Immediatprothese
Synonym: Sofortprothese
Definition
Die Immediatprothese ist eine herausnehmbare Zahnprothese, die bereits vor der geplanten Zahnentfernung (prächirurgisch) hergestellt wird. Die Eingliederung erfolgt unmittelbar nach dem chirurgischen Eingriff in derselben Sitzung. Sie ist damit eine Sonderform der temporären Versorgung und grenzt sich von der Interimsprothese ab, die erst nach dem Zahnverlust angefertigt wird.
Hintergrund
Der entscheidende labortechnische Unterschied liegt im sogenannten "Radieren": Hierbei entfernt der Zahntechniker die zu extrahierenden Zähne auf dem Gipsmodell und formt den Kieferkamm so vor, wie er nach dem Eingriff erwartet wird.
Funktion
Neben dem Lückenschluss erfüllt die Immediatprothese weitere klinisch relevante Funktionen:
- Wundschutz: fungiert als Verbandplatte auf den frischen Extraktionswunden; dies unterstützt die Hämostase, verhindert mechanische Reize durch Nahrungsmittel und minimiert postoperative Schwellungen durch leichte Kompression
- Funktionserhalt: Sicherung der vertikalen Relation (Bisshöhe) und Stabilisierung der Kieferrelation
- Lagesicherung: Verhinderung von Zahnwanderungen, Kippungen der Nachbarzähne oder Elongation der Antagonisten (prophylaktische Funktion)
- Konditionierung des Weichgewebes: durch Techniken wie den Immediate-Pontic (eiförmiges Eintauchen des Ersatzzahnes in die Alveole) kann das Weichgewebe für die spätere definitive Versorgung gezielt ausgeformt werden
Die Immediatprothese hat zudem einen psychosozialen Faktor, da der Patient die Praxis nicht mit Zahnlücke verlässt; der Erhalt von Ästhetik und Phonetik ist unmittelbar gewährleistet.
Quellen
- Kern et al., Curriculum Prothetik, 5., überarbeitete und erweiterte Auflage, 2022