitoring, insbesondere bei Stimulanzien-Intoxikation (Arrhythmie- und QTc-Verlängerungsgefahr)
- Patienten beruhigen; bei starker Agitation ggf. Benzodiazepine erwägen (Cave: Interaktionen)
- Substanzspezifische Maßnahmen: z.B. bei Opioid-Intoxikation mit Atemdepression Gabe von Naloxon
Prognose
Leichte bis mittelschwere Rauschzustände sind in der Regel selbstlimitierend. Die Dauer hängt von der konsumierten Substanz, Dosis und individuellem Metabolismus ab und reicht von wenigen Minuten (z.B. bei inhalativem Konsum) bis zu mehreren Stunden (z.B. LSD: 8–12 Stunden). Bei unkompliziertem Verlauf ist keine spezifische Therapie erforderlich; im Vordergrund stehen supportive Maßnahmen und Überwachung. Komplikationen erfordern eine substanzspezifische Intervention.
Quellen
- ↑ McGinn et al., Drug addiction co-morbidity with alcohol: Neurobiological insights, Int Rev Neurobiol, 2021
- ↑ Williams et al., Diagnosis and management of cannabis-related emergencies, Emerg Med Pract, 2025
- ↑ Kopra et al., Adverse experiences resulting in emergency medical treatment seeking following the use of lysergic acid diethylamide (LSD), J Psychopharmacol, 2022
- ↑ Žuljević et al., Flashbacks, Hallucinogen Persisting Perception Disorder (HPPD), and Reactivations Following the Use of Classic Psychedelics: Classification and Therapeutic Management, Curr Top Behav Neurosci, 2026