Nitrosomonas
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Definition
Nitrosomonas ist eine Gattung gramnegativer Betaproteobakterien, die Ammoniak zu Nitrit oxidieren und damit den ersten, geschwindigkeitsbestimmenden Schritt der aeroben Nitrifikation katalysieren. Die Organismen sind weltweit verbreitete Nitrifikanten, ökologisch bedeutsam und gelten als medizinisch unbedenklich.
Taxonomie
- Domäne: Bacteria
- Phylum: Proteobacteria
- Klasse: Betaproteobacteria
- Ordnung: Nitrosomonadales
- Familie: Nitrosomonadaceae
- Gattung: Nitrosomonas
Innerhalb der Gattung werden mehrere phylogenetische Cluster unterschieden, darunter Cluster 6a (niedrige Ammoniumkonzentrationen) und Cluster 7 (hohe Ammonium‑ und Nitrittoleranz).
Morphologie
Nitrosomonas-Zellen sind kurze, gramnegative Stäbchen mit meist leicht ellipsoider Form und einer Größe von etwa 0,8–2 µm. Viele Arten besitzen polare Geißeln. Charakteristisch sind membranreiche Innenstrukturen, die die Enzyme der Ammoniakoxidation beherbergen. Unter geeigneten Bedingungen bilden die Bakterien Biofilme oder schleimige Aggregate.
Physiologie
Energiestoffwechsel
Die Gattung ist obligat chemolithoautotroph. Die Energiegewinnung erfolgt durch Oxidation von Ammoniak (NH₃) zu Nitrit (NO₂⁻). Aufgrund der geringen Energieausbeute wachsen die Organismen langsam (Generationszeiten > 20 h).
Schlüsselenzyme
- Ammoniak‑Monooxygenase (AMO): kupferhaltiges Membranprotein; Oxidation von Ammoniak zu Hydroxylamin; empfindlich gegenüber Acetylen.
- Hydroxylamin‑Oxidoreduktase (HAO): periplasmatisches Multi‑Häm‑Protein; Oxidation von Hydroxylamin zu Nitrit; Elektronengewinn für Atmung und CO₂‑Fixierung.
Kohlenstoffstoffwechsel
CO₂‑Fixierung über den Calvin‑Benson‑Bassham‑Zyklus.
Weitere Stoffwechselfähigkeiten
- Urease‑Aktivität (v. a. Cluster 6a)
- Oxidation kurzkettiger Alkane (z. B. N. europaea)
- Bildung von N₂O unter Sauerstofflimitierung
Ökologie
Nitrosomonas kommt in Böden, Süß‑ und Meerwasser, Abwasserreinigungsanlagen, Trinkwasser‑Biofilmen sowie in salinen, kalten oder oligotrophen Habitaten vor.
Rolle im Stickstoffkreislauf
Die Gattung ist ein zentraler Bestandteil der Nitrifikation und beeinflusst die Stickstoffverfügbarkeit in Böden. Unter limitierenden Sauerstoffbedingungen kann N₂O entstehen.
Genomik
Die Genome umfassen typischerweise 2,5–3,0 Mbp. Das Genom von Nitrosomonas europaea ist vollständig sequenziert (ca. 2,8 Mbp).
Cluster‑Spezifika
- Cluster 6a: Anpassung an niedrige NH₄⁺‑Konzentrationen, häufig Urease‑Gene, effiziente CO₂‑Fixierung.
- Cluster 7: Toleranz gegenüber hohen NH₄⁺‑ und NO₂⁻‑Konzentrationen, erweiterte Stress‑ und Detoxifikationsgene.
Medizinische Relevanz
Nitrosomonas ist nicht pathogen. Indirekte Bedeutung ergibt sich durch Beteiligung an technischen Biofilmen, mögliche Auswirkungen auf die Trinkwasserqualität und die Bildung von N₂O.
Technische Bedeutung
- Abwasserreinigung: essenziell für die biologische Nitrifikation
- Landwirtschaft: Einfluss auf Stickstoffverfügbarkeit und Düngereffizienz
- Biotechnologie: Einsatz in Biofiltern und zur Ammoniakentfernung
- Materialabbau: Beteiligung an der chemischen Schädigung mineralischer Baustoffe
Beispielarten
Nitrosomonas europaea
Modellorganismus; vollständig sequenziertes Genom; hohe Ammoniumtoleranz; N₂O‑Bildung unter O₂‑Limitierung.
Nitrosomonas eutropha
An nährstoffreiche, ammoniumreiche Habitate angepasst; häufig in Abwasseranlagen.
Nitrosomonas oligotropha
An sehr niedrige Ammoniumkonzentrationen angepasst; typisch in Trinkwasser‑Biofilmen.
Literatur
- Chain P et al. (2003). Complete genome sequence of the ammonia‑oxidizing bacterium Nitrosomonas europaea. J Bacteriol 185:2759–2773.
- Koops HP et al. (1991). Classification of eight new species of ammonia‑oxidizing bacteria. J Gen Microbiol 137:1689–1699.
- Stein LY & Arp DJ (1998). Loss of ammonia monooxygenase activity in Nitrosomonas europaea upon exposure to acetylene. Appl Environ Microbiol 64:4098–4103.
- Stein LY (2011). Heterotrophic nitrification and nitrifier denitrification. FEMS Microbiol Lett 336:1–8.
- Garrity GM et al. (Hrsg.) (2005). Bergey’s Manual of Systematic Bacteriology, 2nd ed., Vol. 2. Springer.
- Madigan MT et al. (2018). Brock Biology of Microorganisms, 15th ed. Pearson.