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Pikrotoxin

Synonyme: Picrotoxin, Cocculin

1 Definition

Pikrotoxin ist der Name für ein äquimolares Gemisch aus zwei natürlich vorkommenden chemischen Verbindungen: Picrotoxinin und Picrotin. Obwohl Picrotoxinin hochgiftig ist, wird die Substanz u.a. in der Therapie von Morbus Menière eingesetzt.

2 Chemie

Die Verbindungen besitzt folgende chemische Summenformeln:

  • Picrotoxinin: C15H16O6
  • Picrotin: C15H18O7

Im Grundgerüst des Pikrotoxinins befindet sich ein 2-Hydroxyisopropylrest - ein wichtiges Unterscheidundskriterium gegenüber Picrotin. Letzteres besitzt einen Isoprenylrest bei ansonsten vergleichbarer Struktur. Bei Zimmertemperatur liegt das Molekül in Form eines weißen bis schwach gelblichen Pulvers vor. Der Schmelzpunkt liegt bei etwa 203 °C.

3 Geschichte

1812 gelang erstmalig die Isolierung von Pikrotoxin aus den Früchten der Scheinmyrte (Anamirta cocculus).

4 Wirkungsmechanismus

Pikrotoxin ist ein hochwirksamer nichtkompetitiver GABA-Rezeptor-Antagonist. Da GABA der wichtigste hemmende Neurotransmitter des menschlichen Organismus darstellt, wirkt das Toxin stimulierend. Zudem wirkt das Gift als nichtkompetitiver Antagonist an Glycin-Rezeptoren im Rückenmark. Dies führt zu tetanischen Krämpfen.[1]

5 Medizinische Bedeutung

Viele Jahre wurde Pikrotoxin als Antidot bei Barbituratvergiftungen eingesetzt. Mittlerweile existieren hier weniger gesundheitsschädliche Wirkstoffe, weshalb Pikrotoxin in dieser Indikation nicht mehr eingesetzt wird. Aufgrund erfolgreicher Studien gewinnt Pikrotoxin aber zunehmend an Bedeutung in der pharmakologischen Therapie von Morbus Menière. In klinischen Studien zeigte sich eine deutliche Verringerung der Krankheitsschübe und ein klinisch relevanter Rückgang von Frequenz, Dauer und Intensität der Schwindelattacken.[2]

6 Toxizität

Eine letale Dosis für den Menschen liegt bei etwa 20-25 mg.

7 Quellen

  1. Freissmuth, M., Offermanns, S. & Böhm, S. Pharmakologie und Toxikologie. Springer Publishing, 2016
  2. Weigert, S. et al.: Picrotoxin als Therapeutikum bei M. Menière?; HNO-Informationen (Kongressabstracts) 2005; 84 - 353

Diese Seite wurde zuletzt am 27. Oktober 2021 um 17:25 Uhr bearbeitet.

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