Lasègue-Zeichen
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Loslegennach dem französischen Internisten Ernest-Charles Lasègue (1816–1883) und dem serbischen Neurologen Laza K. Lazarević (1851–1891)
Synonyme: Lasègue-Test, Lazarević-Lasègue-Test
Englisch: Lasègue's sign, straight leg raise, Lazarević-Lasègue sign
Definition
Das Lasègue-Zeichen ist ein klinisches Zeichen, das im Rahmen einer neurologischen Untersuchung überprüft wird. Es basiert auf der Auslösung eines Dehnungsschmerzes im Bereich der Spinalnervenwurzeln der Rückenmarkssegmente L4–S2 und des Nervus ischiadicus. Am aussagekräftigsten ist der Test für die Wurzeln L5 und S1.
Durchführung
Der Patient wird aufgefordert, sich flach auf den Rücken zu legen. Das gestreckte Bein wird durch den Untersucher langsam passiv angehoben, bis zu ein Winkel von 90° im Hüftgelenk.
Interpretation
Das Lasègue-Zeichen wird im Rahmen der Radikulopathiediagnostik als positiv bewertet, wenn das passive Anheben des gestreckten Beins einen radikulären, bis unterhalb des Knies ausstrahlenden Beinschmerz reproduziert, typischerweise bei einer Hüftflexion zwischen 30° und 70°. Einige Quellen geben hier einen Winkel von < 45° als Grenzwert für ein positives Zeichen an.
Isolierte Rückenschmerzen oder ausschließlich im hinteren Oberschenkel auftretende Schmerzen genügen nicht.[1] Schmerzen, die ausschließlich durch eine Verkürzung der ischiokruralen Muskulatur bedingt sind und nicht unterhalb des Knies ausstrahlen, werden als Pseudo-Lasègue bezeichnet und gelten nicht als positiver Befund.
Symptome eines positiven Lasègue-Tests können sein:
- Direkte Schmerzen im Bereich der gereizten Nervenwurzel, vor allem L5 oder S1
- Scharfer, elektrisierender Schmerz, der vom Gesäß entlang der Rückseite bis in den dorsalen Unterschenkel und Fuß ausstrahlt
- Parästhesien entlang des Ischiadicus-Verlaufs bei längerer Durchführung
Diagnostische Relevanz
Ein positives Lasègue-Zeichen weist auf eine Nervenwurzelreizung hin, z.B. im Rahmen eines Bandscheibenvorfalls. Der Winkel, bei dem der Schmerz eintritt, sollte dokumentiert werden.
Weiterhin ist ein positives Lasègue-Zeichen auch bei Meningismus zu erwarten – dann typischerweise beidseits. Der Lasègue-Test wird deshalb ergänzend auch bei Verdacht auf Meningitis durchgeführt; die spezifischen meningealen Zeichen sind jedoch das Kernig-Zeichen und das Brudzinski-Zeichen.
Zusätzlich zum Lasègue-Zeichen kann das Bragard-Zeichen überprüft werden. Das Bragard-Zeichen dient der Bestätigung einer radikulären Irritation im Versorgungsgebiet des N. ischiadicus.
Differentialdiagnostik Piriformis-Syndrom
Zur Differenzierung des Piriformis-Syndroms sind folgende Befunde hilfreich:
- Die Schmerzsymptomatik beim Lasègue-Zeichen ist ausschließlich unterhalb des Hüftgelenks zu finden.
- Eine Hüftgelenksbewegung in Adduktion und Innenrotation dehnt die Strukturen des M. piriformis.
- Wird hierbei eine ähnliche Symptomatik wie beim Lasègue-Zeichen unterhalb des Gesäßes ausgelöst, ist ein Piriformis-Syndrom wahrscheinlich.
Formen
Umgekehrtes Lasègue-Zeichen
Als umgekehrtes Lasègue-Zeichen oder umgekehrten Lasègue bezeichnet man die Schmerzauslösung bei Überstreckung des gestreckten Beines im Hüftgelenk (in Bauchlage). Es ist ein Dehnungszeichen des Nervus femoralis, das man bei einer Kompression der Nervenwurzeln L3 bzw. L4 findet.
Gekreuztes Lasègue-Zeichen
Als gekreuztes Lasègue-Zeichen bezeichnet man die Reproduktion des radikulären Schmerzes im betroffenen Bein, wenn das kontralaterale, gesunde Bein passiv gestreckt angehoben wird. Ein positiver Befund besitzt eine hohe Spezifität bei niedriger Sensitivität und weist mit hoher Wahrscheinlichkeit auf einen ausgeprägten, medial bzw. zentral gelegenen Bandscheibenvorfall mit Nervenwurzelkompression hin.[2]
siehe auch: Brudzinski-Zeichen, Kernig-Zeichen
Aussagekraft
Das Lasègue-Zeichen ist ein hochsensitiver, aber wenig spezifischer Test. In Metaanalysen liegt die gepoolte Sensitivität für die Diagnose eines lumbalen Bandscheibenvorfalls bei etwa 91–92 %, die Spezifität dagegen nur bei etwa 26–28 %.[3][2]
Aus der hohen Sensitivität folgt, dass ein negatives Lasègue-Zeichen einen klinisch relevanten Bandscheibenvorfall unwahrscheinlicher macht; der Test eignet sich daher primär zum Ausschluss. Aufgrund der niedrigen Spezifität ist ein positives Ergebnis für sich genommen nicht beweisend und muss stets im klinischen Gesamtkontext sowie ggf. mit der bildgebenden Diagnostik, insbesondere der Magnetresonanztomographie, interpretiert werden.
Falsch-positive Befunde entstehen vor allem durch nicht-radikuläre Schmerzursachen, insbesondere durch eine Verkürzung der ischiokruralen Muskulatur (Pseudo-Lasègue) sowie durch Pathologien des Hüft- oder Iliosakralgelenks. Ein charakteristisches Unterscheidungsmerkmal ist, dass echter radikulärer Schmerz bis unterhalb des Knies ausstrahlt, während muskulär bedingter Schmerz auf den dorsalen Oberschenkel begrenzt bleibt.
Falsch-negative Befunde treten vor allem bei weit lateralen Bandscheibenvorfällen sowie bei Läsionen der oberen Lumbalsegmente (L2–L4) auf, die durch das umgekehrte Lasègue-Zeichen besser erfasst werden.
Quellen
- ↑ Das et al., Straight Leg Raise Test (Lasègue Sign), StatPearls, 2024
- ↑ 2,0 2,1 van der Windt et al., Physical examination for lumbar radiculopathy due to disc herniation in patients with low-back pain, Cochrane Database Syst Rev, 2010
- ↑ Devillé et al., The test of Lasègue: systematic review of the accuracy in diagnosing herniated discs, Spine (Phila Pa 1976), 2000