Primary Non-Function
Synonym: primäres Transplantatversagen
Definition
Die Primary Non-Function, kurz PNF, bezeichnet das primäre, irreversible Funktionsversagen eines transplantierten Organs unmittelbar nach der Transplantation. Im Gegensatz zur Early Allograft Dysfunction kommt es bei der PNF zu keiner ausreichenden initialen Organfunktion, sodass meist eine dringliche Retransplantation erforderlich wird.
Hintergrund
Die PNF ist in der Regel Ausdruck eines schweren Ischämie-Reperfusionsschadens. Ursächlich sind häufig verlängerte Warm- und Kaltischämiezeiten, eine eingeschränkte Organqualität (z. B. bei Extended-Criteria-Donoren), ausgeprägte Steatose oder technische Komplikationen während der Transplantation.
Auf zellulärer Ebene führen mitochondriale Dysfunktion, oxidativer Stress und mikrovaskuläre Schäden zu einem irreversiblen Funktionsverlust.
Das klinische Erscheinungsbild ist abhängig vom transplantierten Organ. Bei der Lebertransplantation zeigt sich eine rasch progrediente Leberinsuffizienz mit Gerinnungsstörung, Laktatazidose und fehlender metabolischer Funktion. Bei der Nierentransplantation bleibt die Funktion vollständig aus, ohne Anzeichen einer Erholung.
Typisch ist das Ausbleiben einer funktionellen Verbesserung trotz optimaler Therapie.
Diagnostik und Therapie
Die Diagnose der PNF erfolgt klinisch unter Ausschluss anderer Ursachen wie vaskulärer Komplikationen oder Abstoßungsreaktionen. Entscheidend ist die Abgrenzung zur Early Allograft Dysfunction bzw. Delayed Graft Function, die im Gegensatz zur PNF potenziell reversibel sind. Die PNF ist mit einer hohen Morbidität und Mortalität assoziiert und stellt eine der schwerwiegendsten Komplikationen der Transplantationschirurgie dar.
Die Therapieoptionen sind begrenzt und überwiegend supportiv mittels Organersatzverfahren. In den meisten Fällen ist eine Retransplantation die einzige kausale Behandlungsoption.