Mentzer-Index
nach dem US-amerikanischen pädiatrischen Hämatologen William C- Mentzer (* 1961)
Synonym: Mentzer-Quotient
Englisch: Mentzer index
Definition
Der Mentzer-Index ist ein aus dem kleinen Blutbild berechneter Diskriminationsindex zur orientierenden Unterscheidung zwischen Eisenmangelanämie und Beta-Thalassämie bei mikrozytärer Anämie.[1]
Hintergrund
Der Mentzer-Index wurde ursprünglich zur Unterscheidung von Eisenmangelanämie und Beta-Thalassämie-Trait entwickelt. "Trait" wird im Englischen als "Eigenart" im Gegensatz zu "disease" verwendet (sickle cell trait vs. sickle cell disease) und meint in der Regel eine heterozygote, minder schwere Veranlagung.
Neuere Untersuchungen zeigen, dass der Mentzer-Index auch bei der Alpha-Thalassämie orientierend eingesetzt werden kann.[2]
Der Index ist eine kostengünstige Screeningmethode, die keine Zusatzuntersuchungen erfordert und sich daher besonders in ressourcenarmen Versorgungssettings bewährt hat. Zur definitiven Diagnosestellung sind jedoch stets weiterführende Untersuchungen erforderlich, insbesondere eine Hb-Elektrophorese (oder HPLC) sowie Eisenparameter (Serumeisen, Ferritin, Transferrin-Sättigung) und ggf. eine molekulargenetische Untersuchung.
Abgrenzung
Eine moderne Weiterentwicklung ist der M/H-Quotient (Quotient aus der Zahl mikrozytärer und hypochromer Erythrozyten), den einige Hämatologiegeräte automatisch berechnen können.
Es gibt über zwei Dutzend Formeln, die zur Erkennung einer Thalassämie angewendet werden können,[3] der Mentzer-Index ist aber bei weitem die bekannteste.
Berechnung
Der Mentzer-Index ergibt sich aus dem Quotienten von MCV (in fl) und Erythrozytenzahl (in Millionen pro Mikroliter):
Die Berechnung ist nur sinnvoll bei nachgewiesener mikrozytärer, hypochromer Anämie.
Berechnung des Mentzer-Index. Credits: Silva Kunz
Interpretation
| Mentzer-Index | Wahrscheinliche Ursache |
|---|---|
| > 13 | Eisenmangelanämie, Anämie bei chronischer Erkrankung |
| = 13 | Grenzwertig, nicht eindeutig zuzuordnen |
| < 13 | Beta-Thalassämie-Trait |
Hinweis: Referenzwerte sind häufig vom Messverfahren abhängig und können von den o.a. Werten abweichen. Ausschlaggebend sind die Referenzwerte, die vom Labor angegeben werden, das die Untersuchung durchführt.
Ein Wert über 13 spricht für eine Eisenmangelanämie, ein Wert unter 13 für einen Thalassämie-Trait. Der Grenzwert von exakt 13 ist nicht eindeutig zuzuordnen und erfordert weiterführende Diagnostik.
Cave: Der Index verliert an Aussagekraft, wenn Eisenmangel und Thalassämie gleichzeitig vorliegen, was insbesondere in endemischen Regionen nicht selten ist.
Diagnostische Güte
Aktuelle Studien bestätigen eine gute Trennschärfe des Mentzer-Index: In einer nepalischen Querschnittsstudie (n = 118) zeigte der Index für die Beta-Thalassämie-Diagnose eine Sensitivität von 93 % und eine Spezifität von 98 %, mit einer Fläche unter der ROC-Kurve von 0,993.[4] Eine pakistanische Studie an Schwangeren (n = 100) ermittelte eine Sensitivität von 91 % und eine Spezifität von 83 % für die Eisenmangelanämie.[5]
Quellen
- ↑ Mentzer WC. Differentiation of iron deficiency from thalassaemia trait. Lancet. 1973;1(7808):882.
- ↑ Nanta N, Natesirinilkul R, Kittisakmontri K, et al. Screening for Iron Deficiency Anemia in Infants in a Thalassemia-endemic Region. J Pediatr Hematol Oncol. 2021;43(1):e11-e14.
- ↑ Urrechaga, Eloísa and Hoffmann, Johannes J.M.L. Critical appraisal of discriminant formulas for distinguishing thalassemia from iron deficiency in patients with microcytic anemia Clinical Chemistry and Laboratory Medicine (CCLM), 2017;10:1582-1591
- ↑ Shah TP, Shrestha A, Agrawal JP, et al. Role of Mentzer Index for Differential Diagnosis of Iron Deficiency Anaemia and Beta Thalassemia Trait. J Nepal Health Res Counc. 2023;21(1):99-102.
- ↑ Tabassum S, Khakwani M, Fayyaz A, Taj N. Role of Mentzer index for differentiating iron deficiency anemia and beta thalassemia trait in pregnant women. Pak J Med Sci. 2022;38(4Part-II):878-882.